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20.10.1995

Software-Entwicklung kommt Schluesselrolle zu Siemens will im Telecom-Markt starke Position weiter ausbauen

20.10.1995

GENF (gh) - Das Krisengerede der Telecom-Ausruesterfirmen ist Schnee von gestern. Vielmehr bieten sich durch die Deregulierung der Maerkte sowie die Privatisierung wichtiger Netzbetreiber neue Chancen. Mit diesem von Zentralvorstandsmitglied Volker Jung gezeichneten Bild praesentierte sich die Siemens AG auf der Telecom '95. Der Muenchner Elektronikriese sieht sich in Sachen anwendungsspezifische Software sowie neue Netztechniken gut geruestet und will im internationalen Ringen um die Technologiefuehrerschaft Taktgeber beim Innovationstempo sein.

Dass Siemens seine Hausaufgaben gemacht hat, untermauerte Jung vor der internationalen Presse in Genf anhand einiger Beispiele. So generiert etwa der Unternehmensbereich Private Kommunikationssysteme rund 90 Prozent seines Umsatzes mit Produkten, die juenger als zwei Jahre sind. Eines der "Highlights" an der Produktfront sei das vier Stunden Sprechzeit und 50 Stunden Bereitschaft bietende GSM-Handy "S4", und in Bereichen wie etwa der DECT-basierten Schnurlos-Telefonie betrachtet man sich weltweit gar als Nummer eins.

Damit dies auch in Zukunft so bleibt, hat man, wie Jung berichtete, viel Kraft und Aufwand in eine Art "Cultural Change" investiert - was nach seinen Worten nichts anderes bedeutet, als flexibel auf Kundenwuensche zu reagieren und mit entsprechenden Produkten und Dienstleistungen schnell und zu wettbewerbsfaehigen Preisen auf den Markt zu kommen. Jung woertlich: "Unsere Mitarbeiter mussten erst begreifen lernen, dass ihr Gehalt von den Kunden bezahlt wird."

Dass das Ganze nicht nur mit einer geaenderten Unternehmensphilosophie realisierbar ist, machen folgende Zahlen deutlich: Siemens ist derzeit mit seinen Kommunikationsloesungen in ueber 120 Laendern praesent und betreut weltweit mehr als eine halbe Million Kunden. Bezogen auf die drei Unternehmensbereiche Oeffentliche Kommunikationssysteme (OEN), Private Kommunikationssysteme (PN) und Vernetzungssysteme (VS) werden Jung zufolge jaehrlich nach wie vor rund fuenf Milliarden Mark in die Entwicklung neuer Technologien, in neue Fertigungstechniken sowie in die Aus- und Weiterbildung von rund 60000 Mitarbeitern investiert. Mit einem Umsatz von knapp 21 Milliarden Mark im Geschaeftsjahr 1993/94 und einem Anteil am Weltmarkt von gut zehn Prozent zaehlen die Muenchner zu den drei groessten Anbietern.

Trotzdem sind, wie der Siemens-Vorstand betonte, noch eine Reihe von Anstrengungen noetig. Immerhin waren in einigen Marktsegmenten, zum Beispiel der Uebertragungstechnik, nach Angaben von Jung "Preiseinbrueche von teilweise bis zu 90 Prozent" zu verkraften - ausgeloest durch eine rigide Rotstiftpolitik bei der bisherigen Hauptkundschaft, den grossen Netzbetreibern.

"Wir brauchen in Zukunft mehr denn je Volumina", gab Jung daher als Devise aus, verbunden mit der Hoffnung, dass die Oeffnung des deutschen respektive europaeischen Telecom-Marktes und damit das Auftreten zusaetzlicher Carrier und Service-Provider einen neuen Boom im Equipment-Geschaeft ausloest.

In diesem Zusammenhang wies Jung auch darauf hin, dass der Software-Entwicklung mehr Bedeutung beigemessen werden muss denn je. Sie treibe in immer staerkerem Masse technische Innovationen in der Telekommunikation voran, wie es sich vor allem am Beispiel des Mobilfunks dokumentiere. So seien beim digitalen D-Netz ueber 80 Prozent der Aufwendungen fuer Forschung und Entwicklung in die Software geflossen. Auch beim digitalen Vermittlungssystem "EWSD" habe der Software-Anteil an den F&E-Aufwendungen deutlich zugenommen - und zwar von 65 Prozent im Jahr 1989 auf 80 Prozent im vergangenen Jahr.

Der Siemens-Vorstand machte klar, dass auch die geplanten, in der Vergangenheit lediglich aufgeschobenen Netzinnovationen bei den grossen Carriern fuer spuerbare Wachstumsschuebe in der Ausruesterindustrie sorgen koennen. Gleichzeitig bringe die zunehmende technische Komplexitaet dem Anwender zwar immer neue Nutzungsmoeglichkeiten, der Zuwachs an Leistungen erfordere aber einen staendig steigenden Aufwand fuer die Netzinfrastruktur. So entstuenden Jung zufolge hinter dem herkoemmlichen zahlreiche weitere "Netze", etwa das sogenannte Access Network (AN), das Telecommunication Management Network (TMN) sowie Intelligente Netze (IN).

Fuer die genannten Anwendungsszenarien praesentierten die Muenchner zusammen mit Partnerfirmen auf der Telecom 95 erstmals auch konkrete Loesungen - zum Beispiel "IMMXpress", ein mit Sun Microsystems, Scientific Atlanta, GPT und Siemens-Nixdorf entwickeltes interaktives Multimedia-Netz, das als Komplettpaket vom Server ueber die jeweiligen Dienste sowie die Transport- und Zugangsnetze bis hin zur Set-top-Box beim Teilnehmer alles aus einer Hand bieten soll. Aehnliches gilt fuer die Siemens- Produktfamilie "Multilink", die als Zugangsnetz zwischen dem Teilnehmer und den Kernnetzen oeffentlicher Netzbetreiber in kuenftigen Multimedia-Szenarien eine grosse Rolle spielen soll. Fuer ein gewisses Aufsehen sorgte in diesem Zusammenhang das neue Fiber-in-the-Loop-System "Fastlink", das nach Siemens-Angaben den rationellen Einsatz von Glasfaser auf der letzten Meile zum Kunden ermoeglichen soll, da hierbei sowohl Glasfaser- als auch Kupferkabel sowie Funktechniken auf Basis von DECT und CDMA integriert werden koennen.

Als eines der ersten Unternehmen ueberhaupt zeigte Siemens in Genf ein vom Endgeraet bis zum Netz-Management durchgaengiges ATM- Konzept, das neben Funktionen fuer den Access-, Core- und Server- Bereich auch entsprechende Features fuer Verwaltung und Wartung beinhaltet. Durch eine, wie Jung betonte, "Kraftanstrengung aller Unternehmensbereiche" - also OEN, PN, VS und Siemens-Nixdorf - sei man nun in der Lage, einheitliche Loesungen fuer Gebaeude- und Standortnetze, landesweite und internationale Corporate Networks bis hin zu den globalen ATM-Netzen der grossen Carrier anzubieten. Zukunftsweisend ist hier nach den Worten Jungs das ATM-System "Hicom Xpress", womit man heute schon demonstrieren koenne, wie die Schmalband-ISDN-Systeme der "Hicom"-Familie zusammen mit ATM- Breitband-Komponenten eine integrierte Gesamtloesung darstellen.