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08.08.1986 - 

Mehrplatzmikro versus PC-LAN:

Software entscheidet im Wettlauf der Konzepte

In den vergangenen drei bis vier Jahren war das Marktangebot an arbeitsplatznahen Systemen einerseits durch das Vordringen der immer leistungsfähigeren PCs und andererseits durch die klassischen Mehrplatz-Bürocomputer bestimmt. Beide Systeme haben ihre Stärken.

Während der PC mit vollkommen neuen Anwendungen wie den Kalkulations- und Grafikprogrammen primär als persönliches Werkzeug am Arbeitsplatz dient, hat demgegenüber der Bürocomputer klare Vorteile im Mehrplatzbetrieb, insbesondere bei Dialoganwendungen. Beide Vorteile zu vereinen ist das Ziel der PC- sowie der Bürocomputeranbieter.

Neue Lösungen sind das Ergebnis dieser Bemühungen: Einerseits das PC-Netzwerk, favorisiert insbesondere von PC-Händlern und von Mikro-Herstellern wie zum Beispiel Apple. Andererseits sogenannte Supermikros, also Mehrplatzsysteme, vorzugsweise angeboten von DV-Herstellern.

Netzwerk-Performance hat enge Grenzen

Beide Varianten, das heißt PC-Netzwerk und Supermikro haben ihre Stärken und Schwächen:

Das PC-Netzwerk erlaubt den Anwendern von isolierten PC die gemeinsame Nutzung teurer Peripheriegeräte, zum Beispiel Laserdrukker. Dazu ist ebenso wie beim Austausch von Mitteilungen zwischen PC (electronic mail) kein Transport von Datenträgern erforderlich. Mit geeigneter Software ist auch ein Mehrbenutzerbetrieb möglich. Wie Erfahrungen zeigen, sind die Netzwerke mit mehr als fünf Anwendern und mit gleichzeitig aktiven Datensätzen schnell überlastet. Außerdem sind Datenbankanwendungen mit Größen um 300 bis 600 MB in PC-Netzwerken aus Performancegründen derzeit nicht sinnvoll. Den Vorteil der hohen Rechnerleistung im Arbeitsplatz stehen insbesondere Datenorganisationsprobleme (Up-Date-Management) und das noch geringe Angebot netzwerkfähiger Mehrbenutzer-Software gegenüber. PC-Netzwerke findet man deswegen heute vorzugsweise als Abteilungslösungen in größeren mittelständischen Unternehmen und Großbetrieben mit nachgeschalteten Standardcomputern.

Hingegen entsprechen die Supermikros in ihrer Architektur den typischen Bürocomputern. Häufig mit dem Unix- oder Derivat-Betriebssystem ausgestattet, bieten sie typische Mehrplatzfunktionen für 3 bis 8 Benutzer. Mit Verfügbarkeit leistungsfähiger 32 Bit Prozessoren werden zukünftig auch bis zu 16 Benutzer ausreichende Rechenleistung haben. Durch den Einsatz der heute üblichen Bildschirmterminals bleiben gegenüber dem PC-Netzwerk jedoch weiterhin Schwächen: Sowohl auf der Grafikfähigkeit als auch auf den Einsatz von Programmen mit Spreadsheet muß der Supermikroanwender verzichten. Es sei denn, er installiert einen herkömmlichen PC als Terminalersatz.

Hat das PC-Netzwerk bis drei Arbeitsplätze preislich Vorteile, ist bei größerem Ausbau der Mehrplatzmikro kostengünstiger. Die Hardwarekosten je Arbeitsplatz sind dann zwischen 3000 und 5000 Mark niedriger als bei PC-Netzwerken. Mit diesen Stärken und Schwächen sind die Anwendungsschwerpunkte für beide Konzepte verbunden. Der PC und das LAN werden wahrscheinlich als Bestandteil einer Bürokommunikationslösung in Großbetrieben genutzt, die Supermikros hingegen als zentrales DV-System in Klein- und Mittelbetrieben sowie in Niederlassungen.

Token-Ring wird Nachfrage beleben

Damit substituieren sich die Konzepte im Markt nicht. Die Frage wird vielmehr lauten, welche Systemart sich im Markt schneller durchsetzt. Dieses hängt im wesentlichen von der Verfügbarkeit geeigneter Software-Lösungen ab. Für beide Systemarten - das PC-LAN und der Mehrplatzmikro - sieht es bezüglich der Software zur Zeit noch bescheiden aus.

Bei den Software-Häusern ist jedoch ein deutlicher Entwicklungstrend, insbesondere zu Branchenlösungen unter UNIX, für Mehrplatzmikros festzustellen. Deswegen wird sich wahrscheinlich entgegen den Aussagen mancher Marktforscher der Supermikromarkt stückzahlenmäßig schneller entwickeln.

Eine starke Nachfrage nach PC-Netzwerken wird dann eintreten, wenn IBM ihr Token-Ring-Konzept im Markt etabliert hat. Damit ist allerdings nicht vor Ende 1988 zu rechnen.

*Harald Issleib ist Mitarbeiter des Marktforschungsunternehmens Diebold Deutschland GmbH in Frankfurt