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09.05.1980

Software-Kauf: Sicherheit durch Referenzen

Der größte Sicherheitsfaktor beim Kauf von Standard-Software ist nach Ansicht von Eggert Agge, Leiter DV/Org bei der Hamburger Conoco Mineralöl GmbH, das Einholen von Referenzen, sowohl über das Produkt, als auch über den Hersteller. Exotische Programmier-Methoden werden in seinem Hause nicht akzeptiert und wenn bereits die Einführung von Fremdsoftware "technische Klimmzüge" erfordere, würde er sich anderweitig umsehen. Harald Herz, DV-Chef bei Friedrich Menzefricke in Versmold, bemerkt, daß Software-Qualität erst in der praktischen Anwendung meßbar sei. Er bedauert, daß der Anwender beim Programmkauf generell den Angaben der Anbieter ausgeliefert ist. Entscheidend für die Qualität von Software sollte nach Aussage von Dirk Lippold (ADV/ORGA) nicht nur Technologie und Funktionsumfang sein, sondern vor allem die vom Anbieter zugesicherten Service-Leistungen, wie maschinelle Dokumentation, Schulung und Wartung. ha

Eggert Agge

Leiter DV/ORG, Conoco Mineralöl GmbH, Hamburg (Univac 90/30, 4 Texas Instruments 990/10)

Ein DV-Anwender, der sich zum Kauf von Standard-Software entschließt, sollte sich prinzipiell an ein Unternehmen wenden, das sich bereits seit geraumer Zeit auf dem Markt befindet und schon gute Software geliefert hat.

Andererseits ist es durchaus positiv, wenn der eigene Hardware-Lieferant die von mir benötigte Software anbieten kann. Dies sichert mir von vorn herein eine gewisse Verträglichkeit zwischen Hard- und Software, die bei Fremdanbietern nicht immer gewährleistet ist, und gibt mir eine stärkere Verhandlungsposition, die vor allem bei eventuellen Problemen maßgeblich sein kann. Denn ich habe nicht eine Vielzahl von Gesprächspartnern, sondern kann mich stets an eine einzelne Person wenden.

Wenn ich beabsichtige, bei einem relativ kleinen Software-Anbieter zu kaufen, muß ich generell erhöhte Forderungen an das Produkt stellen, da häufig eine Pflege durch eigenes Personal notwendig ist. Ich muß also die gleichen Maßstäbe ansetzen, wie bei eigenen Dokumentationen und Sicherheitsvorstellungen.

Gekaufte Software sollte immer den Standards des Unternehmens entsprechen. Wir legen größten Wert auf die Vollständigkeit der Platzdatei, auf Dokumentation und Programmbeschreibung sowie auf Einführungshilfen seitens des Anbieters. Der Maßstab für das Testen eines neuen Programmes, sollte der Maßstab der bereits im Unternehmen befindlichen Programme sein.

Ein grundsätzlicher Aspekt beim Kauf von Software ist die Verträglichkeit mit dem Betriebssystem. Sobald bereits bei der Einführung des Programmes technische Klimmzüge erforderlich sind, sollte man sich bei einem anderen Hersteller umsehen.

Neue Standard-Software sollte heute nicht mehr unter rein DV-spezifischen Gesichtspunkten erworben werden. Sie soll vor allem in der Beschreibung und vom Formularaufbau auch für den Endbenutzer, also für die Fachabteilungen, verständlich sein.

Erfahrungsgemäß ist Software, die auf einen bestimmten Hardware-Typ zugeschnitten ist, nicht sofort einsatzfähig, wenn sie auf einer anderen Anlage läuft. Als Anwender muß ich daher bereits vorher prüfen, auf welcher Maschine das Standard-Paket Überhaupt erstellt wurde. Außerdem ist es wichtig, daß die Programme auch in einer bekannten Standard-Programmiersprache geschrieben wurden. Exotische Programmiermethoden werden bei uns nicht akzeptiert. Wir bevorzugen vielmehr relativ einfach aufgebaute Programme mit einer klaren Befehlsfolge. In der Regel steht im Notfall der Software-Lieferant nicht rechtzeitig zur Verfügung, und man muß dann mit der eigenen Manpower eingreifen. Schriftliche Vereinbarungen über Hilfestellungen im Notfall verbessern zwar gegebenenfalls meine Rechtsposition, lösen aber ad hoc keine Probleme. Eine Kaufüberlegung sollte daher sein: Was passiert, wenn einmal ein Programm "abstürzt" und wie kann ich mir eventuell selbst weiterhelfen?

Unter diesem Gesichtspunkt muß ein Software-Paket auch daraufhin geprüft werden, ob in der Dokumentation genügend Wiederanlauf-Verfahren eingebaut sind, so daß im Falle eines Programm-Absturzes nur kleine und leicht reparable Schäden entstehen.

Größter Sicherheitsfaktor beim Kauf von Standard-Software ist das Einholen von Referenzen über das Produkt und dessen Hersteller. Dies ist am besten bei Kollegen möglich, die die gleiche Anlage fahren.

Florian Seidel

Geschäftsführer, Keller & Kalmbach GmbH, München (Honeywell Bull 61/60, Cicos)

Der Käufer von Software steht vor ähnlichen Problemen wie der Käufer von Textilwaren nur daß sie für ihn wichtiger sind und weitergehende Folgen haben. Die generelle Frage sollte daher lauten: Soll ich einen Maßanzug nehmen oder einen Anzug von der Stange?

Zuerst muß die eigene Figur, also die Firmenorganisation betrachtet werden. Hier muß man sich wiederum fragen, ob man Besonderheiten ändern will (beispielsweise historisch gewachsene Organisationsstrukturen) oder ob es sich um notwendige, marktgebundene Gegebenheiten handelt. Sind diese Aspekte dem Unternehmen klar, muß das Software-Angebot nach Kriterien wie Komfort, Bewegungsfreiheit, Erweiterungsmöglichkeiten und Preis untersucht werden.

Standard-Software hat den Vorteil, daß sie meist schon in irgendeiner Form innerhalb eines anderen Unternehmens vorhanden ist. Das hinsichtlich eines Kaufes in Erwägung gezogene Produkt sollte daher unbedingt mit einem Anwender-Kollegen diskutiert werden. Auf dem Papier sehen die Software-Pakete sicherlich alle recht gut aus, doch oftmals sind diese Lösungen, bezogen auf die eigene Problemstellung, nicht anwendbar,

Nach unseren Erfahrungen sind Standard-Pakete, die von den Anbietern konzipiert wurden, um einen möglichst breiten Bereich abzudecken, mit dem Manko behaftet, daß sie unnötige Routinen mitschleppen. Die Verarbeitungszeiten, insbesondere die Bildschirmarbeitszeiten, werden dadurch gegenüber maßgestrickter Software erheblich verlängert. Ausnahmen sind hingegen Software-Lösungen, die aufgrund gesetzlicher Vorschriften keine großen Variationsmöglichkeiten zulassen und auf genau definierte Bereiche, wie Buchhaltung oder Lohn und Gehalt, zugeschnitten sind.

Für firmenspezifische Lösungen ist immer vorteilhaft, Standard-Software mit Eigen-Software zu kombinieren. So kann der Anwender den Preisvorteil von Fertigware mit dem Organisationsvorteil Maßware verbinden.

Dirk Lippold

ADV/ORGA F. A. Meyer GmbH, Wilhelmshaven

Es wurde sicherlich zu weit führen, alle für die Beurteilung von Standardsoftware maßgeblichen Kriterien wie zum Beispiel Deckungsgrad des Funktionsumfanges, Laufzeiten, Handling, Flexibilität, Portabilität und Wartungsfreundlichkeit oder Dokumentation detailliert zu beschreiben, zu werten und zu gewichten.

Es gibt jedoch eine Reihe von übergeordneten Kriterien, die der Anwender - gleich ob es sich um funktionsorientierte oder Branchenlösungen handelt - berücksichtigen sollte. Da ist zunächst einmal die strikte Modularisierung der Anwendungsfunktionen zu nennen: Viele Standardlösungen sind immer noch eine Mischung aus Hardware, Systemsoftware und Anwendungsfunktionen. Diese drei Komponenten sind häufig so fest miteinander verbunden, daß bei einer Änderung - zum Beispiel bei Hardwarewechsel - für das Softwaresystem ein Umstellungsaufwand entsteht, der wirtschaftlich nicht mehr zu vertreten ist. Daher müssen die Anwendungsfunktionen als eigenständige Bausteine (Moduln) derart konzipiert sein, daß sie unabhängig von der DV-Umwelt eigenständig programmierbar und damit portabel sind.

Im Zusammenhang mit der Software-Architektur steht auch die Verwendung von kompatiblen Datenbank- und Datenkommunikationsschnittstellen, wie zum Beispiel KDBS/KDCS. Mit dieser Technik ist das eigentliche Anwendungsprogramm gegen DB/DC-Wechsel abgesichert. Die Anwendungssoftware ist damit auch für zukünftige Computer- und DB/DC-Systeme vorbereitet.

Ein weiterer übergeordneter Gesichtspunkt ist die Normung von Standardsoftware. Um diese zu unterstützen und die Erstellung und Wartung von Seriensoftware zu erleichtern, sollte der Anwender darauf achten, daß Software-Werkzeuge einen Zwang zur Einhaltung der vorgegebenen Normen ausüben.

Ferner sollten Anwendungs-Softwareprodukte als "offene" Systeme konzipiert sein, so daß auch zukünftige Änderungen und Erweiterungen problemlos berücksichtigt und realisiert werden können. Daher sollte die Software ebenso wie die Hardware von einem Basissystem bis zu einem Großsystem stufenlos aufrüstbar sein.

In diesem Zusammenhang drängt sich die Frage auf, ob der Anwender beim beabsichtigten Einsatz von Standardsoftware auf bewährte, aber möglicherweise schon veraltete oder überholte Produkte zurückgreifen oder vielleicht einen mutigen Schritt nach vorne wagen und zukunftsorientierte neue Produkte einsetzen sollte, die allerdings naturgemäß noch nicht über breite Referenzen verfügen.

Bei all den genannten Kriterien sollte aber der eigentliche Aspekt nicht unerwähnt bleiben. Entscheidend für die Qualität eines Standardsoftware-Produktes ist nicht nur die Technologie und der Funktionsumfang allein. Der Anbieter von Serienprodukten sollte darüber hinaus ein ganzes Paket an Serviceleistungen, bestehend aus maschineller Dokumentation, Schulung und Wartung, für den Anwender bereithalten. Hierbei sollte der Anwender vor allem auf die Reputation des anbietenden Softwarehauses achten. Erst diese Serviceleistungen erlauben es, den angestrebten Lebenszyklus von acht bis zehn Jahren zu realisieren.

Harald Herz

DV-Leiter, Friedrich Menzefricke GmbH & Co KG, Versmold (Univac BC/7, IBM 370/135, DOS/VS)

Wir sind ein Unternehmen der Fleischwarenindustrie, das seine Produkte hauptsächlich über den Vertragsgroßhandel verkauft. Für diese Vertragspartner haben wir die Möglichkeit geschaffen, Kleincomputer mit entsprechender Anwendungssoftware in ihrem Unternehmen einzusetzen. Ein Teil der Software wurde nach unseren Vorgaben gemeinsam mit einem Unternehmensberater erstellt, der andere Teil als Standardpaket über den Computerhersteller gekauft.

Die nach unseren Vorgaben bestellte Software kann man nicht direkt als Standard-Software bezeichnen, auch wenn sie für die Anwender als solche anzusehen ist.

Im Vordergrund der Überlegungen beim Kauf von Standard-Software sollten jedoch die Anforderungen des Unternehmens stehen, die realisiert werden sollen. Wichtig ist vor allem, das angebotene Software-Paket in bereits vorhandenen Installationen zu beurteilen.

Weiterhin sollte für das Programm (einschließlich Installation) ein fester Gesamtpreis ausgemacht werden, um keine unliebsamen Überraschungen zu erleben. Sind Programmänderungen erforderlich, so sind sie durch die Festpreisvereinbarung mit abgedeckt.

Da die Software-Qualität erst in der praktischen Anwendung endgültig meßbar ist und man bis dahin generell auf die Angaben des Anbieters angewiesen ist, sind Vereinbarungen zu treffen, die den Käufer in der Weise absichern, daß auftretende Schwierigkeiten nicht zu seinen Lasten gehen.

Ob man einen Wartungsvertrag abschließen sollte oder für weitere Änderungswünsche von Fall zu Fall Vereinbarungen trifft, ist sicherlich Ansichtssache. Wir sind zwar ohne Wartungsvertrag sehr zufrieden, jedoch hängt dies wesentlich von der Zusammenarbeit zwischen Anbieter und Benutzer ab.