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12.02.1993 - 

KOLUMNE

Software-Streetworker proben den Aufstand

Dass die Beziehungen zwischen der IBM und einigen deutschen Softwarehaeusern keine normalen Verhaeltnisse unter gleichgestellten Wirtschaftspartnern sind, ist auf die besonderen Geburtsumstaende zurueckzufuehren: Renommierlaeden von jetzt und einst wie die Software AG (SAG), SAP, Ploenzke, GMO, ADV/Orga (heute: Sema Group) oder SCS (heute: Cap Debis) wurden vor mehr als 20 Jahren von Ex-IBM-Mitarbeitern gegruendet. Die Beziehungen waeren keine, wenn nicht Wunschdenken bei den Softwarefirmen unter der Oberflaeche mitschwingen wuerde. Man lese die CW vom 30.Oktober 1987: "Die ADV/Orga AG ist in die roten Zahlen geraten. Das Abrutschen ist typisch fuer die Entwicklung einer vermeintlich unabhaengigen Softwarebranche, die in Wirklichkeit ganz auf Mother Blue fixiert ist."

Aufschlussreich ist auch das Mitgliederverzeichnis des Forums "Netzwerk Arbeitswelt Informatik" (NAI): Unter den 18 NAI- Gruendungsfirmen befinden sich Cap Debis, GMO, Ploenzke, Sema Group und SAG (Seite 1). Das NAI versteht sich als Interessenvertretung der Mitarbeiter von Softwarehaeusern - "gewerkschaftsunabhaengig", auf diese Feststellung wird Wert gelegt. Was heisst das? Nun, die Unabhaengigkeit von ihren jeweiligen Bossen hervorzuheben, hielten die NAI-Vertreter schon gar nicht mehr fuer noetig. Das Vertrauen in die Fuehrungskuenste der Software-Manager schwindet. Jeder sieht, dass die Vaeter der deutschen Programmierzunft versagt haben. So gleicht unser Software-Dream-Team mehr einem Lazarett als einer Mannschaft von Siegertypen. Die NAI-Initiatoren sprechen selbst eher zurueckhaltend von "Bewegung in der Softwarebranche". Da doch abzusehen ist, dass sich die Umstaende aendern, weil eine angeschlagene IBM keinen Schutz mehr bietet: Wie sollten die Mitarbeiter von "IBM"-Softwarehaeusern nicht um ihre Zukunft besorgt sein?

Woher soll die Besserung kommen? Bei allem Respekt vor den NAI- Streetworkern: Ohne Konsens mit den Unternehmensleitungen ueber die Marktziele geht es nicht. Doch niemand sollte sich Illusionen machen, was die Nachfrage betrifft: Die Anwender sind immer weniger bereit, DV-technische Abhaengigkeit von Hardware- oder Software-Anbietern in Kauf zu nehmen. Man wird keinen Grund mehr finden, sich fuer einen bestimmten Lieferanten in Stuecke reissen zu lassen, heisse er auch IBM oder SAP.

Noch sehen das einige Branchengroessen ganz anders. Immer, wenn Kritik geuebt wird, schreien sie auf. Daran hat sich offenbar auch durch die juengsten Krisenerfahrungen nichts geaendert - ein pessimistisches Fazit. Um so mehr muss man den NAI-Verantwortlichen die Daumen druecken. Schliesslich kann es den Anwendern nicht egal sein, was aus der deutschen Softwarebranche wird.