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05.03.1993 - 

An die 70 Unternehmen bieten Programme an

Software fuer den Umweltschutz sollte modular und offen sein

1989 gab es zirka 30 Anbieter - heute bieten ungefaehr 70 Unternehmen Softwareprodukte an, die in direktem Bezug zum Umweltschutz stehen. Nicht mitgerechnet sind Eigenentwicklungen von Behoerden und Industrie, Umweltdatenbanken, von Hochschulen entwickelte Software und geographische Informationssysteme (GIS). In der Uebersicht (vgl. Tabelle 1) sind die namhaftesten Anbieter mit ihren Produkten aufgefuehrt.

Industrielle und oeffentliche Anwender haben dabei einen je nach Groesse und Aufgaben unterschiedlichen Bedarf an Umweltschutzsoftware. Geringer Handlungsdruck liegt zum Beispiel auf relativ kleinen Unternehmen aus wenig umweltgefaehrdenden Branchen. Mit der Groesse des Unternehmens, der Behoerde oder der Kommune waechst tendenziell die Notwendigkeit, sich auch mit Hilfe von DV-Loesungen um den Umweltschutz zu kuemmern (vgl. Tabelle 2). Die Anbieter sind teilweise gut ausgelastet, teilweise ordern die potentiellen Anwender aber auch nur zoegerlich (vgl. Tabelle 3).

Bund und Laender geben jaehrlich viele Millionen Mark fuer Software im Umweltschutz aus. Das Bundesumweltministerium hat, inklusive Umweltbundesamt, fuer 1993 einen DV-Etat von ueber 76,4 Millionen Mark zur Verfuegung. Er teilt sich auf in:

- 17,3 Millionen Mark fuer allgemeine Informationstechnik,

- 25,6 Millionen Mark fuer projektorientierte Informationstechnik sowie

- 33,5 Millionen Mark fuer Informationstechnik in Forschungsvorhaben.

Als Schwerpunkte fuer den Einsatz der Informationstechnik im Umweltschutz nennt das Bundesumweltministerium die in dem Kasten 4 gezeigten Anwendungen.

Auch die Bundeslaender investieren teilweise schon kraeftig in Umweltschutzsoftware. So will Baden-Wuerttemberg 1993 ueber 20 Millionen Mark fuer Umwelt-DV ausgeben. Diese Gelder fliessen ueberwiegend in Auftragsentwicklungen, kaum in Standardsoftware.

Vor allem kleinere Kommunen halten sich bei derartigen Ausgaben dagegen oft zurueck, was nicht immer weitsichtig gehandelt ist. 100 000 Mark waeren in Software fuer das Umweltamt haeufig sinnvoller angelegt als in mancher viel teureren Baumassnahme.

Im Mittelstand ist Umweltschutz-Software oft kein Thema, weil die Datenmenge auch manuell bearbeitet werden kann. In umweltrelevanten Branchen allerdings sind auch kleinere Unternehmen gut beraten, wenn sie mittels Software fuer Transparenz sorgen. Die Ausgabe fuer ein Softwarepaket zum Preis von 10 000 bis 20 000 Mark ist meist schnell anderweitig eingespart.

Viele grosse Unternehmen stehen unter starkem Handlungsdruck. Die Gesetzgebung zu Abluft und Abwasser ist einzuhalten. Produkte aller Art koennen mit Rechtsnormen kollidieren. Allumfassende Management-Informations- und Entscheidungssysteme werden nicht mehr oft angestrebt. Man kauft oder entwickelt vielmehr Loesungen fuer einzelne Bereiche und versucht eventuell noch, Schnittstellen zwischen den Inseln zu pflegen. Die Entwicklung der Technik und des Umweltrechts schreiten so schnell voran, dass die DV nur noch auf Ebene der Fachanwendungen Schritt halten kann.

Anders saehe es aus, wenn ein potenter Software-Anbieter eine umfassende und in die betriebswirtschaftlichen Ablaeufe integrierte Loesung anbieten wuerde. SAP ist auf dem Weg dorthin.

Anton Dillinger ist bei SAP zustaendig fuer Qualitaetssicherungssoftware und Umweltschutzsoftware. Er sagt: "Wir nehmen derzeit die Anforderungen unserer Kunden auf. Besonders in der Unterstuetzung der Betriebsbeauftragten und des Umwelt-Controlling besteht eine grosse Nachfrage. Darueber hinaus erzwingen die wachsende Bedeutung des Umweltschutzes im Wettbewerb und der steigende Kostendruck ein Optimum an Transparenz und Entscheidungsqualitaet".

Auch bei Digital Equipment sieht man den Markt fuer Umweltschutzsoftware als zukunftstraechtig an, wie Harald Mueller- Witt, zustaendig fuer Applikationsentwicklung fuer den Umweltschutz, bestaetigt: "Es kommt darauf an, zum richtigen Zeitpunkt das richtige Angebot zu praesentieren. Wer zu frueh kommt, stirbt. Unsere Philosophie ist es, eine moderne Grundmodularitaet mit Tools zum Selbstprogrammieren anzubieten".

Ulrich Schaaf, Geschaeftsfuehrer der Inplus GmbH in Muenchen, hat vor seinen Mitbewerbern wenig Respekt: "Anbieter von Einzelloesungen gibt es viele, uebergreifende Loesungen sind dagegen duenn gesaet. Kein Wunder, denn da gibt es dicke Bretter zu bohren.

Wir brauchen im Umwelt-Software-Markt endlich eine Open-Systems- Mentalitaet. Solange die Anbieter keine Schnittstellen untereinander und nach aussen vereinbaren, wird die Addition von Inselloesungen der Stand der Kunst bleiben."

Aber nicht nur Objektorientierung und Integration sind aus Sicht der Anwender Faktoren, die ueber den Softwarekauf entscheiden.

Daimler-Benz hat auf der Suche nach einer Software fuer die Unternehmen des Konzerns den Markt nach einem geeigneten System abgeklopft. Neben funktionalen Unzulaenglichkeiten wurde die Qualitaet der Benutzeroberflaechen als zu schlecht befunden.

Die geforderte Integration in Microsofts Windows zum Beispiel konnte von keinem Produkt geleistet werden.

Ulrich Briefs, Informatikprofessor und Mitglied des Bundestages, fasst die Situation zusammen: "Die Informatik kann einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung des Umweltschutzes leisten; die wuenschenswerten Loesungen von Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung stehen aber noch aus.

Umweltschutzsoftware muss im Zusammenhang stehen mit der oekologischen Verbesserung von Produkten, Produktionsverfahren und Betriebsmitteln. Umwelt-Monitoring, Disposition, Oeko-Controlling und viele andere Aufgaben muessen durch geeignete Software unterstuetzt werden."

Abschliessend noch einige Informationen fuer Anwender:

Die Preise der in Tabelle 1 aufgefuehrten Softwarepakete liegen zwischen 1000 und 100 000 Mark. Meist wird die Software modular angeboten. Es gibt ein Basismodul, das anwenderspezifisch um weitere Komponenten ergaenzt werden kann. Fuer 20 000 bis 30 000 Mark bekommt man schon recht umfassende Loesungen.

In jedem Falle empfiehlt es sich, mehrere Angebote einzuholen, denn die Preise schwanken bei gleichem Funktionsumfang enorm. Viele Produkte sind netzfaehig und haben Schnittstellen zu anderen Loesungen, zum Beispiel Laborsystemen oder Messsystemen.

*Horst Ellringmann ist Unternehmensberater fuer Umweltschutz- Management in Koenigstein im Taunus.

Informationstechnik im Bundesministerium fuer Umwelt

Aktuelle Projekte:

- Literatur- und Forschungsdatenbank (Ulidat, Ufordat),

- Umweltprobenbank (UPB),

- Gefahrstoff-Schnellauskunft (GSA),

- Vollzug Chemikaliengesetz (ChemG),

- Meeresumweltdatenbank (Mudab),

- Integriertes Mess- und Informationssystem Strahlenschutz (Imis),

- Smog-Fruehwarnsystem (Smog-FWS),

- Umweltschaeden an Denkmaelern (Monufakt),

- Landschaftsinformations-System (Lanis),

- Europaeisches Informations-System Biotope (Corine-Biotope) sowie

- Datenbank Waldbelastung.

Zukuenftige Projekte:

- Umweltrechtsdatenbank,

- Geoinformations-System Umwelt,

- Informations- und Beratungsnetz zur UVP,

- Vollzug Wasch- und Reinigungsmittelgesetz,

- Vollzug Pflanzenschutzgesetz,

- Datenbank Altlasten,

- Informationssystem Laermbekaempfung, Umwelt und Verkehr,

- Bund-Laender-Messprogramm Nord- und Ostsee,

- Europaeisches Umweltinformations- und Umweltbeobachtungsnetz,

- Technologiedatenbank sowie

- Strahlenschutzregister.

Quelle: Bundesministerium fuer Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit