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30.08.1985 - 

Union-Carbide-Mitarbeiter verließen sich hundertprozentig auf Rechnerprognose:

Softwarefehler führten zur Giftgas-Katastrophe

MÜNCHEN (ih) - Softwarefehler verhinderten im US-Bundesstaat West Virginia die rechtzeitige Warnung der Bevölkerung vor einer Giftgaswolke. Obendrein mußte die Leitung des Chemiewerks "Union Carbide" eingestehen, daß die computergesteuerte Überwachungsanlage mit falschen Daten gefüttert war.

Der Rechner zeigte irrtümlich an, daß die ausgetretenen giftigen Dämpfe nicht über das Werksgelände hinaustreiben würden. Dadurch konnten die Bewohner der vier Ortschaften, über die die Giftwolke zog, erst 20 Minuten nach Gasaustritt alarmiert werden. 149 Personen mußten wenig später im Krankenhaus behandelt werden.

Nach Angaben eines Unternehmenssprechers von Union Carbide entwichen die Giftdämpfe aufgrund eines Dichtungsdefekts aus einem Tank, der 14 000 Liter einer Mischung verschiedener chemischer Substanzen (Aldicarb Oxime, Dichloromethan, Kohlenmonoxid, Kohlendioxid und Schwefel) enthielt.

Der Grund für die verspätete Warnung: Das Softwareprogramm Safer System der Safety Emergency Systems, Inc. enthielt keine Daten über den ausgeströmten Giftstoff Aldicarb Oxime. Statt dessen war der Rechner mit Informationen über Methylisocyanat gefüttert - die Chemikalie, die Tausenden von Menschen in der indischen Stadt Bhopal im Dezember des vergangenen Jahres zum Verhängnis wurde. Der Computer beurteilte demzufolge das Verhalten der Giftgaswolke aufgrund von Daten eines Stoffes, der nicht entwichen war. "Nur so konnte es passieren", resümiert Thad Epps, Pressesprecher bei Union Carbide, "daß sich die Giftgaswolke weiterbewegte, obwohl der Rechner dies ausschloß."

Der 32-Bit-Mikrocomputer von Wicat Systems, Inc. kombiniert die Streuungsraten sowie die Eigenschaften von spezifischen Gasen mit Wetterfaktoren wie Windgeschwindigkeit und Richtung. Er basiert auf einem 68 000-Mikroprozessor von Motorola, verfügt über 1 MB Hauptspeicher und arbeitet mit dem Betriebssystem des Herstellers.

Insgesamt war das Softwareprogramm Safer System mit den Daten von drei chemischen Stoffen gefüttert worden. Informationen über weitere sieben Chemikalien lagen zwar vor, waren dem Computer aber nicht eingegeben worden. Auf die Frage, warum die Daten von Aldicarb Oxime fehlten, antwortete ein Sprecher der Unternehmensleitung laut einem Bericht der Frankfurter Rundschau: "Wir arbeiten in diesem Werk mit Hunderten von chemischen Stoffen. Irgendwie muß eine Auswahl getroffen werden."

Richard H. Schulze, Präsident der Trinity Consultants, Inc. in Dallas und Spezialist für Schadstoff-Untersuchungen, hält es auch für möglich, daß unvollständige Daten über... Wetter eine Rolle gespielt ha könnten. Schulze: "Es wäre besser gewesen, die Carbide-Mitarbeiter hätten sich nicht auf den Computer verlassen. Sie fütterten ihn mit falschen Daten und verließen sich dann hundertprozentig auf seine Fehlprognosen."