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26.02.1993 - 

Schlechte Stimmung in der Branche

Software-Spezialisten beklagen unzumutbare Arbeitsbelastung

Diese Missstaende veranlassten Mitarbeiter der SW- und DV- Beratungsbranche dazu, das gewerkschaftsunabhaengige Netzwerk Arbeitswelt Informatik (NAI) zu gruenden, das in erster Linie dem Erfahrungsaustausch dienen soll (siehe CW Nr. 7 vom 12. Februar 1993, Seite 1: "Mitarbeiter von SW-Haeusern ...).

Das NAI beklagt vor allem die extreme Arbeitsbelastung, die sich durch den Personalabbau noch weiter verstaerke. "Die 60-Stunden- Woche ist durchaus noch ueblich", erklaert Rainer Mux, Betriebsratsvorsitzender von Coritel Informatik Andersen Consulting. Dazu komme, dass viele Unternehmen nur schlecht ausgeruestete Arbeitsplaetze zur Verfuegung stellten. In die gleiche Kerbe schlaegt sein Kollege Horst Langecker von EDS: "Unternehmen aus der Dienstleistungsbranche sind sehr von den Wuenschen der Kunden abhaengig, was oft einen enormen Termindruck erzeugt."

Vor allem die kleineren Softwarehaeuser trifft die schlechtere wirtschaftliche Situation, da sie die immer groesser werdenden Projekte kaum mehr termingerecht und qualitativ sauber durchfuehren koennen. Hinzu kommt, dass die Gewinnspanne kleiner und damit der Konkurrenzdruck groesser geworden ist. "Die Softwarehersteller versuchen, sich gegenseitig zu unterbieten. Bei Projekten mit hoher Publicity-Wirkung arbeiten sie teilweise unter Kostendeckung - in der Hoffnung auf Folgeprojekte", bemerkt Mux. Diese Vorgehensweise koenne sich natuerlich kein kleines Unternehmen leisten.

Software-Manager an der Krise nicht schuldlos

Besonders Mainframe-Spezialisten, deren Know-how immer weniger gefragt ist, muessen sich auf die neuen Gegebenheiten einstellen, wenn sie nicht in einer beruflichen Sackgasse landen wollen. "Was die Qualifikation angeht, muessen sie umdenken. Allerdings ist es sehr schwer, einem MVS-Experten, der in den letzten zehn Jahren erfolgreich war, zu erklaeren, dass er ein neues Standbein braucht", gibt Mux zu bedenken. Hier haetten auch die Unternehmen noch einiges zu leisten.

Die Krise trifft, so die Meinung des Coritel-Mitarbeiters, so manche DV-Unternehmen nicht schuldlos. Viele Manager haetten sich allzusehr in den Erfolgen der vergangenen Jahren gesonnt. Den jetzt auftretenden und fuer sie ungewohnten Schwierigkeiten seien sie nun nicht mehr gewachsen.Eine Ursache sieht der Betriebsratsvorsitzende der Sema Group Hans Georg Schwarting, im Fuehrungsstil der Verantwortlichen: "Schwierigkeiten gibt es vor allem dann, wenn es zu finanziellen Engpaessen kommt." Wuerden die Mitarbeiter mehr an den Entscheidungsprozessen beteiligt, haette das sicherlich positive Auswirkungen auf Akzeptanz und Motivation.

Auch Mux gibt den Fuehrungskraeften schlechte Noten: "Die Lippenbekenntnisse zum kooperativen Fuehrungsstil sind zahlreich, aber gerade in schwierigen Projektsituationen greifen die Vorgesetzten auf den autoritaeren Stil zurueck." Viele Verantwortliche unterschaetzten immer noch die Bedeutung des Faktors Mitarbeiter. Der Betriebsrat gehe jedoch davon aus, dass der Fuehrungsstil in immer hoeherem Masse die Leistungsfaehigkeit der Unternehmen beeinflusse. Wer dies nicht beruecksichtige, bekaeme bald die Konsequenzen zu spueren: "Bei haerterem Klima raechen sich die Suenden der Vergangenheit. Und wer nicht genuegend in die Qualifikation der Mitarbeiter investiert hat, muss dies in Form von Effizienverlusten buessen.