Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

24.08.1990 - 

Mac-Programme sind derzeit kein gutes Geschäft

Software-Entwickler fordern von Apple mehr Weltoffenheit

BOSTON (CW) - Die unabhängigen Software-Entwickler für den Macintosh gehen auf die Barrikaden. Angesichts des kümmerlichen Wachstums des Mac-Marktes in den vergangenen Jahren wollen sie von Apple jetzt endlich Taten sehen: Preissenkungen, Innovation, mehr Kundenorientierung und eine Stabilisierung der Führungsmannschaft.

Die Podiumsdiskussion zu Beginn der diesjährigen "Mac-World" geriet zum Scherbengericht für Apple. Statt neue Kunden zu gewinnen, habe das träge gewordene Pionierunternehmen nur die existierenden Kunden ausgenommen, erbosten sich die versammelten Manager von Microsoft, Aldus, Symantec, Claris und T/Maker. Der Zorn der Softwerker ist verständlich: Laut Mike Maples, bei Microsoft zuständig für die Anwendungsentwicklung, haben ganze neun Firmen im letzten Jahr mit ihren Mac-Produkten schwarze Zahlen geschrieben.

Auch die Zukunft, auf die viele Entwickler gesetzt haben, sieht mittlerweile gar nicht mehr so rosig aus: "Zehn Prozent Marktanteil und kein Wachstum in Sicht - das reicht nicht für die 90er Jahre", fürchtet Symantec-Präsident Gordon Eubanks.

Von dem einstigen Credo, "Computer für den Rest der Welt" zu bauen - einfach, nützlich, offen und für jeden erschwinglich bemerken die Kritiker bei Apple nur mehr wenig. Die Macintosh-Produktpalette sei zu klein, zu überzüchtet und zu teuer. Für Bill Campbell, Präsident der Apple-eigenen Claris Corp., ist das derzeitige Preis-Leistungs-Verhältnis "absolut witzlos". Eine spürbare Preissenkung sei dringend erforderlich. Damit ließen sich neue Kunden anlocken und langfristig würde das für alle mehr bringen als es kostet - auch für Apple.

Heftige Kritik übten die Gesprächsteilnehmer an der geringen Zahl neuer Produkte. Statt sich mit immer neuen Copyright-Prozessen in seiner proprietären Nische einzumauern, empfahl Gordon Eubanks, Apple solle lieber entwickeln etwa einen Laptop, der sich ohne vorheriges Muskeltraining tragen läßt. Sein Patentrezept: "Ein Pfund Innovation für jede Unze Rechtsstreit."

Apple müsse ja nicht allein machen, meinte der Symantec-Chef. Auch Konkurrenz könne für Bewegung sorgen. Es sei an der Zeit, so Eubanks, Lizenzen für die Macintosh-Technologie zu vergeben - eine Forderung, die auch mehrere Branchenbeobachter in letzter Zeit erhoben hatten. Von Mac-kompatiblen Rechnern unabhängiger Hersteller erhofft man sich eine Ausweitung der installierten Basis und damit mehr Attraktivität für die Software-Entwickler.

Auch Microsoft sähe die Mac-Welt gerne etwas offener. Die Redmonter Programmschmiede, die wegen ihrer Systemoberflächen "Windows" für DOS und "Presentation Manager" für OS/2 als eine der Hauptschuldigen an der Mac-Misere gilt, versorgt zugleich einen großen Teil des Mac-Marktes. In Wahrheit aber, meinte Mike Maples, helfe Windows Apple - wieder auf den Boden zu kommen: "Es zwingt sie, mehr an das untere Ende zu denken und daran, wie sie die Oberfläche verbessern können." Windows wäre kein Problem für den Mac, wenn Apple sich nur ernsthafter um die Kommunikation und die Koexistenz mit anderen Plattformen bemühte, vor allem mit der DOS-Welt.

Selbst klassische Mac-Domänen scheinen den Entwicklern zum Problem zu werden. Bill Campbell kritisierte die Fixierung auf die DTP- und Multimedia-Nische, weil sie nur zu immer mehr und immer ausgefeilteren Programmen führe, für die immer weniger Anwender eine praktische Verwendung hätten. "Der Mac muß als Maschine für jeden Anwendertyp präsentiert werden", forderte der Claris-Chef.

Um den Markt mit der dafür nötigen Software versorgen zu können, sagte Heidi Roizen, Präsidentin von T/Maker, müßte Apple allerdings die Softwarehäuser, zumindest die kleineren, bei der Entwicklung und Vermarktung unterstützen. Abgesehen von der rein technischen Unterstützung sei hier bislang kaum etwas geschehen.

Wenn sich nicht bald etwas ändert, könnte es in der Tat schwierig werden für den PC-Pionier. Das anhaltende Stühlerücken an der Unternehmensspitze zeigt, daß man sich auch in Cupertino der prekären Lage bewußt ist. Vorerst allerdings wird dadurch alles nur noch schlimmer: "Das interne Durcheinander", beschwerte sich Aldus-Gründer Paul Brainerd, "hat die Zusammenarbeit mit Apple immer mühsamer gemacht."

Wenige Minuten nach dem Ende der Gesprächsrunde bestieg Apple-Chef John Sculley das Podium, um seine Begrüßungsansprache zu halten. Zur allgemeinen Enttäuschung jedoch verlas er nur seinen vorbereiteten Text und verschwand wieder. Kein Wort zu den Beschwerden und Vorschlägen der frustrierten Softwerker. Wozu auch: "Der Mac lebt und gedeiht" (Sculley).