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01.09.1978

Software für das Rechnungswesen - Sprung nach vor möglich

Prof. Dr. Norbert Szyperskzi

Sowohl die betriebswirtschaftliche Diskussion um das Rechnungswesen als auch die Entwicklung der Datenverarbeitung haben - jede für sich - einen Stand erreicht, der die gegenwärtigen Einsatzweisen der Software für das Rechnungswesen in den meisten Fällen unbefriedigend erscheinen lassen.

Das Rechnungswesen tendiert zur Integration seiner Teilbereiche Finanzbuchhaltung, Kostenrechnung, statistische Auswertung und finanzwirtschaftliche Planungsrechnung. Zum Schwerpunkt Abrechnungsaufgaben kommen zunehmend Analyse- und Planungs- aufgaben hinzu. Die Unsicherheit über die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung und der schnelle technische Fortschritt finden auch darin ihren Niederschlag.

Die Entwicklung von Hardware und Software läßt koordinierte und in gewissen sinnvollen Grenzen integrierte Lösungen für diese verschiedenen Anwendungsbereiche zu. Hohe Rechengeschwindigkeiten und verbilligte Speicherkapazitäten, die Entwicklung der Datentechnik und die Prinzipien der strukturierten Systemgestaltung ermöglichten eine Entwicklung, von der neben den großen verstärkt auch mittlere und kleinere Unternehmungen profitieren können.

Die gegenwärtig angewandte Software für das Rechnungswesen fällt gegenüber diesen kurz angedeuteten Möglichkeiten ab. Auch neuere Produkte stellen im wesentlichen nur software-technische Realisierungen der klassischen (Teil-)Lösungen dar. Sie haben zudem den Nachteil, durch die Trennung der zu den verschiedenen Anwendungen gehörenden Datenbasen zu einer ständigen Datenexpansion beizutragen. Die jetzt bereits gegebenen Möglichkeiten der Datenverarbeitung werden noch längst nicht voll genutzt.

Dieser Stand in der Anwendungs-Software ist durchaus verständlich, wenn man sich vor Augen führt, daß die Entwicklung der Datenverarbeitung mit jeder Einflußnahme auf den Ablauf des Rechnungswesens auch potentiell neue Aufgaben hervorruft: nicht nur das "Wie" verändert sich, sondern auch das "Was". Es erscheint höchst unwahrscheinlich, daß diese sich gegenseitig befruchtenden Entwicklungen exakt parallel verlaufen. Allerdings ist jetzt ein Punkt erreicht, an dem ein größerer Sprung nach vorn möglich und notwendig ist, um das gegebene Rationalisierungspotential zu nutzen.

Eine fortschrittliche Lösung, die die genannten Mängel vermeidet und die zur Verfügung stehenden technologischen Möglichkeiten nutzt, zielt auf ein entscheidungsorientiertes Informationssystem auf der Basis des Rechnungswesens. An das hierfür notwendige Softwaresystem sind insbesondere folgende Forderungen zu stellen 1):

Die Eingabedaten, die für Abrechnungszwecke erforderlich sind, müssen auch für Planungs-, Steuerungs- und Kontrollzwecke zur Verfügung stehen. Dazu ist die automatische Generierung eines Grunddatenbestandes notwendig, der auch für alle Sonderrechnungen durch die verschiedenen Planungsträger in Anspruch genommen werden kann. Im übrigen sollten Grund- und Sonderrechnungen und deren Ergebnisdaten ein abgestuftes System bilden, das unnötige Redundanz vermeidet. Damit wären die alten Forderungen Schmalenbachs technisch und wirtschaftlich realisierbar.

Die Datenbanksoftware muß die Beschreibung und beliebige, zweckentsprechende Gruppierung der Datenelemente (zum Beispiel für eine spezielle Kostenrechnung) durch die Benutzer zulassen. Gleichzeitig ist durch ein System der Zugriffskontrolle die Sicherung hierarchisch niedrigeren Datenmaterials zu gewährleisten, insbesondere die Erhaltung der Grunddaten, schon um den gesetzlichen Erfordernissen Rechnung zu tragen.

Die Benutzersprache sollte ferner neben dem Aufruf bestimmter Standardauswertungen auch Algorithmen für einfache Berechnungen zur Verfügung stellen. Für komplexere Aufgaben muß der Zugriff auf einen Methodenpool nicht nur ermöglicht, sondern auch inhaltlich unterstützt werden. Die Generierung von unternehmungsspezifischen Modellen für Planungsaufgaben (zum Beispiel die Finanzplanung) sollte dann ebenso möglich sein wie die Bereitstellung von Daten für andere Unternehmungsbereiche

Da die unternehmerischen Entscheidungssituationen oft einen stark variierenden anderen Charakter haben, ist auch die Mensch-Maschine-Kommunikation vorrangig zu unterstützen. Sie unterstützt nicht nur die Suche nach geeigneten Lösungen für betriebliche Entscheidungsprobleme, in denen Optimierungsalgorithmen versagen oder zu aufwendig sind, sie kann auch sinnvoll zur Integration von Teilplänen, für Plankorrekturen und zur Kontrolle der Planausführung eingesetzt werden.

Wem die hier grob skizzierten Aspekte eines Informationssystems "Rechnungswesen" noch utopisch erscheinen, möge sich die jüngste Entwicklung und den erreichten Stand auf den angesprochenen Gebieten vor Augen führen und bedenken, daß "grundsätzlich neuartige technische Hilfsmittel zu ihrer sinnvollen Nutzung adäquate Systeme" benötigen 2). Reibungsverluste und Doppelarbeit bei der notwendigen Anpassung an die DV-technischen Möglichkeiten können allerdings nur dann beschränkt werden, wenn die Informationssystemplanung in betriebswirtschaftlicher, DV-technischer und organisatorischer Hinsicht in die Unternehmungsplanung integriert wird.

Die technisch gebotenen Möglichkeiten müssen genützt werden, weil

- mehr Informationen durch eine zweckgerichtete Ordnung besser genützt werden können und damit der Informationsmangel im Informationsüberfluß abbaubar ist,

- die variable methodische Auswertung von Daten der Rechnungswesen über einen längeren Zeitraum hinweg strukturelle Einsichten in das Unternehmungsgeschehen ermöglicht, die dem Management auf der Basis herkömmlicher Vergleichsrechnungen verschlossen bleiben müssen.

1) Vergleichsweise dazu unter anderem auch die folgenden interessanten und richtungweisenden Ansätze:

Peter Mertens/Klaus Hansen/Günter Rackelmann: Selektionsunterscheidungen im Rechnungswesen - Überlegungen zu computergestützten Kosteninformationssystemen. In: Die Betriebswirtschaft, 37. Jg. (1977) S.77-88;

Hartmut Wedekind/Erich Otner: Der Aufbau einer Datenbank für die Kostenrechnung. In: Die Betriebswirtschaft, 37. Jg. (1977) S. 533-542.

Sikora, Klaus: Systemkonzeptionen für die computergestützte Untemehmungsplanung in der zusammensetzenden Industrie. In: Die Betriebswirtschaft, 37. Jg. (1977) S. 283-297.

2) Neubert, Helmut: Der Einfluß der elektronischen Datenverarbeitung auf Aufgabenstellung und Organisation des Rechnungswesens, in: Erwin Groschler (Hg.) Organisation und Rechnungswesen, Festschrift für Erich Kosiol, Berlin 1964, S. 251-280, hier S. 273.

Der On-line-Dialog wird zunehmend auch im betriebswirtschaftlichen Bereich eine Bedeutung erlangen wie er sie im ingenieurtechnischen weithin schon hat.