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06.02.1981 - 

Zusammenfassung und Schlußbemerkungen in voller Länge

Software-Produktion: Abschied vom Durchwursteln

München (je) - Wenn man einen Text komplett erfaßt hat und sich bei der Korrektur ausschließlich auf Erfassungsfehler orthografischer Art konzentriert, dann muß es unbemerkt bleiben, wenn das Textsystem nur einen lückenhaften Text wiedergibt. Genau dies aber passierte der CW beim Abdruck von Kapitel 9 des Großbeitrags " Software-Produktion: Abschied vom Durchwursteln " (CW Nr. 1/2 vom 9. Januar 1980), verfaßt von den GMD-Mitarbeitern Hans Ludwig Hausen, Monika Müllerburg und Heinz Züllighoven. CW bringt im folgenden dieses neunte Kapitel in voller Länge, eine Maßnahme, die sich schon in Anbetracht des behandelten, eminent wichtigen Themas von selbst versteht.

9. Zusammenfassung und Schlußbemerkungen

Die erkannten Mängel heutiger Software-Produktions-Umgebungen können leichter behoben werden, wenn Wirkungsfaktoren ermittelt sind. Eine Universallösung ist nicht zu erwarten. Kurzfristig sind bereits jetzt Zwischenlösungen sinnvoll. Eine neue Sicht der Software-Produktion und -Nutzung wird heutige Produktionsformen entscheidend verändern. Neuentwicklungen von Software-Produktions-Umgebungen müssen mit Blick auf vergleichbare Produktionstechniken erfolgen.

Stand der Entwicklung

Heutige Entwicklungsansätze decken nur einzelne Aspekte der Software-Produktion ab und sind meist auf die technische Produktion beschränkt. Selbst bei Systemen wie SDEM/SDSS, die wesentlich für Managementaufgaben entwickelt wurden, beschränkt sich die Unterstützung auf die Bereitstellung eines Life Cycle-Modell und von Handbüchern. Mit Ausnahme vereinzelter Entwicklungen vor allem in den skandinavischen Ländern wird die Einbeziehung der Benutzer und Betroffenen völlig vernachlässigt.

Der technische Kern

Betrachten wir den technischen Aspekt bei Software-Produktionsumgebungen, stellen wir fest:

- die Implementierung erscheint zumindest im Forschungs- und Entwicklungsbereich nicht mehr als Problem,

- der Entwurf wird zur Zeit stark betont: In der Praxis werden Methoden erprobt, eine Reihe neuer Konzepte...... in Entwicklung,

- die Problemanalyse und Aufgabendefinition gelten als relativ offenes Gebiet; Ansätze wie SDS/SREM sind vielversprechend,

- Qualitätssicherung und -kontrolle werden zunehmend diskutiert, Konzepte für Test und Verifikation sind in der Erprobung,

- trotz wachsender Bedeutung verteilter Systeme sind kaum Ansätze für Parallelverarbeitung (Concurrency) zu finden (Ausnahmen: COSY DREAM).

Die Probleme von Software-Produktions-Umgebungen spiegeln den Stand des Software-Engineering: Wesentliche Aspekte und Zusammenhänge der Software-Produktion sind noch nicht verstanden. Erst recht fehlt eine Technologie der Software-Produktion, die für alle Probleme sagen könnte, welches Verfahren für welchen Zweck einzusetzen ist.

Neuorientierung in der Software-Produktion

Eine wichtige Voraussetzung für die Bewältigung der Software-Krise ist die richtige Einschätzung des Software Life Cycle. Der Versuch, bei den Entwicklungskosten zu sparen, bringt dann nur kurzfristigen und scheinbaren Erfolg, wenn man die späteren Reparatur-, Anpassungs- und Weiterentwicklungskosten ignoriert.

Der zunehmenden Einsicht der Bedeutung von Problem- und Anforderungsanalysen muß eine instrumentelle und organisatorische Umsetzung folgen. Weiterhelfen kann hier auch ein kritisch vergleichender Blick auf verwandte Technologien wie "Computer aided management, Computer aided manufacturing", "Computer aided design" und die klassische Verfahrenstechnik.

Keine Allheilmittel in Sicht

Es gibt keine universell einsetzbare Software-Produktions-Umgebung, also keinen Ansatz, der Lösungen für alle Bereiche der Software-Produktion bereitstellen würde, und wir bezweifeln auch, daß eine solche Umgebung sinnvoll und mit vertretbarem Auf- wand machbar ist.

Um so wichtiger werden Kriterien die erlauben, die Eignung einer Produktions-Umgebung für einen bestimmten Zweck und für einen bestimmten Anwendungsbereich abzuschätzen.

Was ist in der Praxis zu tun?

- kurzfristig:

Trotz aller Unklarheiten läßt sich schon heute feststellen, daß methodische Software-Produktion dem intuitiven "Werkeln" überlegen ist. Daß dies zunehmend auch den Anwendern bewußt wird, zeigt eine demnächst erscheinende GMD-Studie (Abel e.a., Einsatz von Methoden der Software-Produktion in der Bundesrepublik Deutschland, Oldenburg). Bereits vorhandene oder erprobte Methoden und Hilfsmittel sollten sach- und fachgerecht genutzt werden. Dabei sollten sich die Anwender nicht von einzelnen Systemen, Systemfunktionen oder Methoden blenden lassen: Ein Allheilmittel existiert nicht.

Eine längerfristige Strategie für die Entwicklung der DV-Abteilung sollte rechtzeitig erarbeitet werden.

- mittelfristig

Eigene Erfahrungen und externes Know-how im Umgang mit Methoden und Hilfsmitteln sollten ausgewertet sein. Im Hause Vorhandenes sollte so mit (externen) Neuentwicklungen verbunden werden, daß ein vereinheitlichtes Instrumentarium zur Unterstützung der Software-Produktion entsteht. Die Entscheidung über die längerfristige Anschaffung einer Software-Produktionsumgebung sollte getroffen werden.

- Iangfristig:

Wir gehen davon aus, daß in etwa zehn Jahren eine Software-Produktion ohne Software-Produktions-Umgebung wirtschaftlich und bezogen auf die Qualität der Software nicht mehr vertretbar ist. Daher wird sich in diesem Zeitraum die Frage stellen, ob die Software-Produktion im eigenen Haus auf dieses Niveau gehoben werden kann, oder ob dann auf Software-lmporte zurückgegriffen werden soll. Die Einführung einer Produktions-Umgebung wird hohen organisatorischen Aufwand und hohe Investitionen auch im Personalbereich erfordern, was schon heute in der Planung berücksichtigt werden muß.

- Facit

Der Einsatz von Software-Produktions-Umgebungen wird die heutigen eher experimentellen, handwerklichen Produktionsformen stark verändern. Dabei wird es von forschungspolitischen Ausrichtungen und Entscheidungen mit volkswirtschaftlicher Tragweite abhängen, ob Software-Produktion sich zur "Fließbandarbeit" entwickelt oder ob die Automatisierung von Routinearbeiten Potentiale für menschengerechtere Systeme und Arbeitsplätze schafft. Die Dequalifizierung von DV-Arbeitsplätzen wird jedenfalls nicht durch scheinbare "Sachzwänge" zu erklären sein.

Software-Produktions-Umgebungen werden hohen Investitionsaufwand erfordern, dadurch geht ein Teil der heutigen Flexibilität verloren, und die Produktions-Technik wird längerfristig festgelegt. Wenn dies rechtzeitig berücksichtigt wird, werden Anpassung an die Umwelt und Flexibilität im Einsatz Kennzeichen künftiger Software-Produktions-Umgebungen sein. Eine standardisierte Software-Produktion wird aber zu einer besseren Beherrschung der Technik führen, so daß eine einheitliche Produktions-Technik des heute noch verbreitete Verfahren des "Durchwurstelns" (muddling through) ablösen wird.

Die Software-Produktion wird in vielen Aspekten der modernen Fertigungs-Technik gleichen: Modulare, standardisierte Grundelemente werden von verschiedenen Spezialisten auf die Bedürfnisse der Anwender zugeschnitten werden. Die Software-Benutzung wird neben der Systembedienung auch die Anpassung der Systemeigenschaften an die Bedürfnisse des jeweiligen Arbeitsplatz umfassen