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21.06.1991

Software-Rakete Unix auch im Osten auf Erfolgskurs?

Monika Schalwat, edv-aspekte-Redakteurin in Berlin-Ost

Gezündet wurde sie bereits 1969 im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, den USA, von den Bell Laboratories (später AT&T). Denn dort hatte ein findiger Kopf, Ken Thomson, ein Betriebssystem mit Namen Unix entwickelt, welches speziell zum Programmieren gedacht war.

Ursprünglich für den Hausgebrauch bestimmt, lag Unix dann 1974 in der von D. N. Ritchie entwickelten Programmiersprache C vor und hatte nun den Vorteil, relativ unabhängig von verwendeten Computertypen zu sein. Diese nur durch C entstandene Portabilität verhalf dem Unix-System, die Betriebssystem-Welt zu erstürmen und sich dort an die Spitze zu setzen. Das allerdings erst in den letzten Jahren.

Denn am Anfang noch mit dem Mangel des nicht benutzergerechten Zugangs zum System behaftet, hat Unix nach Jahren der Weiterentwicklung und Verbesserung als offenes und flexibles System heute die Integration in die internationale Standardsoftware (zum Beispiel X-Window) erreicht. Inzwischen gibt es auch diverse Unix-Pakete, welche von namhaften Unternehmen für die eigene, spezielle DV-Umgebung entwickelt wurden, wie zum Beispiel Sinix von Siemens oder Ultrix von Digital Equipment.

Auch in der damaligen DDR suchten die Software-Entwickler nach zukunftssicheren DV-Strukturen. Erschwert durch die herrschenden gesellschaftlichen Bedingungen und daraus resultierenden Embargo-Bestimmungen (zum Beispiel Cocom), wurde. Anfang der 80er Jahre vom Leitzentrum für Anwendungsforschung (LfA) mit großem Entwicklungsaufwand die Unix. Version PSU für die ESER-I- und -II-Architektur geschaffen. Dieses System konnte jedoch nur auf bereits installierte ESER-Komponenten, wie DOS, SVS oder TSO, "aufgepfropft" werden, um so eine Schnittstelle zu Unix zu bieten.

Es folgten die Unix-Adaptionen MUTOS 8000 für Bürocomputer 5120.16 (ZKI), MUTOS 1630 für K-1630-Anlagen, MUTOS 1700, 1800 und 1840 für Mikrocomputer (Kombinat Robotron) sowie für die ESER-II-Reihe VMX. Die wohl in der DDR bekannteste und über 6000mal verkaufte Unix-Variante startete ein Entwicklerteam der Elektro-Apparate-Werke Berlin (EAW): Das Multiuser- und Multitasking-System WEGA (nach Unix, System III, Version 7) wurde speziell für die Hardware-Entwicklung P8000 optimiert.

Die großen Hoffnungen der DDR-Unix-Entwicklungsgemeinschaft erfüllten sich allerdings nicht. Denn aufgrund der westlichen Vorprägung mit "alten, hausbackenen Lösungen" (Ulrich Oefler), zum Beispiel AS/ 400, die marktbestimmend waren, konnte sich keine eigene zukunftssichere DV-Struktur in der DDR durchsetzen. Und so verliefen die anfänglichen Entwicklungen im Sande. Vorhanden ist heute noch das gut ausgebildete Potential der ostdeutschen Software-Entwicklerteams, die mit Mut und Engagement in neu gegründeten Unternehmen auf Erfahrungen und Kenntnisse aufbauen können, die keineswegs dem Computer-Steinzeitalter entstammen.

Aufgrund der internationalen Hardware-Entwicklung der letzten Jahre boomt nun erst jetzt die kommerzielle Unix-Anwendung - die Wachstumsrate zeigt eine steigende Tendenz.

Und so überbieten sich die Softwarehäuser beziehungsweise -herstellen in Lobgesängen über ihre Produkte. Und nicht jeder Anbieter wird dabei von edler Gesinnung geleitet. Der neue Bundesbürger als Unternehmer und Nutzer hat es da nicht leicht, die für ihn passende Lösung auszuwählen.

Ein richtiger Weg, den Anwendern in mittleren und größeren Unternehmen oder Verwaltungsbereichen moderne und leistungsfähige Software anzubieten, war das 2. Berliner Unix-Forum im Februar dieses Jahres: "Offene Systeme, Information, Dialog und Erfahrungsaustausch" hatten sich die 70 Hard- und Software-Aussteller auf ihre Fahnen geschrieben. Anbieter, wie Uniware, Bull, Hewlett-Packard, TA/Olivetti und auch neue Unternehmen aus den ostdeutschen Bundesländern sehen den stark wachsenden Unix-Mark als große Herausforderung und Chance, vorhandenes spezialisiertes Wissen unter Beweis zu stellen, anzubieten und zu vertreiben. edv-aspekte veröffentlicht dazu ausgewählte Beiträge des Berliner Unix-Forums.