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11.02.1994

Software wird nicht verstanden Dieter Eckbauer

Software wird nicht verstanden, verdeutlicht ein Insider einen interessanten Teilaspekt des Problems, dass "alle von der Bedeutung der Informationstechnik fuer die Wettbewerbsfaehigkeit von Unternehmen reden und nichts passiert". Off the records sei das, nur ohne Namensnennung zur Veroeffentlichung bestimmt. Die Einschaetzung deckt sich mit einer Beobachtung, die John Huey, Redakteur des US-Wirtschaftsmagazins "Fortune", in einer Management-Story wiedergibt: "95 Prozent der amerikanischen Manager sagen in bezug auf die als notwendig erkannte Erneuerung der Unternehmen das Richtige - doch nur fuenf Prozent tun es." Dazu gehoere, wie es in "Fortune" weiter heisst, dass "man sich der Wirkung der Informationstechnik gerade erst bewusst wird".

Fuer Manager, die mit IT unmittelbar nichts zu tun haben, mag das ermutigend klingen, IT-Spezialisten bei Anbietern und Anwendern muessen sich eine ganze Latte von Fehlleistungen vorhalten lassen. Ueber die inzestuoesen Beziehungen (Stichwort: IBM-Hoerigkeit) der Nur-Techniker, ueber die Glashaus-Mentalitaet ist alles gesagt. Da wundert sich ein Schulungsanbieter, der vor nicht allzu langer Zeit ein proprietaeres Mainframe-System fuer Lehrzwecke installiert hat, dass jetzt die Auszubildenden ausbleiben. Der Mann konnte doch nicht im Ernst annehmen, der Hersteller werde ihm vom Kauf des Grossrechners abraten. Die Arbeitsmarktzahlen aus dem DV-Bereich sprechen fuer sich (Seite 1).

Eigentlich waere ein radikaler Schnitt laengst ueberfaellig, ein operativer Eingriff, der IT-Chancen eroeffnet, diejenigen foerdert, die sich vom Know-how her umgestellt haben. Von den Herstellern darf man aktive Mithilfe nicht erwarten. IBM & Co. sind mit sich selbst beschaeftigt. Das lange Sterben der 370-Mainframes verdient keine Anteilnahme. Dass sich das Leiden bei der AS/400 wiederholt, scheint absehbar (Seite 1). Alle Rettungsversuche kommen zu spaet. Es genuegt nicht, das Midrange-System fuer offen zu erklaeren, der Anpassungsaufwand schreckt viele Entwickler, und die Client- Server-Interessenten lassen sich nicht taeuschen.

Und doch greift eine IT-Politik zu kurz, die sich nahezu ausschliesslich an der Technologie orientiert. Man muss sehen, dass es mit der Muendigkeit der eigentlichen Anwender, insbesondere der Manager, nicht sehr weit her ist. Sie verstehen - und damit kommen wir zur Eingangsthese zurueck - die Wirkungsweise von Software nicht, kein Wunder, wenn der Softwarebranche ihr eigenes Tun Raetsel aufgibt. Wer definiert ueberhaupt Software? Wer gibt vor, wie gutes Software-Engineering auszusehen hat? Was macht den Wert von Software aus?

Beispiel SAP (Seite 4): Man wird niemandem weismachen koennen, dass ein Standardrahmen fuer die Betriebswirtschaft - hier bezogen auf DV-Anwendungen - die Wettbewerbsfaehigkeit von Unternehmen verbessert. Wie erklaert sich dann, dass von SAP eine Faszination ausgeht, der selbst die Hochschullehre erliegt? Die Software-wird- nicht-verstanden-Erkenntnis als Denkanstoss waere ein hoffnungsvoller Ansatz - mehr ist momentan nicht drin.