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16.04.1981

Software-Zwänge haben DV-Arbeitsplatz verändert

"Der Trend, weg von Insellösungen und hin zu einer integrierten Gesamtlösung führte in den DV-Abteilungen zu starken Veränderungen", erklärt DV-Chef Gerhard Justin von der Hanauer Heraeus Gmbh. Komplexer werdende Aufgabenstellungen würden die Unternehmen verstärkt zum Kauf von Fremdsoftware zwingen. Daraus habe sich für das DV-Management ein völlig neues Betätigungsfeld ergeben. Justin verdeutlicht, daß er sich inzwischen mehr mit der Auswahl von Standard-Programmen zu befassen habe, als mit Eigenprogrammierung. "Die Zeit des Pioniergeistes in der DV ist vorbei", bedauert Michael Grau von der Niehoff KG in Schwabach. Auch der "Hans Dampf in allen Gassen", der die DV dorthin gebracht habe, wo sie heute stehe, sei nicht mehr gefragt. Heute habe vor allem der Spezialist das Sagen.

Michael Grau

DV/Org.-Leiter, Maschinenfabrik Niehoff KG, Schwabach (IBM 370/115 II, DOS/VS)

Der Arbeitsmarkt für qualifizierte Datenverarbeiter ist heute nahezu leergefegt. Daraus ergeben sich für die DV-Verantwortlichen neue Konsequenzen, die das Bild der DV-Abteilung in den letzten Jahren entsprechend verändert haben: Um keine schwerwiegenden Personalprobleme zu bekommen, muß man heute entweder selbst neue Leute ausbilden, womit ein Schwergewicht der Aktivitäten auf der Betreuung eigener Mitarbeiter liegt. Die zweite Möglichkeit liegt in der Einstellung von fertigen DV-Spezialisten, die jedoch meist nur zu überzogenen Gehältern auf dem Markt zu bekommen sind. Folge: Sie bringen das Gehaltsgefüge in der Abteilung durcheinander und den DV-Leiter in die Zwickmühle, bei anderen Mitarbeitern gehaltlich (...)zuziehen oder mitanzusehen, wie sie zu einem anderen Arbeitgeber wechseln. Daraus ergeben sich erneut die Probleme, neue Mitarbeiter zu finden.

Die Personalprobleme beginnen heute bereits in der Datenerfassung. Im Gegensatz zu früher, sind kaum noch Ganztagskräfte zu bekommen. Im Vordergrund steht hier heute die Halbtagsbeschäftigung. Bei Betrieben unserer Größenordnung ist dies nicht unmittelbar von Nachteil. Bei Krankheit oder Urlaub besteht die Möglichkeit, relativ schnell Ersatz zu bekommen.

Die Zeit des Pioniergeistes in der Datenverarbeitung ist vorbei. Damit ist auch die Motivation eine andere geworden. Es ist nicht eine Frage des fehlenden Elans, sondern vielmehr hat sich die Aufgabenstellung verändert. Der "Hans Dampf in allen Gassen", der die Datenverarbeitung dahin gebracht hat, wo sie heute ist, ist nicht mehr gefragt. Der Spezialist hat das Sagen.

Der verstärkte Einsatz von Bildschirm-Arbeitsplätzen in den Fachbereichen ebnete den Endbenutzern den Weg zum DV-Know-how. Inzwischen sind die Fachbereiche bereits gut darüber informiert, welche Möglichkeiten sie über ihr Terminal ausschöpfen können. Konsequenz: Die DV wird permanent mit Wünschen und Forderungen konfrontiert. Dadurch stieg der DV-Personalbedarf, und auch die Maschinenkapazität bedurfte einer immer schnelleren und stärkeren Aufrüstung.

Durch die immer größer werdende Datenmenge mußten wiederum mehr Sicherungen eingeführt werden. Die Programmierung sowie die Systemsteuerung wurden schwieriger und so mancher stieß auf die Grenzen der Maschinenbelastbarkeit. Das heißt, erneuter Umstieg auf eine noch größere Maschine.

Eine positive Veränderung erfuhr indessen das Verhältnis zwischen DV und den Fachbereichen. Mit dem Bildschirm wurde ein Informationsfluß erreicht, der beim Endbenutzer ein größeres Verständnis für den Computer bewirkte.

Friedhelm Heintz

DV-Leiter, Heinrich Hill GmbH, Hattingen (IBM 370/138, DOS/VS)

Denkt man oberflächlich darüber nach, welcher Wandel sich in den letzten Jahren in der DV-Abteilung vollzogen hat, so könnte man sagen, daß sich nichts verändert hat. Die Probleme der DV sind die gleichen geblieben. Durch den Bildschirmdialog - und hier will und muß jeder hinkommen - hat sich jedoch die Problemlösung total verändert. Es gilt heute nicht mehr die Regel, Dateneingabe-Batchablauf -Ergebnis sondern Dateneingabe und Direktergebnis.

Die Palette der Anwendungssoftware ist inzwischen so groß geworden, daß die Entscheidung für ein Produkt immer schwieriger wird. Wenn in diesen Programmen heute Änderungen notwendig sind, sollte dies über eine Parameterangabe durchgeführt werden und nicht durch einen Software-Eingriff. Auch auf dem Gebiet der Systemsoftware wird der Überblick für einen DV-Mann komplizierter. Früher wer mit der Entscheidung für einen Computer-Hersteller gleichzeitig auch die Frage nach der Systemsoftware entschieden. Inzwischen werden von einem DV-Verantwortlichen auch auf diesem Gebiet erhebliche Kenntnisse abverlangt.

Im Personalbereich ist der DV-Mann, der quasi alles macht und alles kann, ausgestorben. Der DV-Allrounder, den wir noch aus den anfänglichen 70er Jahren kennen, käme durch die jetzt erreichte Komplexität der Datenverarbeitung und deren Möglichkeiten, kaum noch zum Arbeiten. Um nur halbwegs up to date zu bleiben, müßte er sich in einem permanenten Ausbildungsprozeß befinden. Die Spezifizierung des DV-Know-hows drängt immer mehr zum reinen Spezialisten. Bereits heute heißt die Aufteilung in den DV-Abteilungen: Systemprogrammierer, Organisationsprogrammierer und Datenbankfachmann. Früher waren in der Bezeichnung Programmierer alle Tätigkeiten enthalten, die jetzt einer differenzierten Bezeichnung bedürfen.

Auch im Hardware-Bereich hat der Bildschirmdialog zu gravierenden Veränderungen geführt. Er wird künftig die Entscheidungen jedoch noch stärker beeinflussen.

Der Bildschirm hat immer mehr dazu beigetragen, daß Reibereien mit den Fachabteilungen der Vergangenheit angehören. Je mehr hier eine Dezentralisierung stattgefunden hat, um so mehr kamen andere Unternehmensbereiche in die Verantwortung.

Bald wird es nötig sein, Computer zu besitzen, die entscheiden, welche Entscheidungen zu treffen sind.

Gerhard Justin

Leiter DV/Org. und Programmierung, W. C. Heraeus GmbH, Hanau (2 x IBM 4341, DOS/VSE)

Der Trend, immer mehr von Insellösungen wegzukommen und eine integrierte Gesamtlösung zu realisieren, führte in den DV-Abteilungen zu starken Veränderungen. Komplexer werdende Aufgabenstellungen (Datenbanken) bewirkten einen Weggang von der ehemals "künstlerischen" Programmierung hin zur Anwender-Software. Das bedeutete für das DV-Management, daß ein neues Tätigkeitsfeld hinzukam. Heute wird nicht mehr selbst gestrickt, sondern es müssen Entscheidungen getroffen werden, welche Standard-Software eingesetzt werden soll.

Betrachte ich meine Tätigkeit innerhalb der letzten drei Jahre, so beschäftige ich mich heute wesentlich mehr mit der Auswahl von Fremd-Software, als mit Eigen-Programmierung. Vor ein paar Jahren war es noch unkompliziert, für Einzellösungen entsprechende Programme zu erstellen. Inzwischen sind die Anforderungen der Fachbereiche derart komplex geworden, daß Selbst-Programmierung in keinem Verhältnis zum effektiven Nutzen stehen würde. Die Unternehmen sind somit quasi zum Kauf von Software-Paketen gezwungen.

Auch im Personalbereich hat sich einiges verändert: So ist zum Beispiel heute weniger der Superprogrammierer gefragt, als vielmehr der DV-Mann mit betriebswirtschaftlichem Background, der in der Lage ist, Standard-Software anhand der Fachabteilungs-Kriterien zu beurteilen.

Der Job für einen DV-Verantwortlichen ist in den letzten Jahren nicht leichter geworden. Durch die Verlagerung der Tätigkeiten auf betriebswirtschaftliche Schwerpunkte, muß man inzwischen wesentlich tiefer in eine Materie einsteigen. Früher wurden von den Fachabteilungen Wünsche geäußert, und die Datenverarbeiter haben sie kurzfristig realisiert. Inzwischen hat sich in den Unternehmen eine kostenbewußte Denkweise durchgesetzt. Fazit: Bei einer Entscheidung muß auch seitens der DV das betriebswirtschaftliche Umfeld berücksichtigt werden. Dies ist ein zwangsläufiger Prozeß, wenn man von den bisherigen Insellösungen zum Gesamtsystem kommen will.

Die Position des DV-Leiters entwickelt sich dahingehend, daß er immer mehr zum Vermittler zwischen Anwender und den Software-Anbietern wird. Ein riesiger Anwenderstau sowie die Vielzahl der vorhandenen Programme, die eine permanente Programmpflege erforderlich machen, lassen Einzellösungen heute kaum noch zu. Vierzig Prozent unserer Kapazität ist mit derartigen Tätigkeiten belegt, so daß neue Entwicklungen letztlich völlig auf der Strecke bleiben.

Karl-Albert Mager

DV/Org.-Leiter, Betonsteinwerke Paul Ahrens KG, Mainz-Kosthelm

Das Wachstum der Industrie und die damit verbundene Ausweitung des Handels brachte der Verwaltung eine stets zunehmende Flut an Belegen und administrativen Aufgaben. Diese Mehrarbeit verlangte vor allem in den letzten Jahren verstärkt nach rationellen Arbeitstechniken und somit den Einsatz von elektronischen Geräten.

Die elektronische Datenverarbeitung ist heute in der Technik und Verwaltung kaum mehr wegzudenken. Erst in letzter Zeit ist vor allem Klein- und Mittelunternehmen bewußt geworden, daß sie es sich nicht mehr leisten können, auf die Mitarbeit eines Computers zu verzichten. Hierdurch wurde zwar die Tätigkeit der EDV-Leute stark aufgewertet. andererseits sind jedoch seitens der Fachabteilungen immer mehr Forderungen laut geworden, die ad hoc nicht von den Datenverarbeitern erfüllt werden können. Durch die Mündigkeit der Endbenutzer entstanden somit in der Vergangenheit immer mehr Reibereien.

Die Installation eines Computers und die reibungslose Integration eines neuen Organisationsmodells in ein Unternehmen ist zwar durch die Komplexität der Systeme immer schwieriger geworden, aber die Erfahrung der Datenverarbeiter macht die Know-how-Lücken wett. Nach wie vor gilt die Regel, daß Fachkenntnis von der Seite der Organisation, wie auch die Bereitschaft zur positiven Mitarbeit seitens der Anwender gegeben sein muß.

In den Unternehmen hat sich bezogen auf die Philosophie des Computereinsatzes eine Wende ergeben: Der Computer wird nicht mehr als Wundermaschine gesehen, sondern ist vielmehr als Werkzeug, an dem oder mit dem das Personal arbeiten kann, akzeptiert. Von vielen Seiten wird inzwischen hervorgehoben, daß im Wettstreit mit dem Automaten der Mensch der Unterlegene ist. Andererseits besteht jedoch das Bewußtsein, daß ohne die menschliche Anweisung - dem Programm- ein Computer nie in der Lage wäre, ein Problem selbständig zu lösen.

Oft wird im Zusammenhang mit Geschwindigkeit und Computer sowie der damit verbundenen Rationalisierung der Verlust des Arbeitsplatzes beklagt. Es hat sich jedoch in letzter Zeit speziell in Mittelbetrieben gezeigt, daß für die große Papierflut von Listen, Rechnungen, Aufträgen und Briefen auf keinen Fall mit einer personellen Einsparung zu rechnen ist. Vielmehr wurden in Unternehmen, in denen die Führung durch den Computer angestrebt wurde, zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen, und sei es nur der Platz des Operators in der eigenen EDV-Abteilung.