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Softwareberatung: Den Anwender durch Know-how überzeugen

03.12.1982

"One-Man-Shows" und - "Body-Leaser" scheinen auf dem Softwaremarkt zunehmend an Stellenwert zu verlieren. Nicht zuletzt die anhaltende Rezession sowie die Übersättigung des Marktes mit Feld-Wald-und-Wiesen-Programmierern zwingen die Softwareunternehmen zum Umdenken. Heute werden Berater wegen ihres Know-hows und nicht mehr wie einst aus Kapazitätsengpässen heraus ins Unternehmen geholt. Während Spezialwissen und langjährige Erfahrung in verschiedenen Schwerpunktbereichen gefragt sind, müssen Externe, die "nur" ihre eigene Arbeitskraft anzubieten haben, langfristig um ihre Existenz bangen. ih

Fred Jaster

Geschäftsführer, Apollo GmbH, Neuss

Ein Softwarehaus ist eine DV-Beratungsgesellschaft, die wiederverwendbare Softwareprodukte erstellt, anbietet, einführt und hierfür auch die Wartung übernimmt. Spezielle DV-Beratung kann hier auch angesiedelt sein. Dieser Art Beratungsgesellschaft (Softwarehaus) geht es nach wie vor nicht schlecht.

Anders sieht der Markt für die DV-Personal-Verleihfirmen aus, die auf die gleiche Stufe zu stellen sind, wie die Personal-Verleihfirmen, die dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetzt unterliegen (Baubranche, Büropersonal). Diese meist kleinen Gesellschaften und vielleicht auch einzelnen Selbständigen bieten ihre Arbeitskraft der DV-Leitung von Anwendern an, die sie bisher aus Kapazitätsengpässen (aber selten aus Know-how-Übernahmegründen) beschäftigt haben. Diese Art Dienstleistungsangebot ist rückläufig, da die Gesprächspartner der Fachbereiche der Anwender, durch die immer mehr Entscheidungen getroffen werden, zu Recht den DV-Berater mit ausgeprägtem Sachgebietswissen fordern.

Aber auch von diesen DV-Personalverleihern profitiert der DV-Anwender nur scheinbar. Wenn diese Verleihfirmen in eine schlechte wirtschaftliche Lage kommen und ihre Stunden- oder Tagessätze reduzieren, werden sich die qualifiziertesten der dort angestellten DV-Mitarbeiter einen sicheren Arbeitsplatz (beim Anwender oder Softwarehaus) suchen. Das heißt, der anfänglich als niedrig empfundene Verrrechnungssatz wird durch Personalwechsel während der Projektrealisierung mehr als in Frage gestellt.

Das gleiche Problem in anderer Form trifft den DV-Benutzer bei der Beschäftigung von "Freelancern". In dem Moment, in dem sie weniger für ihre Arbeit berechnen können beziehungsweise der Folgeauftrag nicht sichtbar ist, müssen sie reagieren. Die Reaktion sieht so aus, daß sie entweder mehr vertrieblichen Aufwand treiben müssen (dein DV-Anwender also nicht in der geplanten Zeitmenge zur Verfügung stehen) oder in das sicherere Lager des Angestelltendaseins zurückkehren (und damit für den DV-Anwender nach Projektende nicht mehr greifbar sind).

Langfristig ist der DV-Benutzer am besten bedient, wenn er selbst ein qualifiziertes DV-Team beschäftigt und sich bei speziellen Problemen (Software-, Hardwarefragen, auch bei Kapazitätsengpässen) nicht so sehr am Tageshonorar (das selbstverständlich nicht überzogen sein darf), sondern an der nachweisbaren Qualifikation der Unterstützungsgebenden orientiert.

Harry H. Sneed

Software Engineering Service GmbH, Neubiberg

Die derzeitige Situation auf dem Softwaremarkt ist eigentlich überfällig. Es mußte so kommen, wie es schließlich gekommen ist.

Zum einen verfügen die Anwender inzwischen über genügend eigene Programmkapazität. Ich habe nie an die Hochrechnungen bezüglich des ständig steigenden Programmierbedarfs geglaubt. In der Zukunft werden immer weniger reine Programmierer benötigt, denn fast jeder wird programmieren können.

Zum zweiten haben sich die Probleme verlagert, von der Codierung von Programmen zu der Planung und dem Entwurf komplexen integrierter Systeme. Dafür sind wenige höher qualifizierte Kräfte erforderlich. Solche Kräfte sind aber nach wie vor rar, auch für die Softwarehäuser.

Zum dritten sind die wichtigsten Systeme in den meisten Betrieben schon automatisiert worden. Nun stehen die Unternehmen vor dem Problem der Wartung. Die bestehenden Systeme müssen verwaltet und fortgeschrieben werden. Dazu braucht man aber eher Produkte als Menschen. Dies führt zum vierten Punkt.

Angesichts der hohen Kosten der Softwareentwicklung sind die Anwender immer eher geneigt, ihre Software zu kaufen, statt sie selber zu entwickeln. In den Vereinigten Staaten hat der Verkauffertiger Anwendungspakete ständig zugenommen.

Schließlich wird auch die Softwareentwicklung langsam rationalisiert, das heißt, durch den Einsatz von Methoden und Werkzeugen wird der Personalbedarf verringert. Heute ist die Programmierproduktivität um einiges höher als vor zehn Jahren. Die qualitativen Forderungen steigen, die quantitativen sinken.

In ihrer Gesamtheit führen diese strukturellen Änderungen, gekoppelt mit der allgemeinen wirtschaftlichen Rezession, zu einer veränderten Wettbewerbslage auf dem Softwaremarkt. Die Pionierzeit der Branche ist zu Ende.

Berthold Trottnow

Berater bei Dr. Höfner Elser - Dr. Tobien Managenment- und Personalberatung BDU, Stuttgart

Die wachsende Bedeutung des "Body-Leasings" in den vergangenen Jahren auf dem komplexen Gebiet der Datenverarbeitung im allgemeinen und der Software-Anwendungen im besonderen hatte ihre Ursache sowohl in der rasch zunehmenden Entwicklung von Hard- und Software-Technologien einerseits als auch in der über viele Jahre hinweg überaus günstigen Arbeitsmarktkonstellation andererseits. Das heißt, einer kontinuierlich fortschreitenden Technisierung und Rationalisierung nahezu aller betrieblichen Arbeitsabläufe durch EDV-Applikationen stand in ungleich geringerem Ausmaß ein begrenztes Potential an DV-spezifischem Know-how auf der Personalseite gegenüber. Die konsequente Folge war, daß

- die Anzahl von EDV-Beratungsunternehmen - in zahlreichen Fällen "One-Man-Shows" - über das konjunkturell gebotene und wettbewerbspolitisch notwendige Maß hinaus zunahm,

- der steigende Bedarf an Fachkräften häufig durch die gewerbliche "Ausleihung" von qualifizierten Software-Spezialisten gedeckt wurde,

- nicht nur Groß-, sondern verstärkt auch mittelständische Unternehmen in die softwarebezogene Aus- und Weiterbildung eigener Mitarbeiter investieren und

- an Fach-, Fachhoch- und Hochschulen DV-orientierte Studiengänge Zulauf erhielten wie selten zuvor.

Die sich heute abzeichnenden Auswirkungen dieser Entwicklungstendenzen und die anhaltende konjunkturelle Rezession erfordern auch und besonders im EDV-Bereich ein entschiedenes und nachhaltiges Umdenken. Während das Angebot und die Qualität von komfortablen und leistungsstarken Software-Paketen für vielschichtige kaufmännische und technische Anwendungen herstellerseitig ständig optimiert werden, ist der Arbeitskräftemarkt auf Grund der vorstehend genannten Fakten mit theoretisch vorgebildeten Fachkräften geradezu übersättigt.

Dies bedeutet, daß gegenwärtig die Berufschancen für DV-Anfänger mit vorsichtiger Skepsis zu beurteilen sind, aber demgegenüber der Praktiker mit mehrjähriger einschlägiger Berufserfahrung in den Schwerpunktbereich Systemanalyse, Organisations- und Systemprogrammierung interessante Einsatzgebiete zu erwarten hat.

Wenngleich das Instrument des "Body-Leasings" aus den erwähnten Gründen seinen früheren Stellenwert verlieren wird, ist bereits heute die Notwendigkeit professioneller Auswahlmethoden - vornehmlich in Form einer integrierten DV-Personalberatung - unabdingbare Voraussetzung, um der speziell im EDV-Bereich vorhandenen Gefahr von kostenintensiven Personal-Fehlinvestitionen wirkungsvoll vorzubeugen.

Frank Ebbesen,

Geschäftsführer, Prompt DV Informations-Systeme, Quickborn

Es gibt derzeit auch in der Softwarebranche Schwierigkeiten, die durch die allgemeine Stagnation bedingt sind. Gesucht werden allerdings nach wie vor qualifizierte Spezialisten, die es aber nicht in genügender Anzahl gibt. Viele Berater beziehungsweise Programmierer können jedoch nur ihre eigene Arbeitskraft anbieten, und das ist heute zu wenig. Der Anwender hat durch den momentanen Konkurrenzkampf eine größere Auswahl, nutzt diese Chance aber nicht richtig. Oft wird der "billige Freelancer" genommen und dabei vergessen, daß sich dies auf lange Sicht nicht bezahlt macht. Ich glaube, daß diese 08/15-Programmierer, die nur Anweisungen schreiben können, in Zukunft ganz vom Markt verschwinden werden. Wenn man in einen Mittelbetrieb geht, dann muß man auch organisatorische Beratung mitliefern können.

Die Verschiebung auf dem Softwaremarkt ist seit ungefähr eineinhalb Jahren zu beobachten. Spätestens zu diesem Zeitpunkt mußten die Berater sich etwas einfallen lassen, das heißt sich noch mehr auf bestimmte Gebiete spezialisieren, um Erfolg zu haben. Die Anwender haben es heute viel einfacher als früher. Für viele stehen ihnen moderne Werkzeuge zur Verfügung. Das Programmieren sollte irgendwann dem Sachbearbeiter ganz überlassen werden, da er auch die Fachkenntnisse mitbringt. Jedes Softwarehaus sollte sich schnellstens umstellen und die Ausbildung der eigenen Mitarbeiter nicht vernachlässigen.

Die Anwender verlangen immer mehr Spezialwissen, mehr Beratung und hochwertiges Know-how. Das Geschäft läuft nicht mehr so wie früher "sowieso", sonden verlangt wieder Einsatz und Engagement.