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27.04.1979 - 

Plädoyer für die "ldeenbörse Softwarehaus":

Software vom Trödler Abraham?

Der Vorteil von Standard-Softwarepaketen ist umstritten. Während ihre Verfechter schlichtweg behaupten, "die fertige Lösung ist gefragt", weisen die Kritiker der "Stangenware" darauf hin, daß jeder Anwender andere Anforderungen habe. Im folgenden Beitrag kommt ein "gemäßigter Individualist" zu Wort. Ulrich Portner, Consultant bei der Systor AG (Zürich), plädiert für ein modulares, ausbaufähiges Grundgerüst, das "ohne Schwierigkeiten den jeweiligen spezifischen Bedürfnissen angepaßt werden kann".

Zwar sinken und sinken die Hardwarekosten, doch zeichnet sich die Situation in der heutigen EDV dadurch aus, daß der Anteil der Softwarekosten am Gesamtbudget steigt und steigt. Diese Sachlage zwingt den Anwender immer mehr zur Überprüfung des Angebotes von bestehenden Softwarepaketen auf ihre Verwendbarkeit auch für unternehmungsspezifische Problemlösungen Softwarepakete werden folglich immer attraktiver als Alternative zur Eigenentwicklung von Programmen - warum wird dann aber nicht ganz allgemein vermehrt von vorhandenen Lösungen Gebrauch gemacht?

Das Handicap des EDV-Trödlermarktes

Nehmen wir an, die Firma B plane für ein bestimmtes Arbeitsgebiet eine neue EDV-Organisation. Aus Kostengründen möchte sie eine bereits bestehende Lösung, so sie überhaupt zu finden ist, in die Evaluation mit einbeziehen. Dabei legt die Firma natürlich - zu Recht - großen Wert darauf, eine "gute" Lösung zu finden. Deckt sie die Bedürfnisse ab, und ist sie - mit vertretbarem Aufwand - anpassungsfähig? Genügt die Dokumentation? Kann die Wartung garantiert werden? Sind überhaupt Aufwand und Risiko klar abschätzbar? Die Firma A hat nun vielleicht für das betreffende Arbeitsgebiet eine "gute" Lösung entwickelt. Firmen, die interessante Lösungen realisiert haben und anbieten konnten, gibt es ja viele. Leider handelt es sich vielfach um raffinierte spezifische Insellösungen, die nicht ein ganzes Arbeitsgebiet abdecken, oder dann ist die Applikation derart auf Firmentaille maßgeschneidert, daß sie als nur sehr begrenzt anpassungsfähig erachtet werden muß zudem ist die Dokumentation nur allzu oft völlig ungenügend.

Das Bein auf Hosenlänge kürzen?

Nur selten sind die Anforderungen der Firma B und die Situation bei der Firma A deckungsgleich; eine Übernahme der Applikation "tel quel" kommt daher nur in wenigen Einzelfällen wirklich in Frage. Meistens aber müßte die Firma B einen unüberblickbaren Anpassungsaufwand in Kauf nehmen - oder aber bereit sein, ihre Organisation der vorhandenen EDV-Lösung anzupassen... Anders wäre es möglicherweise, wenn die Firma A bereits bei der Entwicklung ihres Anwendungsprogrammes künftige Verkaufschancen eingebaut hätte, daran gedacht hätte, ihre Lösung modular, ausbaufähig zu gestalten und ausreichend zu dokumentieren. Doch solch "weise Voraussicht" wäre zu kostenaufwendig, würde eine nicht mehr vertretbare Investition erfordern und daher kaum je bewilligt; schließlich ist nicht der Verkauf von Anwendungsprogrammen Geschäftszweck der Firma A, verfolgt sie andere Zielsetzungen als ein Softwarehaus.

Maßkonfektion vom Softwarehaus

Wie wir gesehen haben, kann nicht eine fixfertig ausgebaute Lösung als Standard-Softwarepaket angeboten werden. Notwendig ist ein modulares ausbaufähiges gut dokumentiertes Grundgerüst, das ohne Schwierigkeiten den jeweiligen spezifischen Bedürfnissen angepaßt werden kann. Dazu ist es natürlich unabdingbar, daß dieses Grundgerüst speziell im Hinblick auf mehrfache Verwendung konzipiert und realisiert wird. Dies erfordert nicht nur eine große Investition und spezialisiertes Know-how, sondern auch eine kompetente Verkaufs- und Unterstützungsorganisation. Diese Voraussetzungen sind im allgemeinen nur bei einem Softwarehaus gegeben. Das will nicht heißen, daß das Softwarehaus nicht auf seine Weise bei der Entwicklung von Lösungen vom bereits Vorhandenen profitieren soll. Das Softwarehaus ist eben auch eine Art Ideenbörse, eine Art sophistizierter Trödler Abraham. Oft findet sich Brauchbares in den Lösungen der Firma A: Konzepte, Moduln, Funktionen. Davon profitieren wiederum die Kunden des Softwarehauses

Quelle: Systor-lnfo, 1. Ausgabe 1979.