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20.08.1993

Software veraendert deutsches Kreditkartengeschaeft Bayerische Sparkassen bauen eigenes Eurocard-Management aus

20.08.1993

MUENCHEN (CW) - Der Verbund der Bayerischen Sparkassen nimmt mit Hilfe eines Software-Sets die Kreditkartenverarbeitung in die eigene Hand. Diesen Bereich bearbeitete bisher ausschliesslich der Eurocard-Lizenzgeber, die Gesellschaft fuer Zahlungssysteme (GZS) in Frankfurt. Damit beginnt eine Entwicklung, die der GZS das Wasser abgraben koennte.

Glaubt man den Prognosen von Wolfgang Kohlsmann, Country-Manager des Karten-Management-Systems "Cardpac" von der Sema Group, und der "Frankfurter Rundschau", koennte das Ausscheren der Bayerischen Sparkassen eine Welle ausloesen, die weitere Vertragskuendigungen mit der GZS zur Folge haette.

Das Gesamtvolumen der vom Bayerischen Sparkassenverband bearbeiteten Eurokarten liegt derzeit bei 350 000 und zeigt eine stetig wachsende Tendenz. Es entspricht zirka acht Prozent des gesamten aktiven Eurocard-Bestands. Im Auftrag von 105 bayerischen Sparkassen, die seit 1992 eine Unterlizenz von der GZS fuer die eigenstaendige Eurocard-Ausgabe erworben haben, fuehrt die Buchungszentrale in Muenchen (BBS) auf ihrer Amdahl 5995/3500-M die Kreditkartenverarbeitung durch. Das beinhaltet die komplette Fuehrung des Kartenkontos einschliesslich der regelmaessigen Abrechnung.

Ab September sollen alle nationalen und internationalen Autorisierungsanfragen von Kartenverfuegungen der eigenen Karteninhaber ueber den BBS-Rechner laufen. Darueber hinaus ist ab Ende des Jahres auch der Eintritt in den entsprechenden Sektor des Visa-Card-Geschaefts geplant - ein weiter Schritt zur Unabhaengigkeit von der GZS, die die Abrechnung als technische Dienstleistung ebenfalls anbietet.

Moeglich wird die neugewonnene Eigenstaendigkeit der BBS durch die Einfuehrung eines Karten-Management-Systems. "Cardpac" ist ein weltweit einsetzbares, von der amerikanischen Firma Credit Card International entwickeltes Standardprodukt, das in Europa von der Sema Group vermarktet wird. Die Software bietet neben dem Service fuer die bekannten Kreditkarten wie Euro-, Visa- und Diners-Club- Card auch die Verarbeitung von Kundenkarten fuer Kaufhaeuser.

Auf der Haendlerseite fungiert die GZS zur Zeit allerdings noch als Bank. Wenn beispielsweise ein Restaurantbesitzer die Eurocard akzeptiert, steht nach heutigen Bestimmungen fuer den ausgewiesenen Betrag ausschliesslich die GZS gerade und nicht das jeweilige Geldinstitut. Sollte sich bestaetigen, dass die entsprechenden Restriktionen kuenftig wegfallen, hat die BBS mit dem Softwarepaket eine weitere Zukunftsoption erworben, da diese Leistung schon jetzt international zur Verfuegung steht.

Zumindest vorlaeufig verbleiben beim deutschen Eurocard- Lizenzgeber die Akzeptanzakquisition und -betreuung, die Lizenzvergabe und die Gemeinschaftsleistungen fuer die Eurocard wie die Institutsbetreuung und Abrechnung der Sparkassen, das Marketing, das Kontensperren und das Sicherheits-Management. Die Abrechnung erfolgt nach Katalog.

Der erste Grund fuer die Uebernahme der Kartenverwaltung ist laut BBS die Tatsache, dass die Eurocard vom Kunden als Produkt seiner Sparkasse gesehen wird und die organisatorische Handhabung dem Rechnung tragen muesse.

Ausserdem ermoegliche die eigenstaendige Verarbeitung eine schnellere, unbuerokratischere Kundenbetreuung und Dienstleistung. Durch ein weitflaechiges X-25-Datennetz mit ungefaehr 25 000 Terminals kann nahezu jede Geschaeftsstelle des Sparkassenverbundes die Eurokarten bearbeiten, was den Service kundenindividueller macht. Damit koennen die Sparkassen jeweils den Kreditrahmen bestimmen, die Karte mit der Moeglichkeit zum Electroniccash ausstatten und sogar verschiedene Versicherungsleistungen an die Karte koppeln.

Nicht zuletzt verweist die BBS auf das wirtschaftliche Kalkuel, das zu einem eigenen Karten-Management gefuehrt habe. Die eigene DV-technische Verarbeitung soll nach Schaetzungen der Sema Group dem Sparkassenverbund zirka 20 Prozent weniger Bearbeitungskosten einbringen.

Diese Argumentation stoesst bei der GZS auf wenig Gegenliebe, da sie selbst mit gleichlautenden Aussagen wirbt. Durch den Einsatz eines neuen DV-gestuetzen Karten-Management-Systems - die GZS entschloss sich fuer das Standarsoftwarepaket "Triumph" des amerikanischen Herstellers Bank-One, das zur Zeit installiert und 1995 eingesetzt wird - will das Unternehmen ebenfalls 20 Prozent des Bearbeitungsaufwands einsparen. Weitere Kostensenkungen verspricht die Frankfurter Gesellschaft durch eine "Massenabwicklung nach industriellen Methoden" mit einem hoeheren Grad an Arbeitsteilung.

So wird das Ausscheren der BBS mit ein wenig Zaehneknirschen bedacht, aber nicht als Ergebnis verfehlter Geschaeftspolitik bewertet. Immerhin habe man den Kunden vor ungefaehr drei Jahren diese Moeglichkeit zur Konkurrenz auf dem eigenen Gebiet selbst eingeraeumt.

Die GZS wird als Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Kreditwirtschaft gefuehrt. Mit 13,5 Prozent ist sie der groesste Anteilseigner an der Gesellschaft Europay International (EPI), die 1992 aus einer Fusion von Eurocheque International und Eurocard International hervorging. Den Einfluss auf das internationale Kartengeschaeft sichert sie durch die Praesenz in diesem Entscheidungsgremium und bei Master Card ab.