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23.11.1979

Softwarefehler können teuer werden

Mit dem Ausmerzen von Softwarefehlern verbringen Programmierer seit jeher einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit. "Fehler, die allein durch den Einsatz zusätzlicher Manpower behoben werden können", so Manfred Gensler, Leiter der Organisation und EDV bei Ondal in Hünfeld/Fulda, "sind prinzipiell die billigeren Fehler." Würden aber aufgrund falscher Daten wichtige unternehmerische Entscheidungen getroffen, so der Ondal-EDV-Chef, könne sich der Verlust ins "Unermeßliche steigern". Gensler schildert eine Situation, die wohl kaum einem DV-Mann unbekannt ist. Fehlerkosten-Berechnungen scheinen jedoch nach wie vor in den meisten EDV-Abteilungen als "Lieblings-Tabu der Verantwortlichen" gepflegt zu werden. CW fragte sechs EDV-Leute, ob sie sich bereits Gedanken über die Kosten einzelner Softwarefehler gemacht haben.

Heinrich Conrad

Leiter der EDV und Ablauforganisation, A. Rohe, Offenbach

Unsere Software wird ausschließlich von unseren eigenen Mitarbeitern geschrieben. Da wir also nicht mit Fremdsoftware arbeiten, ist es weniger problematisch, wenn einmal ein Fehler im Programm auftaucht. Wir wissen dann genau, welcher Mitarbeiter das Programm verfaßt hat. Weil sich dieser in seinem Gebiet am besten auskennt, bekommt er den Fehler auf den Tisch. Eine Macke ist dann wesentlich schneller behoben, als wenn sich ein Fremder erst einmal mit der Logik vertraut machen muß. Das gilt auch für die normierte Programmierung.

Wir haben festgestellt, daß etwa 30 Prozent der bei uns angefallenen Programmfehler dadurch entstanden sind, daß von den Fachabteilungen Wünsche so formuliert wurden, daß Fehler zwangsläufig auftraten. Die restlichen 70 Prozent teilen wir auf in Systemanalyse-Fehler (etwa die Hälfte) und in reine Programmierfehler.

Wir arbeiten vorwiegend mit Cobol-Programmen, die zwischen zwei- und elftausend Statements enthalten. Softwarefehler sind in unserer Abteilung normalerweise innerhalb von etwa einer Stunde behoben. Das absolute Maximum bei der Fehlersuche betrug bisher eine Woche. Sicherlich, hier könnte man sagen, das hat sieben Arbeitstage gekostet, und ein Mitarbeiter hat siebzig Arbeitsstunden damit verbracht. Oder: Wenn wir ein Softwarehaus beauftragt hätten, sie berechnen im Durchschnitt rund einhundert Mark für eine Arbeitsstunde, hätte uns ein Fehler eben 7000 Mark gekostet. Das ist für unser Verständnis von Softwarefehler-Kosten-Berechnungen keine Grundlage. Wir haben zwar für einzelne Tochtergesellschaften und Profitzentren Kostenrechnungssysteme, aber Softwarefehler gehen bei uns im allgemeinen Kostentopf mit unter.

Manfred Gensler

Leiter der Organisation und EDV, Ondal - Zweigniederlassung der Wella AG, Hünfeld/Fulda

Berechnungen in Hinblick auf Softwarefehler wurden in unserem Haus bislang noch nicht vorgenommen. Unsere erste Anlage war aufgrund ihres Alters dermaßen ausgereift, daß Fehler kaum in Erscheinung traten. Bei unserer zweiten Maschine hatten wir zeitlich nicht die Möglichkeit, uns über Fehlerkosten Gedanken zu machen, und unser neues System ist erst seit etwa zwei Monaten installiert. Jetzt treten zwar Softwarefehler in geringem Maße auf, aber diese hat ausschließlich der Hersteller auszubügeln. Sie belasten uns also derzeit nicht. Bislang arbeiteten wir kaum mit Anwender-Software. Das, was seinerzeit eingesetzt war, wurde auf unsere Belange modifiziert und ist seit langem fehlerfrei.

Ein Fehler verursacht in irgendeiner Form immer Kosten, selbst wenn er noch so klein ist. Allein wenn in einer Rechenroutine etwas nicht stimmt, kann das gesamte Paket wertlos sein. Fehler, die allein durch den Einsatz zusätzlicher DV-Manpower behoben werden können, sind prinzipiell die billigeren Fehler. Werden aber aufgrund falscher Daten wichtige unternehmerische Entscheidungen getroffen, kann sich der Verlust ins Unermeßliche steigern.

Momentan befinden wir uns noch in einer recht guten Situation. Treten Softwarefehler auf, muß sie der Hersteller beheben. Wir leisten zwar schon jetzt Hilfestellung, aber sicherlich kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo auch wir voll in die Fehlersuche einsteigen müssen.

Sönke Lensch

Leiter des Rechenzentrums des Universitätskrankenhauses Eppendorf

Es gibt zwei Arten von Kosten, die durch Softwarefehler entstehen. Sie unterscheiden sich dadurch, daß sie einerseits durch die Beseitigung des Fehlers andererseits durch die auftretenden Folgeaufwendungen auftreten. Letztere dürften die schwerwiegenderen sein.

Unsere Softwarefehler haben sich bisher ausschließlich auf den Einsatz zusätzlicher Manpower ausgewirkt. Wir arbeiten unter anderem mit einem Laborsystem. Hier kommt es durchaus einmal vor, daß wir Bestimmungen revidieren müssen, weil uns Werte verlorengegangen sind. In diesem Rahmen haben wir allerdings in der Vergangenheit noch nicht ermittelt, was durch derartige Wiederholungen von Messungen an Kosten entstehen könnte.

Da wir ein Realtime-System eingesetzt haben, können theoretisch erhebliche Kosten aufkommen, wenn einzelne Fehler im Betriebssystem eingebettet sind. Dies kann unter Umständen zu Abstürzen des gesamten Realtime-Betriebes führen. Die dann anfallenden Kosten können (auch zum Beispiel bei Datenbankeinsatz) die gleiche Höhe erreichen, wie bei Fehlern, die etwa zu Produktionsausfällen führen. Prinzipiell hängen die Auswirkungen eines Programmierschnitzers also davon ab, an welcher Stelle ein Patzer erfolgte. Dies ist natürlich von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich.

Im Einzelfall lassen sich nach meiner Ansicht die Kosten eines Software-Fehlers ermitteln, aber generell scheint es mir unmöglich zu sein.

Walter Bergmann

Leiter der Anwendungsprogrammierung, Karstadt AG, Essen

Software-Fehler können durchaus monetär bewertet werden. Das gilt sowohl für die direkten Kosten der Beseitigung als auch für die eventuellen Folgekosten. Im Bereich der Produktionssteuerung stehen die Folgekosten vielleicht sogar an erster Stelle. Aber auch in der kommerziellen EDV können sich schon kleine Software-Macken nachhaltig so auswirken, daß sie hohe Kosten verursachen.

Mit Durchschnitts- oder Wirtschaftlichkeitsberechnungen kann man hier nicht viel erreichen, weil die Folgeerscheinungen unbekannter Fehler im voraus nicht kalkulierbar sind.

Wir haben uns in unserem Unternehmen in einem hohen Maße gegen Fehler abgesichert. Seit Jahren arbeiten wir mit strukturiertem Design und haben inzwischen Transparenz in unsere neuen Programmsysteme hineingetragen, die in Verbindung mit technischen Hilfsmitteln (Dialogprogrammierung, Dialogtest) eine hohe Software-Sicherheit bietet.

Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet stehen wir bei weiteren Maßnahmen, die der Softwaresicherheit dienen sollen und Kosten verursachen, vor der Frage des Grenznutzens. Denn mit Fehlerrate und Fehlerkosten sind wir in den letzten Jahren stark an die Null-Linie herangekommen.

Ich will an dieser Stelle keine "Heile-Welt-Situation" schildern, denn die sogenannte Null-Fehler-Maschine hat wohl niemand, auch nicht Institutionen wie NASA oder CIA. Ich meine, daß die dort angewandten Testsysteme und Software-Absicherungsmaßnahmen mit ihren hohen Kosten bei einer auf unsere Situation zugeschnittenen Kosten-Nutzen-Analyse nicht positiv bewertet würden. Wir arbeiten für mehr als 150 Betriebsstellen, und zwar mit einer Vielzahl von Programm-Systemen. Wenn wir hier nicht verhindern, daß Fehler in die Praxis durchschlagen, hätten wir mit einem großen Chaos zu rechnen. Wir haben nur selten die Situation, nur für einen Benutzer Programme zu entwickeln und mit diesem in einer Probelaufsituation pilotieren zu können. Unsere Systeme müssen von Anbeginn praxisreif sein.

Wahrscheinlich würden wir Fehlerkostenberechnungen anstellen wenn wir in der Vergangenheit in nennenswertem Umfang Softwarefehler gehabt hätten, die auf die Praxis Einfluß genommen und effektiv Folgekosten ergeben hätten.

Da wir in letzter Zelt einige Systeme einführten, die eine nahezu Null-Fehler-Rate aufwiesen, sind wir der Meinung, daß sich Fehlerkostenberechnungen erübrigen.

Rudolf Matt

EDV-Leiter, Ferdinant Pieroth GmbH, Burg Layen bei Bingen

Bei der Frage nach den Kosten eines einzelnen Softwarefehlers müssen zuerst die unterschiedlichen Fehlerquellen differenziert werden. Fehler können weitreichende oder weniger weitreichende Konsequenzen beinhalten. Ein Software-Fehler, der frühzeitig bemerkt wird, kann in der Regel allein durch zusätzlichen Manpower-Einsatz behoben werden. Wird er nicht erkannt und es werden auf dieser Grundlage falsche Management-Entscheidungen getroffen, so kann der Verlust bei manchen Unternehmen sicherlich in die Millionen gehen. Andererseits können beispielsweise Mahnungen fehllaufen, die unter anderem gute Kunden verärgern. Auch eine Softwaremacke in der Fakturierung kann eine Kostenlawine nach sich ziehen.

Ich bin der Meinung, daß sich Software-Fehler, egal wie sie sich entwickeln, nur schwer in Mark und Pfennig auszudrücken sind. In unserem Haus wurden derartige Berechnungen noch nicht angestellt. Wir schützen uns durch eine gute Organisation vor eventuellen Fehlerquellen. Diese reicht vom Rechenzentrum bis zur Programmierung. In diesem Zusammenhang ist auch eine gute Dokumentation wichtig. Denn eine schlechte Dokumentation bedeutet, daß man sich erneut in ein Problem hineindenken muß. Hier entstehen dann erneut Fehler. Unsere Devise ist: Durch entsprechende Organisation lieber vorher zu investieren, um zu vermeiden, daß hinterher nach gerechnet werden muß, was ein Versagen letztendlich gekostet hat.

Werner Robe

Leiter der Programmierung, Papierfabrik Schoeller & Hoesch GmbH, Gernsbach

Das Gebiet der Softwarefehler-Kosten ist zu vielschichtig, um es zu pauschalisieren. Allein ein kleiner Schnitzer kann bereits erheblichen Programmieraufwand oder zusätzliche Rechenzeit bewirken. Gravierender scheinen hier Fehler zu sein, die in Management-Entscheidungen hineinreichen.

Berechnungen darüber, was ein einzelner Softwarefehler kostet oder kosten könnte, haben wir noch nicht vorgenommen. Fehler entstehen meiner Meinung nach primär dadurch, daß ein Programm nicht tausendprozentig ausgetestet wurde. Um Programmiermacken zu vermeiden, ist für uns umfangreiches Testen zu einem wesentlichen Kriterium der vorzeitigen Fehlervermeidung geworden. Wenn der Aufbau eines Programms stimmt wenn man das Programm übersichtlich gestaltet, dann hat man auch die Fehler im Griff.

Einzelne Programmierfehler lassen sich durchaus in Mark und Pfennig errechnen, wenn es sich um zusätzliche Überstunden, also um reine Manpower-Kosten handelt Aber die Folgekosten, die unter Umständen erheblich die Entwicklung einer EDV-Abteilung hemmen können, sind nicht geldlich darstellbar.