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21.09.1990 - 

Mehr als 20 000 Anbieter wollen an S&S verdienen

Software und Service als Wachstumsmarkt entdeckt

HEILBRONN (CW) - Diagnose: "Atomistisch" -zu diesem Ergebnis kommt das Heilbronner Dienstleistungs-Unternehmen TDS GmbH in einer Studie über die Struktur des europäischen Softwaremarktes. In Deutschland, Großbritannien und Frankreich sind die drei größten Anbieter von Software und Services (S&S) nicht in der Lage, gemeinsam auch nur zehn Prozent des nationalen Bedarfs an Software und Dienstleistungen zu decken.

Trotz dieser zunächst negativ anmutenden Untersuchungsergebnisse sehen die Heilbronner keine akute Gefahr für den europäischen S&S-Markt. TDS geht in der Studie nicht davon aus, daß europäische Unternehmen aufgrund ihrer Struktur an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen müssen. Um Individualsoftware oder Dienstleistungen anzubieten, sei es sogar wenig sinnvoll, "Fabriken" zu bauen. Die "atomistische Struktur" des Software- und Dienstleistungs-Marktes - derzeit gibt es in Westeuropa vermutlich mehr als 20000 Unternehmen, die Software und IT-Dienstleistungen anbieten - sei ein historisch gewachsenes Phänomen.

Die Ursachen für die Entstehung vieler kleiner Unternehmen sind laut TDS-Bericht unter anderem in der Geschichte der Branche zu suchen: Als Ende der 60er Jahre erstmals Software getrennt von der Hardware verkauft werden konnte, als also das Zeitalter des Bundling - zumindest offiziell - weitgehend beendet war, wurden eine Vielzahl von Unternehmen mit ähnlichen Startbedingungen gegründet. Wachstum und Innovationskraft dieser S&S-Anbieter waren nicht zuletzt von der Mangelware Personal abhängig.

Der damals entstandenen Vielzahl von kleinen und mittleren Betrieben empfiehlt die Studie: DV-Berater und Individualsoftware-Hersteller sowie Systemintegratoren und Systemhäuser müssen entweder auf nationaler Ebene in kleinen Marktnischen hochspezialisierte Dienstleistungen erbringen oder sie sollten sich so organisieren, daß sie kooperativ mit mehreren Spezialgeschäften auf internationaler Ebene anbieten können.

Serienproduktion von Standardsoftware

Einen zweiten Trend im S&S-Markt sehen die Marktbeobachter in der Entstehung großer international aktiver Unternehmen, die in ingenieursmäßiger Serienproduktion Standardsoftware herstellen. Diese Anbieter werden aber für Beratungs- und Individualsoftware-Unternehmen, die in fachlichen oder regional begrenzten Gebieten erfolgreich arbeiten, keine Konkurrenz darstellen. Ihre Mitbewerber sind die großen, weltweit aktiven Anbietet.

In einem zweiten Teil des Berichtes beschäftigen sich die TDS-Marktbeobachter mit der Situation des internationalen IT-Marktes und mit der Entwicklung des europäischen Software- und Servicemarktes. Als einziges europäisches Unternehmen, dessen Jahresumsatz die Milliardengrenze übersteigt, nennt die Studie den französischen Anbieter Cap Gemini. Diese Stellung nehme das Unternehmen aufgrund mehrfacher Aufkäufe kleinerer und größerer Firmen aus dem Mitbewerb ein. Da weitere Fusionen zu erwarten sind, wird sich, so die These der Marktkenner, die Größen-Reihenfolge der S&S-Anbieter noch oft verändern.

Dem italienischen Softwareriesen Finsiel auf Rang zwei folgen das französisch-britische Unternehmen Sema Group sowie der englische Anbieter SD-Scicon an dritter und vierter Stelle. Wie Cap Gemini haben auch diese beiden Unternehmen durch mehrfache Akquisitionen auf sich aufmerksam gemacht. Deutscher Primus im S&S-Bereich ist nach wie vor das genossenschaftlich organisierte Unternehmen Datev, das europaweit an siebter Stelle liegt. Auch die Software AG ist mit Rang neun noch unter den "Top Ten" zu finden.

Auffallend am Marketing-Verhalten der meisten europäischen Unternehmen ist nach Einschätzung der Studie die Konzentration auf die Alte Welt: IT-Unternehmen - egal, ob es sich um traditionelle Hardware- oder Software-Anbieter handelt, erwirtschaften derzeit noch nicht einmal ein Fünftel ihres Gesamtumsatzes außerhalb der europäischen Grenzen. Während US- und japanische Unternehmen zunehmend nach Europa drängen, kann dort von einer globalen Orientierung noch kaum die Rede sein.

Sechs westeuropäische Anbieter unter den Top 25

Entsprechend sind europäische Großanbieter unter den weltweit umsatzstärksten DV-Unternehmen kaum zu finden. Zu den 25 größten IT-Unternehmen der Welt zählen lediglich sechs westeuropäische Anbieter. Die ersten sieben Ränge okkupieren vier US- und drei japanische Unternehmen - auf Rang acht folgt die französische Gruppe Bull. Tatsächlich konnten 1989 die sechs größten europäischen IT-Unternehmen zusammen noch nicht einmal die Hälfte des Umsatzes von Marktführer IBM erwirtschaften.

Ein Grund für diese schwache Postion liegt möglicherweise im allzu geringen S&S-Engagement traditioneller europäischer Hardware-Anbieter. Nachweislich dominierte auf dem Markt für Informations- und Kommunikationstechnik in den letzten Jahren das Geschäft mit Software und Dienstleistungen. Anwender geben laut TDS-Studie mehr als die Hälfte ihres DV-Etats für Standard- und Individualsoftware, Beratungs- und Trainingsleistungen, Facilities Management, RZ- und Netz. werkleistungen oder Systemintegration und Projekt-Management aus. Bei europäischen IT-Unternehmen macht der Anteil dieses Bereichs aber nach wie vor weniger als 15 Prozent des Gesamtumsatzes aus.