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03.05.1985 - 

Experten warnen vor Katastrophen:

Software für Militärzwecke nicht zuverlässig

MÜNCHEN (ih) - Auf die mangelnde Zuverlässigkeit von Computerprogrammen, vor allem auch im militärischen Bereich. wiesen Softwareexperten auf der Konferenz "TAPsoft" in Berlin hin. Der Öffentlichkeit sei nicht genügend bekannt, wie fehlerhaft militärisch genutzte Software sei.

Auf der international besuchten Veranstaltung diskutierten über 400 Experten aus Industrie und Wissenschaft über "Theorie und Praxis der Softwareentwicklung" (TAPsoft). Monierte der Pariser Universitätsprofessor Maurice Nivat auf der anschließenden Pressekonferenz: Die Öffentlichkeit sei nicht ausreichend darüber informiert, wie fehlerhaft die Systeme sind, von denen sich die Menschen abhängig gemacht haben.

Bei der Abendveranstaltung, die unter dem Motto "Verantwortung der Informatiker" stand, wurde auch das "Star-Wars"-Programm der amerikanischen Regierung kritisiert. Maurice Nivat vertrat zusammen mit den anwesenden Experten aus West und Ost die Meinung, daß die von US-Präsident Ronald Reagan vorgesehene strategische Verteidigung des Weltraums derzeit technisch undenkbar sei. Auch der kanadische Softwareguru David Parnas, der bei militärischen Projekten mitarbeitet, lehnte den "Krieg der Sterne" ab. Für ein solches Projekt seien 30 000 Mannjahre nötig.

Mit den heute zur Verfügung stehenden Methoden könne keine zuverlässige Software erstellt werden. Vor den Folgen dieses Projekts warnte ebenfalls Christiane Floyd vom Informatikbereich der Technischen Universität Berlin (TU): "Ein solches Computerprogramm wird hundertprozentig einen Fehler enthalten und zu 99 Prozent in die Katastrophe führen."

Die Wissenschaftler rüttelten am Mythos der Unfehlbarkeit von Computersystemen und warnten immer wieder vor einer übertriebenen Computergläubigkeit. Sie betonten, daß bereits kleine Softwarefehler weitreichende bis katastrophale Folgen nach sich ziehen können. Schließlich habe eine falsche Angabe in der Software dazu geführt, daß die amerikanische Mariner-Raumsonde nicht auf der Venus gelandet, sondern daran vorbeigeflogen sei. An ein anderes eklatantes Beispiel, das sich während des Falkland-Krieg ereignet hatte, erinnert der Warschauer Wissenschaftler Wladyslaw Turski. Die von Argentinien eingesetzte französische Exocet-Rakete, die der britischen Flotte hohe Verluste zugefügt hatte, war vom computergesteuerten Abwehrsystem der Engländer nicht als feindliche Waffe identifiziert worden.

Auch andere Aspekte der Softwareentwicklung wurden von den Teilnehmern des Kongresses kritisch beurteilt. So lasse die Benutzerfreundlichkeit der elektronischen Datenverarbeitung zu wünschen übrig. Die Kopplung von Datenbanken sei zwar technisch "schnell und sicher" möglich, doch scheitere dies an der Haltung der Datenbankbesitzer. Für sie bedeute ein Informationsvorsprung gleichzeitig Macht.

An der Tagung, die von der Technischen Universität, der Gesellschaft für Informatik e. V. und der Europäischen Vereinigung für theoretische Informatik (EATCS) veranstaltet wurde, waren unter anderem auch Vertreter aus der UdSSR, Polen und den USA vertreten. Ziel von "TAPsoft" ist nach Aussage der Organisatoren der "Theorietransfer hin zur praktischen Softwareentwicklung".