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18.02.1994

Software-Germany noch nicht verloren Dieter Eckbauer

Berliner Software-Unternehmergespraech im Februar 1994: Eine Standortbestimmung der deutschen Weichwarezunft war angesagt, und mehr als 150 Branchenbosse kamen. Der interessanteste Beitrag blieb einem Aussenseiter vorbehalten. "Informationstechnisch rutschen wir in der Bundesrepublik auf den Knien" - mit dieser Haeme wich Heinz-Otto Peitgen, Direktor des Centrums fuer Complexe Systeme und Visualisierung an der Uni Bremen, von der Linie seines Festvortrags "Ordnung im Chaos - Chaos in der Ordnung" ab. Der US- erfahrene Mathematiker beklagt das innovationsfeindliche Klima in der Bundesrepublik und sieht die Software-Entwickler hierzulande verkannt. Am Wettlauf um zukunftstraechtige neue Produkte, auch und gerade im IT-Bereich, nehme die Bundesrepublik nicht teil.

Ob die "Stahlkocher des 21. Jahrhunderts" (Peitgen), zu denen sich die Teilnehmer der Berliner Veranstaltung als Software-Unternehmer durchaus zaehlen koennten, die Aufforderung des Chaosforschers verstanden haben, einer satten und mueden Ministerialbuerokratie in Deutschland Beine zu machen, Sturm zu laufen gegen Verordnungen, die den Einsatz der Informations- und Kommunikationstechnik hemmen?

Der Kolumnist war in Berlin dabei. Vielleicht ist es ja nicht ganz fair, subjektive Eindruecke an dieser Stelle wiederzugeben. Zum Stillschweigen fuehlen wir uns nicht verpflichtet. Bei der Auswahl der Referenten werden sich die fuer die inhaltliche Konzeption Veranwortlichen von der Diebold Deutschland GmbH etwas gedacht haben. Zwei Hauptreferate bildeten gleichsam die Klammer fuer ein Programm, das dem Neuen in der Software keinen Platz einraeumte, vielmehr das vermeintlich Bewaehrte mit den Mitteln der Verunsicherung verteidigte: Frank Sempert von der Marktforschungsgesellschaft Gartner Group zeichnete ein Szenario 1997, das 50 Prozent aller heute in Europa taetigen Software- Unternehmen nicht mehr erleben werden; Bernhard Dorn, Softwarechef der IBM Deutschland, konstatierte Fortschritte, was den Abbau von High-Tech-Arbeitsplaetzen betrifft. Der Nadelstreifen-Manager bestaetigte indirekt auch Semperts Horrorgeschichte: "Der IBM werden seit einiger Zeit Softwarehaeuser zum Kauf angeboten."

Dorn empfiehlt Kooperationen mit IBM. Man fuehlt sich an die Zeit vor 1974 erinnert, als etliche deutsche Softwarefirmen gegruendet wurden. Die Liste der Hinterbliebenen ist lang. Doch Geschichte wiederholt sich nicht. Als Softie wirkte der ehemalige Black-box- Scharfmacher Dorn merkwuerdig blass in Berlin, als wuesste er, dass ihm die Buesserattituede nicht abgenommen wird. Dass die Uns-werden- Softwarehaeuser-zum-Kauf-angeboten-Aussage eine versteckte Drohung enthaelt, werden nur Zyniker fuer einen geschickten Dorn-Schachzug halten.

Wohin die Softwarereise fuer deutsche Entwicklerfirmen gehen kann, versuchte der Wissenschaftler Peitgen am Beispiel komplexer Bildverarbeitung klarzumachen. Es gibt andere Felder, nicht zuletzt im Tuning- und Tool-Bereich. Wenn Peitgens Provokation wirkt, ist Software-Germany noch nicht verloren.