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12.06.1981 - 

Utrechter "Europe Software 1981" noch ohne direkte deutsche Beteiligung:

Software-Messe mit positiver Anfangsbilanz

UTRECHT - Ein geglückter Anfang war nach einhelligem Urteil von Ausstellern und Messeleitung "Europe Software 1981", die erstmals im niederländischen Utrecht veranstaltete rein Software-bezogene Ausstellung mit dem Anspruch von Internationalität.

Knapp 6000 Besucher informierten sich an den drei Messetagen über das Soft- und Teachware-Angebot, das auf rund 100 Ständen offeriert wurde.

Die überall zu beobachtende Zufriedenheit war zwar quantitativer Natur- die Besucherzahl übertraf die von der Messegesellschaft erwarteten 5000 um fast 20 Prozent, und keiner der befragten Aussteller hatte sich so viele Kontakte ausgerechnet -, man war aber auch von der Qualifikation der Gesprächspartner angetan.

So zählte beispielsweise John Jablonski, Marketing Manager der lnternational Mathematical & Statistical Libraries Inc. (IMSL), Houston/Texas, in Utrecht ebenso viele aussichtsreiche Kontaktgespräche pro Tag wie auf der zurückliegenden Hannover-Messe. Aber - und dies rechnete Jablonski der Utrechter Messe positiv an - er brauchte sich nicht wie in Hannover ständig mit Besuchern abzugeben, "die eigentlich gekommen waren, um Lokomotiven oder Werkzeugmaschinen zu sehen".

Neben vielversprechenden Geschäftsanbahnungen kam es in Utrecht auch zu unterschriftsreif ausgehandelten Vereinbarungen. Darüber berichteten beispielsweise J. Chris Haarman von der Data Process BV, Amersfoort/Niederlande, die insbesondere auf dem Gebiet der integrierten Prozeß- und Verwaltungsautomatisierung tätig ist, und Tom van der Loo, Managing Director der Holland Automation International B.V., Dordrecht.

Van der Loo wies stolz darauf hin, daß der von seinem Spezialistenteam entwickelte Basic-Compiler der in Europa mit Abstand verbreitetste sei (wenn auch von den Anwendern weitgehend unbemerkt) und daß diese Position durch in Utrecht ausgehandelte Kontrakte mit mehreren weiteren Herstellern noch ausgebaut werde. Stolz wer van der Loo noch aus einem anderen Grund:

Was auf der Hannover-Messe nur hinter der Spanplattenwand des Messestandes gezeigt werden konnte, war jetzt in Utrecht als Prototyp erstmals öffentlich zu sehen: ein Low-cost-Mikrocomputer mit Bildschirm, der als weltweit erstes Gerät mit acht auf einer Platine angebrachten Bubble Memories (von Intel) arbeitet und daher nach van der Loos Darstellung mit einer extrem endbenutzerfreundlichen und bereits fertigentwickelten Dateiorganisations-Software zu programmieren sein wird. Einzelheiten über das ganz aus frei erhältlichen Komponenten zusammengebaute System wollte van der Loo noch nicht nennen, um Nachahmungen vorzubeugen.

Neu war in Utrecht auch der Einstieg des Speichergeräteherstellers Memorex ins Softwaregeschäft. Die in Hounslow (England) residierende Memorex International wer damit schneller als die eigene amerikanische Muttergesellschaft, von der gleichartige Bestrebungen bekannt sind. Auf dem Utrechter Memorex-Stand zeigte man sich mit dem Start ausgesprochen zufrieden. Es sei eben leichter, hieß es zur Erläuterung, unter denn Memorex-Etikett Verkaufsgespräche zu führen, als wenn man von irgendeiner ABC GmbH komme.

Memorex' Schritt in die Software-Welt begann mit MRXFASTR, einem Utility-Programm, das das von Innovation Data Processing/Westinghouse vertriebene Fast Dump Restore (FDR)-Package gegen Zahlung von 8900 Mark schneller machen soll. Andere Produkte sind MRXDASM, das als FDR-Ersatz angeboten wird, Dyl 260, ein Programmiertool für 360 /370/ 4300-Anwender, Jig-Time, ein Werkzeug, das Online-Netze in ClCS-Umgebungen leistungsfähiger machen soll, Minidump ein fehleranzeigendes, selektives Dumpsystem für IBM OS-Anlagen, schließlich VS-lnsight, ein Management-Tool für DOS/VS-Anwender.

Parallel zur Messe lief ein dreitätiges Vorlesungsprogramm ab, auf dem in zwölf Vorträgen verschiedene holländische Referenten Themen aus dem Softwarebereich behandelten (Tages-Teilnehmerpreis: 50 Gulden). Der Messetitel "Europe Software" war nur bedingt zutreffend für das, was in Wirklichkeit stattfand. Einerseits kamen rund 20 der Aussteller aus den Vereinigten Staaten. Andererseits vermißte man viele Europäer, und hier speziell die Deutschen, die weder als Aussteller noch als Messepublikum auffielen.

Hoffnung auf die Deutschen und die Zukunft

Vertreten waren auf dem deutschen Markt tätige Softwarefirmen aber dennoch, teils über holländische oder englische Schwestergesellschaften, teils über Vertriebspartner. Genannt seien hier Pansophic, UCC, Cullinane (ADV/Orga), Software AG, Hasler, CAP Gemini und Cincom. Andere Software-Anbieter in Deutschland wie etwa ADR aber hatten, wie inzwischen bekannt wurde, von der Utrechter Messe zu spät oder gar nichts gehört.

Letzteres durfte auch für den deutschen "EDV-Normalverbraucher" zutreffen. Sein Fernbleiben war manchen Ausstellern nicht recht. Gerne hatte beispielsweise Hubert A. Nijpels - er äußerte sich für den Firmenbund R,H,T & Partners BV, Overveen - deutschen Messenbesuchern demonstriert, daß die Holländer bereit und in der Lage sind, in vielen Fragen der Systementwicklung kommerzieller oder technischer Art wettbewerbsfähige Angebote abzugeben.

Diese Gespräche werden wohl auf die nächste "Europe Software" verschoben werden müssen. In Utrecht gab es niemanden, der die (Über-) Lebensfähigkeit dieser Messe gefährdet sieht. Mittelfristig - so die allgemein zu hörende Meinung - wird dann auch toute l' Europe auf Europe Software aufmerksam werden.