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30.09.1983 - 

Mikrocomputer im Einsatz als Textsysteme:

Software mal wieder der Sündenbock

Neuerdings drängen die Mikrocomputer mit mehr oder weniger großem Erfolg in die Bereiche klassische Daten- und Textverarbeitung. Wenn ihnen bisher der große Einstieg in die Textverarbeitung nicht gelungen ist, so liegt das nicht an den Hardwareherstellern, sondern vielmehr an den Softwarehäusern, die sich mit teils aus den USA stammenden Paketen zufriedengaben und meinten, damit schon alles für den Briefschreiber getan zu haben. Rainer Hoof, Marketingdirektor bei der NBI Büro-Automations-Systeme GmbH in Hannover, nimmt die Marktsituation unter die Lupe.

Textverarbeitung heißt nicht nur, Dokumente aufnehmen und sie, um wenige Variable ergänzt, mehrfach wieder ausgeben. Viel wichtiger für den Profibriefschreiber ist die Textbearbeitung, mit der sich die heutige Textsoftware der Mikros noch ziemlich schwertut. Wenn auch manche Möglichkeiten für das Arbeiten mit Briefen oder anderem Schriftgut grundsätzlich vorhanden sind und deshalb bei Verkaufsgesprächen herausgestellt werden, so erfordern sie letztlich mindestens ein Wochenseminar, um das "How to use" zu erlernen. Anders ausgedrückt: Die Textpakete für Mikrocomputer sind ,zu wenig benutzerfreundlich.

Auf Messen habe ich mir aus Spaß bei Mikroanbietern deren Systeme demonstrieren lassen, um zu erfahren, was in diesem Marktsegment überhaupt unter Textverarbeitung verstanden wird. Solange man keine Fragen stellt, die auf professionelle Kenntnisse schließen lassen, läuft eine Vorführung einwandfrei ab. Doch dann zeigen sich die Welten, die zwischen der klassischen Textverarbeitung der auf diesem Sektor renommierten Anbieter und der Auch-Textverarbeitung auf Mikrooder Personal Computern liegen. So fällt es mir leicht zu bestätigen, was in der Mikro-Computerwelt Nummer 9 nachzulesen ist: Daß nämlich Wordstar wahre Fingerakrobatik für die Initiierung von Systemfunktionen erfordert. Jemand sagte einmal, man müsse Pfoten haben wie ein Geier, um die Code- und weitere Tagen mit einem Griff zu erreichen.

Der Grund für eine gewisse Unzulänglichkeit der Textsoftware auf Mikrocomputern mag darin zu suchen sein, daß einerseits dieser Bereich von den Datenverarbeitern noch etwas belächelt wird, andererseits die Programmierung der Mikrocomputersoftwarepakete primär auf die Datenverarbeitung ausgerichtet ist. Doch DV-Aufgaben liegen nun einmal anders als die der Textverarbeitung, die bisweilen ein Stiefmütterchendasein führt. So wird in der Regel auch nur von der Textverarbeitung, viel weniger von der Textbearbeitung gesprochen. Hierin jedoch liegt ein großer Unterschied. Dem Anwender nützt es nur wenig, daß er Texte aufnehmen und beliebig oft wieder aufs Papier bringen kann. Will er nur die geringste Änderung an seinem Text vornehmen, wird die Sache umständlich.

Jetzt mag ein potentieller Anwender entgegnen, daß die Mikros aber wesentlich preisgünstiger sind als ausgefeilte, hochentwickelte Textsysteme. Das ist natürlich richtig, wenn man nur den Hardwarepart betrachtet. Ansonsten aber haben die Mikros außer ihrer Preiswürdigkeit wenig zu bieten. Es sind Computer wie alle anderen, die ohne Software schlicht und ergreifend dumm sind. Und da die Software- und Systemhäuser in unseren Breiten noch nicht die den klassischen Textsystemen vergleichbare Software "erfunden" haben, sind die meisten Mikrocomputer bei aller "Intelligenz" und Power, die ihnen innewohnt, im Bereich professioneller Textverarbeitung momentan noch keine allzu ernst zu nehmenden Gegner. Für den gelegentlichen Textverarbeiter sind sie hingegen durchaus brauchbare Geräte. Gefordert sind also die Softwarehäuser. Doch die haben offenbar noch immer nicht begriffen, wie die bedienerfreundlichen, unkomplizierten Programme für den Textbereich aussehen müssen, denn sonst hätten sie sich hier gewiß schon längst engagiert. Das Angebot umfaßt jedoch nur US-Textverarbeitung in eingedeutschter Form.

Aber auch die Hersteller sind gefordert: So bietet NBI seit kurzem in den USA allen Anwendern von IBM Personal Computern professionelle Textbe- und -verarbeitungssoftware an. Die Hardware dieses PC ist ausgezeichnet, nur die Textsoftware läßt stark zu wünschen übrig. Deshalb haben wir die NBI-Programme an MS-DOS angepaßt.

Es ist bekannt, daß man in kleineren und mittleren Betrieben gern ein System einsetzt, das "alles" kann. Heute schwelgt man jedoch bereits in Disketten- und Magnetplattenkapazitäten, die für Textverarbeiter noch eine Sensation bedeuten. Da die Textsystemhersteller die neuesten Erzeugnisse des Marktes auch einsetzen und da ausreichend Speicherkapazität zur Verfügung steht, ist die Möglichkeit gegeben, bewährte Software noch benutzerfreundlicher zu gestalten. Die Mikrohersteller und Softwarehäuser haben meiner Meinung nach einiges aufzuholen, bis sie den heutigen Standard erreicht haben.