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17.04.1998 - 

IT im Maschinenbau

Software-Entwicklung als Kernkompetenz

17.04.1998

Dem Maschinen- und Anlagenbau geht es (wieder) gut. Für 1998 wird ein reales Wachstum von sechs Prozent angepeilt. Ein Grund dafür dürfte sein, daß er seit Jahren vor den USA und Japan sowohl Patent- als auch Exportweltmeister ist. In über 30 Fachbranchen, von der Antriebstechnik bis zu Werkzeugmaschinen, werden 20000 unterschiedliche Produkte und Lösungen angeboten. Bemerkenswert ist ferner, daß der Maschinenbau mit jährlich 4000 bis 5000 neuen Lösungen für Anwendungen in allen Industriebereichen eine ausgesprochene Innovationsindustrie ist.

Durch den Einsatz neuester Technologien gelingt es offenbar immer wieder, die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stabilisieren und Führungsrollen zu verteidigen. Dabei nimmt die Informations- und Kommunikationstechnik (IuK) eine Schlüsselrolle ein, da sie in den Prozessen wie auch in den Produkten des Maschinenbaus gleichermaßen integriert ist.

Das IuK-Anwendungsspektrum reicht von der Entwicklung und Konstruktion, der Planung und Produktion bis hin zu Wartung und Service. Eine 1996 in den Mitgliedsunternehmen des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e. V. (VDMA) veranstaltete Umfrage hat die hohe Durchdringung mit Informationstechnik (IT) über alle Unternehmensbereiche bestätigt (siehe Abbildung 1 auf Seite 50).

Inzwischen sind diese Zahlen weiter gestiegen. Für den Bereich Entwicklung und Konstruktion (CAD) hat der VDMA 1997 eine Durchdringung von 98 Prozent ermittelt.

Für die Informationsverarbeitung gaben die Unternehmen 1996 im Schnitt knapp zwei Prozent des Umsatzes aus. Bezogen auf den Jahresumsatz des Maschinenbaus von knapp 250 Milliarden Mark ergibt sich rein rechnerisch die stolze Summe von nicht weniger als fünf Milliarden Mark im Jahr. Der größte Teil fließt in technische Anwendungssysteme wie CAD und PPS (siehe Abbildung 2 auf Seite 50).

Internet-Nutzung ist im Kommen

Die Auftragsabwicklung als Kernprozeß des Maschinenbaus, also die Strecke von der Entwicklung und Konstruktion zur Fertigung einschließlich Montage und Inbetriebnahme, macht zirka 55 Prozent der Gesamtkosten aus.

Eine Ende 1997 organisierte Befragung des Fraunhofer-Instituts für Systemtechnik und Innova- tionsforschung in Karlsruhe zu "Innovationen in der Produktion 1997" hat wiederum bestätigt, daß der Maschinenbau neueste IuK-Technologien konsequent aufgreift. Laut dieser Untersuchung nutzen bereits über 50 Prozent der 560 befragten Maschinenbau-Unternehmen das Internet, über 30 Prozent planen den Einstieg in das weltweite Netz. Stark im Kommen ist auch der Teleservice, also die telekommunikative Unterstützung der Inbetriebnahme, Störfallbeseitigung, Wartung und Reparatur von Maschinen und Anlagen.

Teleservice wird von zirka 23 Prozent der befragten Unternehmen bereits angeboten, zirka 22 Prozent planen den Aufbau entsprechender Dienstleistungen. Die Realisierbarkeit von Teleservice ist gleichzeitig ein Indiz dafür, daß Maschinen mit einem ständig wachsenden Anteil an IuK-Komponenten ausgestattet werden.

Zum Einsatz von IT in den Produkten gibt es bisher wenig statistische Informationen. 1994 hat der VDMA zum ersten Mal in einer Befragung versucht, einen Einblick in diesen IT-Bereich zu gewinnen. Damals lag der wertmäßige Anteil von IT an den verkauften Maschinenbauprodukten bei elf Prozent und an den Gesamtentwicklungskosten bei 15 Prozent - mit Spitzenwerten bis zu 50 Prozent und stark wachsender Tendenz.

Betrachtet man aktuelle Innovationen im Maschinenbau etwas näher, so wird deutlich, daß diese vielfach erst durch IuK-Technologien möglich wurden. Gerade in den letzten Jahren sind eine Reihe von IT-Entwicklungen und -produkten auf den Markt gekommen, die sich für den Einsatz in Maschinenbauprodukten anbieten. Beispiele hierfür sind:

- Offene Steuerungen,

- Industrie-PC und Soft-SPS,

- standardisierte Feldbusse,

- neue Programmiersprachen und

- Echtzeit-Betriebssysteme,

- KI-(Künstliche Intelligenz-) Technologien wie Fuzzy Logic und - neuronale Netze,

- industrielle Bildverarbeitung,

- Multimedia und Internet,

- Teleservice etc.

Der Maschinenbauer steht permanent vor der schwierigen Aufgabe, die Potentiale neuer Entwicklungen auch in der IT abzuschätzen und die richtigen Weichen für seine Produkte zu stellen. Dies erfordert systemübergreifendes Denken bei gleichzeitiger Einbindung von Mechanik, Elektronik und Software. Wen wundert es, daß der Anteil von Informatikern und Software-Entwicklern im Maschinenbau stark gestiegen ist. In einer Reihe von Unternehmen sind inzwischen mehr Software-Entwickler als Mechanikentwickler tätig. Zugespitzt heißt das: "Wir bauen keine Maschinen mit Software, sondern Software mit Maschinen. "

Software ist für Produkte und Dienstleistungen des Maschinenbaus die entscheidende Basis für die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit geworden. Nicht nur in der IT-Industrie, sondern auch im Maschinenbau ist es ein Muß, neueste Entwicklungsmethoden, Technologien und Werkzeuge einzusetzen, um die Produktivität und Qualität der Software-Entwicklung sicherzustellen. Solange noch an Software "gebastelt" oder "gefeilt" wird, kann aber kaum von einer industriellen Softwareproduktion gesprochen werden. Die enge Verzahnung von Maschine und Software bedingt eine noch engere Zusammenarbeit von Maschinenbauern und Softwarespezialisten, um beide Bereiche zusammenzuführen.

Arbeitskreise

Der VDMA hat eine "Arbeitsgemeinschaft Software des Maschinenbaus" gegründet, die die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit fördern soll. Fachlich werden folgende Softwareprodukte angesprochen:

- Software als integraler Bestandteil von Maschinen, zum Beispiel Steuerung und Bedienung,

- Software, durch die produktbegleitende Dienstleistungen erbracht werden, zum Beispiel Teleservice, Anlagenberatung, Projektierung.

Weitere Arbeitskreise beschäftigen sich mit grundlegenden Fragen zur Software hinsichtlich Produktivität, Qualität, "Make or Buy", Standardisierung etc. In gemeinsamen Veranstaltungen werden aktuelle Themen diskutiert, zum Beispiel der Einsatz von Internet und Java (http://www.software.vdma.de).

Diplominformatiker Rainer Glatz ist Leiter der Abteilung Informatik und Leiter der Arbeitsgemeinschaft Software des Maschinenbaus im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e. V. (VDMA) in Frankfurt am Main.