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22.03.1985 - 

Tool-Analyse in Schweizer Konzern ergab überraschende Ergebnisse:

Software-Werkzeug schnitzt noch keinen Einheits-User

BASEL (mer) - "Den" Benutzer gibt es nicht - zu diesem Schluß kamen jedenfalls die DV-Verantwortlichen der Ciba-Geigy AG aus Basel nach ihren unternehmensinternen Erfahrungen mit Werkzeugen für die Softwareproduktion. Rund 2500 Enduser teilen sich derzeit etwa 1400 Terminals.

Nachdem der Schweizer Konzern schon mehrere Jahre lang im technisch-wissenschaftlichen Bereich gute Erfahrungen mit Enduser-Computing gemacht hatte, planten die Eidgenossen im Jahre 1982 das Information Center in den kommerziellen und administrativen Abteilungen einzuführen.

Bald ergaben erste Gespräche mit den Benutzern daß die vorhandenen Werkzeuge "SAS", "Inquire" und, "Mark IV" nur bedingt die Anforderungen erfüllen konnten.

Daraufhin wurde mit "Focus" ein neues Tool evaluiert und im Frühling 1983 bei den Endbenutzern eingeführt. Kurz danach wurde auf Drängen der Mitarbeiter das Führungsinformationssystem mit den Umsatz- und Beitragszahlen für die einzelnen Produkte auf "Focus" umgestellt. Seither erledigen einzelne Spezialisten in der Fachabteilung den überwiegenden Teil in diesem Bereich.

Es zeigte sich schon bald daß Sprachen wie "Focus" nur zu einem kleinen Teil von den ausgebildeten Benutzern verwendet werden. Auch bildeten sich innerhalb der Fachabteilungen, Spezialisten. Eine Analyse innerhalb des Betriebes ergab vier Benutzergruppen, die das Werkzeug auf verschiedene Art anwenden: Den Konsumenten, der möglichst vorprogrammierte Dialoge abrufen will, den aktiven Benutzer, der die EDV zur Unterstützung seiner täglichen Schreibtischarbeit einsetzt, den Informationsspezialisten, der an der Erstellung komplexer Auswertungen interessiert ist und den Systemexperten, der für seine Kollegen ganze Auswertungssysteme erstellt.

Hans Hamburger, Leiter Senior Consultants der Abteilung Individuelle Informationsverarbeitung, faßt die Erkenntnisse aus der Untersuchung zusammen: "Die bis heute gemachten Erfahrungen lassen vermuten, daß, Focus für die Erstellung kleinerer Auswertungssysteme gut geeignet ist. Für den Aufbau operationeller Systeme oder Applikationen ist das Werkzeug aber derzeit, aus Performanceüberlegungen und wegen der eingeschränkten Recovery-Möglichkeiten, nur bedingt einsetzbar."

Bei der Planung derartiger Systeme sei auch darauf zu achten, daß zwar der Programmieraufwand verglichen zu konventioneller Programmierung sinke, die Zeitspanne der Programmentwicklung aber in etwa gleich bleibe.

Benutzerverhalten im Unternehmen

Der Konsument

- ist der klassische DV-Benutzer als Anwender vorprogrammierter Systeme

- wertet gelegentlich bestehende Datenbestände in einfacher Form aus

- will möglichst wenig direkt mit der Datenverarbeitung zu tun haben

Der Aktive

- sieht die Datenverarbeitung als Chance zur schnelleren Bewältigung seiner Arbeit

- erstellt eigene kleine Datenbestände (Ersatz für Karteien etc.)

- ist auch interessiert an Grafik und Textverarbeitung

- greift selten auf größere Datenbestände zu

- benötigt einfache, aber flexible Hilfsmittel

Der Informationsspezialist

- interessiert sich primär für Daten, weniger für Technik

- erstellt komplexere Auswertungen

- verknüpft Datenbestände aus verschiedenen Systemen

- ergänzt Systeme durch eigene Daten

- erstellt kleinere Systeme, die er überwiegend selbst bedient

- erstellt Auswertungen für andere Mitarbeiter

Der Systemspezialist

- hat starkes Interesse an Technik, weniger an Dateninhalt

- ist EDV-"Kenner" innerhalb des Benutzerbereiches

- liest gern eine Vielzahl von Fachzeitschriften

- konzentriert sich auf Erstellung von Systemen, interessiert sich wenig für Betrieb

- betreibt von ihm entwickelte Systeme nicht selbst

Das Werkzeug beim Endbenutzer

Der Konsument

- Für ihn ist Focus immer noch zu komplex.

- Er benötigt Kenntnisse vom Betriebssystem und vom TP-Monitor.

- Einfache Auswertungen sind möglich mit Tabletalk.

Der Aktive

- verwendet PC-Focus als DBMS

- extrahiert Datenfiles für den PC

- verwendet Interface zu Lotus

Der Informationsspezialist

- nutzt die verschiedenen Report-Features

- verknüpft Datenbanken mittels Join

- verwendet FML für komplexere Reports und Simulationen

- nutzt Selektionsmöglichkeiten voll aus

- parametrisiert seine Programme

- erstellt eigene Dateien für Adhoc-Spezialauswertungen

Der Systemspezialist

- nutzt die ganze Palette von Focus

- verwendet komplexe Datenbank-Strukturen und Online-Datenerfassung

- überschreitet aber häufig die Grenzen des Paketes

- "Programmiertricks" erschweren Maintenance

- schlechte Performance

- Anwendungen:

- Data-Entry-Systeme

- Online-Auswertungssysteme

- Prototypen