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Standardprogramme nur begrenzt einsetzbar


29.02.1980 - 

Software von der Stange: Teure Änderungen

Angesichts steigender Personalkosten und zunehmender Manpower-Knappheit liebäugeln DV-Benutzer immer häufiger mit "Software von der Stange". Die Angebotspalette der Standard-Software weist ein breites Spektrum auf, wie allein ein Blick in den Isis-Report zeigt. Im Gegensatz dazu seien die effektiven Verkaufszahlen, so die Geschäftsführer der Hamburger URW GmbH, Dr. Gerhard Rubow und Peter W. Schulz, erheblich niedriger. Universell einsetzbare Software wird nach Meinung der beiden Unternehmensberater auch in Zukunft nur bei begrenzten Anwendungen zum Einsatz kommen. Und das vor allem, weil sich der DV-Anwender nicht in seinen individuellen Gestaltungsmöglichkeiten beschneiden lassen will. ha

Dr. Gerhard Rubow und Peter W. Schulz, Geschäftsführer der URW Unternehmensberatung Karow Rubow Weber GmbH, Hamburg

Bezogen auf den Einsatz von Softwarepaketen, zeigt uns ein Blick in den Isis-Report, daß die Angebotspalette breit, die Verkaufszahlen, sprich Installationen, zum Teil aber sehr niedrig sind.

Wir behaupten, daß universell einsetzbare Software auch in Zukunft nur für begrenzte Anwendungen zum Einsatz kommen wird, weil sich der Anwender seine individuellen Gestaltungsmöglichkeiten nicht beschneiden lassen will.

Uniformität

Diese Aussage ist bewußt überspitzt formuliert, etwas differenzierter läßt sich sagen:

1. Je weniger die organisatorischen und technischen Abläufe und Strukturen eine individuelle Gestaltungsmöglichkeit des Anwenders zulassen, um so erfolgversprechender ist der Einsatz von standardisierter Anwendersoftware. Beispielsweise lassen die handels- und steuerrechtlichen sowie die sozialen Vorschriften wenig Freiraum für die Gestaltung der Finanzbuchhaltung und Lohn- und Gehaltsabrechnung, so daß hierfür zur Zeit wohl das größte Angebot an branchenunabhängiger kommerzieller Software zu finden ist.

Vielfalt

2. Je mehr Varianten der organisatorischen und technischen Abläufe und Strukturen möglich sind, um so schwieriger wird es, sie in einem Standardprogramm unterzubringen. Ein Weg, die von den Anwendern geforderten Varianten abzudecken, ist die Modularisierung der Programmpakete, oder es bietet sich an, branchenspezifische Standardsoftware zu entwickeln - hauptsächlich für Betriebe, deren Organisationsstruktur durch verbandsinterne Empfehlungen beziehungsweise administrative Vorschriften weitgehend einheitlich ist. Beispielsweise sind Buchverlage im Börsenverein zusammengeschlossen, der die wesentlichen Schlüsselsysteme wie Artikelnummer (ISBN), Kundennummer (Verkehrsnummer) sowie die Systematik der Rechnungserstellung und des Zahlungsverkehrs vorgibt.

Kreativität

3. Standardsoftware findet dann nicht genügend Anwender, wenn sie die kreativen Gestaltungsmöglichkeiten des Unternehmens beschneidet. Im kaufmännisch-administrativen Bereich betrifft das vorwiegend den Einkauf/Verkauf sowie die Material- und Zeitwirtschaft; im technischen die Produktionsverfahren, Produktionssteuerung und die Produktionsentwicklung. Die Diskrepanz zwischen den individuellen Wünschen der Anwender und den Möglichkeiten der Softwerker, diese Anforderungen mit wirtschaftlich vertretbarem Aufwand zu erfüllen, darf nicht zur Standardisierung der Aufgabenstellungen und Lösungen und damit zur Einengung der Individualität führen. Es erscheint statt dessen sinnvoller, die Standardisierung von Hilfsmitteln und Verfahren für die Software-Entwicklung voranzutreiben, so daß der Anwendungsprogrammierer seine Zeit darauf verwenden kann, die vom Anwender gestellten Aufgaben zu lösen und in Software umzusetzen und nicht damit, sich unzulängliche Hilfsmittel gefügig zu machen.

Leo Schleupen, Inhaber der Leo Schleupen Systemanalyse GmbH Hamburg

Bezieht man das Thema "Software von der Stange" auf Anwendersoftware, so sind drei grundsätzliche Kategorien feststellbar:

a) Programme, die im Rahmen eines Individualauftrages realisiert und anschließend zum "Standard" aufgebohrt wurden.

b) Programme, für die ein Individualauftrag vorliegt und bei deren Realisierung bereits versucht wird, Standardanforderungen zu berücksichtigen.

c) Echte Standardprogramme.

Wenn man nun aus der Gesamtpalette der im Markt befindlichen Programme die unter a) und b) genannten abzieht, bleiben nur wenige übrig, die der Kategorie c) zuzuordnen sind.

Ich behaupte, daß echte Standardprogramme so universell sein können, daß sie über 90 Prozent der Marktanforderungen, für die sie konzipiert sind, abdecken. Diese 90 Prozent sind nicht so zu verstehen, daß sich der Anwender um diesen Prozent-Satz umstellt, sondern daß 90 Prozent der Anwenderforderungen unter Beibehaltung seiner Individualität abgedeckt werden.

Das setzt voraus, daß das Standardprogramm konkrete Anforderungen bezüglich Konzeption, Realisierung, Implementierung und Wartung erfüllt. Bei jeder dieser Anforderungen ergibt sich auch gleichzeitig die Grenze einer möglichen Standardisierung (90 Prozent-Forderung).

Anhand eigener Erfahrung mit der Entwicklung von Standard-Anwenderpaketen (in einem Fall über 170 Installationen) kann ich die Anforderungen und auch die möglichen Einschränkungen detaillieren.

1. Konzeption:

Detaillierte Marktuntersuchung mit der Erstellung eines Anforderungskatalogs durch einen entsprechend ausgebildeten Fachmann der ausgewählten Branche. Bei konträren Anforderungen der Branche ist hier bereits die Grenze für eine Standardisierung erreicht, so daß ein weiteres Vorgehen wenig erfolgreich ist.

2. Realisierung:

Es ist effizienter, einem Branchenfachmann das Programmieren beizubringen, als einen Programmierer in die Geheimnisse der Branche einzuführen. Je nach Anforderung: Realisierung in linearen Programmen, parametergesteuerte Ablaufroutinen und in komplexen Fällen eine anwenderbezogene Programmsprache (Parameterinterpretation).

Die Interpretation einer Anwender-Definition wirkt sich in einem verringerten Datendurchsatz aus - damit ist unter Umständen eine Standardisierung nicht mehr sinnvoll.

3. Implementierung

Die Implementierung besteht aus 2 Teilen.

a) Software -

Anpassung der Software an die Kundenanlage und Peripherie. Maschinelle Durchführbarkeit ist für eine Massenvermarktung lebensnotwendig.

b) Kundeneinarbeitung -

Wenn die Bedienung durch den Kunden den Komplexitätsgrad erreicht hat, daß sie nur durch eine Fachkraft zu bewältigen ist, wird mit dem Ansteigen dieser Komplexität der Markt der Anwender geringer.

4. Wartung

An dieser Stelle unterscheiden sich die Softwarehäuser. Voraussetzung für den Vertrieb eines universell einsetzbaren Standard-Anwenderprogrammes ist, daß alle Anwender (auch die alten) das neueste Paket benutzen.

Das setzt voraus, daß der Softwarelieferant in der Lage sein muß, innerhalb einer Woche beliebig viele Installationen auf den neuesten Stand zu bringen und den Anwender mit den erweiterten Möglichkeiten vertraut zu machen.

Die Problematik wird dadurch erschwert, daß Anwender, die individuelle Ergänzungen und Erweiterungen zum Standard haben, auch diese Erweiterungen benötigen und eine Pflege dieser Programme durchgeführt werden muß.

Die Entwicklung eines solchen Wartungs-Prozessors, der darüber hinaus dem Softwarehaus die Diagnostik der Programmänderungen übermitteln sollte, wird zur unabdingbaren Aufwendung für ein Softwarehaus, das Standardsoftware vertreiben will.

Außerdem sollte das Softwarehaus einen permanenten Wartungsdienst zur Verfügung stellen und dessen Ergebnisse peinlichst genau untersuchen.

Paul Schröder, Prokurist, Neutrasoft-MDT GmbH, Greven

Um die Frage nach der Universalität von "Software von der Stange" zu beantworten, muß man zunächst die Standardsoftware in die Bereiche "Branchenneutrale Software" (nicht gemeint sind damit Finanzbuchhaltung, Nettolohn und ähnliche Fachbereichslösungen) und "Branchensoftware" aufteilen. Dabei muß als nächstes die Entstehungsgeschichte der jeweiligen Software betrachtet werden.

Branchenneutrale Software entsteht unter dem Gesichtspunkt, möglichst breitgefächerte Lösungen für eine große Gruppe von Anwendern zu schaffen. In der Regel können dabei noch nicht die besonderen Bedürfnisse einer bestimmten Branche berücksichtigt werden. Hierdurch ergibt sich bei der Implementierung zwangsläufig ein sehr hoher Anpassungsaufwand - falls dies unter anwendungsfreundlichen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten überhaupt möglich ist.

Branchensoftware ohne Ballast

Anders ist es jedoch bei der Entstehung branchenspezifischer Software. Diese entsteht meist in Zusammenarbeit mit einem oder mehreren Anwendern einer Zielgruppe. Hier ist bei der Konzeption von vornherein das Hauptaugenmerk auf die Problemstellung dieser Branche gerichtet, und man kann davon ausgehen, daß nicht unnötiger Ballast in den Programmen vorhanden ist. Doch auch hier muß mit individuellen Anpassungen gerechnet werden, da auch innerhalb einer Branche von Anwender zu Anwender unterschiedliche Wünsche bezüglich der Auswertung bestehen. Diese Anpassungen bleiben dann aber zumeist in einem wirtschaftlichen Rahmen.

Somit kann zusammenfassend gesagt werden, daß Branchensoftware die bessere Grundlage für eine optimale Lösung beim Anwender darstellt, während mit branchenneutraler Software sicherlich nur ein kleiner Teil von Anwendungen wirtschaftlich und zur vollen Zufriedenheit lösbar ist. Allerdings sollte auch Branchensoftware tunlichst genau überprüft werden, allein um festzustellen, welche der angebotenen Lösungen den größeren Teil der jeweiligen Bedarfs-Vorstellung abdeckt.