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25.01.1980 - 

Die integrierte Werkzeugfamilie kommt bald:

Software-Engineering-Methoden konvergieren

In der von der GMD-Studie über den heutigen Stand der Software-Technologie wurde kürzlich bemängelt, daß es an einem allumfassenden Entwicklungssystem fehlt (vergleiche CW-NR. 48 vom 30. November 1979, Seite 8). Die Anwender müssen sich nach wie vor selber helfen, um die Lücken zwischen den einzelnen Methoden zu überbrücken. Was sie brauchen, ist ein ganzes Bündel integrierter Methoden. Aber solche Methoden-Systeme sind - wenn überhaupt - nur firmenspezifisch verfügbar.

Dieser Zustand wird nicht von langer Dauer sein. Die Software-Technologie hat in den 70er Jahren riesige Fortschritte gemacht. Programmiermethodik war zu Beginn des letzten Jahrzehnts kaum bekannt. Als der Autor dieses Artikels 1970 nach Deutschland kam, gab es außer der normierten Programmierung kaum brauchbare Ansätze. Deutschland war eine Software-technologische Wüste. Jetzt, zu Beginn der 80er Jahre, hat sich das Bild gründlich verwandelt. In einem breiten Seminarangebot verschiedener Ausbildungsinstitutionen wird eine ganze Reihe Methoden von der Spezifikation bis zum Test und Tuning gelehrt. Dazu sind inzwischen von einigen Hardware-Herstellern und Software-Häusern Werkzeuge zur Unterstützung jener Methoden entwickelt und zur Marktreife gebracht worden - Werkzeuge wie ADVIS 440, PET, Delta, GIRL und SITOK. Sicherlich sind sie noch nicht die Wunderlösungen, die sich viele Anwender erhoffen, aber sie sind Anstöße, die es gilt, weiter zu fördern.

Die einzelnen Gebiete der Software-Entwicklung sind inzwischen hinlänglich bekannt. Es sind:

- Spezifikation,

- Entwurf,

- Programmierung,

- Dokumentation,

- Test,

- Tuning und

- Projektmanagement.

Für jede dieser Tätigkeiten gibt es mehr oder weniger ausgereifte Verfahren, und für einige gibt es schon erprobte Werkzeuge. Zugegeben, bisher ist noch kein allumfassendes Software-Engineering-System in Erscheinung getreten, aber Teilsysteme gibt es inzwischen etliche, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie zu einem Ganzen zusammenwachsen. Bis Ende der 80er Jahre wird dies sicherlich der Fall sein.

Die Erfüllung des Wunsches nach einer durchgängigen Methodik unterstützt von einer integrierten Werkzeugfamilie wird nicht lange auf sich warten lassen. Sie liegt schon jetzt in greifbarer Nähe. Die Hardware-Voraussetzungen sind weitgehend erfüllt, die Software-Technologie weitgehend erforscht.

Die entscheidende Frage ist, ob die heutigen DV-Anwender für ein derartig anspruchsvolles Verfahren reif sind. Können die Menschen, die in den 60er Jahren ausgebildet wurden, mit den Methoden und Mitteln der 80er Jahre zurechtkommen? Durch die Automatisierung der Routineaufgaben konzentriert sich die menschliche Aktivität auf die wenigen, verbleibenden kreativen beziehungsweise kontrollierenden Aufgaben. Die Anforderungen an den Software-Entwickler steigen. Wo früher Programmierherden gewerkelt haben, werden nur noch wenige, hochqualifizierte Spezialisten tätig sein.

Es müssen daher in erster Linie die richtigen organisatorischen und personalpolitischen Voraussetzungen geschaffen werden. Man muß noch mehr in die Ausbildung der Mitarbeiter investieren und Organisationsformen finden, die der neuen Technologie gerecht werden. Die Technologie selbst wird von alleine kommen, mit oder ohne staatliche Förderung.

Harry. N. Sneed (MPA) ist Software-Ingenieur bei den Software Research Associates (SRA). München.