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21.03.1980

Softwarehäuser: Fusionieren, um zu überleben

Das Tätigkeitsfeld eines Softwarehauses umfaßt heute wesentlich mehr als die reine Entwicklung und den Vetrieb von Softwarepaketen. Die Anzahl der auf dem deutschen Markt agierenden Softwarehäuser liegt in grober Näherung bei etwa 400 Gesellschaften.

Ständig werden neue Unternehmen gegründet, und andere verschwinden vom Markt. Dies führt zu der These, daß in zehn Jahren wohl die Hälfte der heute bestehenden Software-Häuser nicht mehr unter ihrem jetzigen Namen oder ihren Besitzern existieren wird, (Fachkräfte, die in den ausscheidenden Software-Häusern beschäftigt sind, werden von anderen, gesunden Firmen der Branche mit offenen Armen aufgenommen.) Die Selektion in lebensfähige und ausscheidende Mitbewerber ist ein Bestandteil unserer Marktwirtschaft und existiert als solcher hoffentlich auch weiterhin, obwohl einige Entwicklungstendenzen einen anderen künftigen Weg analog der Konzentrationstendenz in der Industrie andeuten.

Teurer "state of the art"

Für den heutigen Softwaremarkt sind folgende Erscheinungsformen typisch:

- Es werden viele, von ihrer Aufgabenstellung her gleichartige, aber in Realisierung, Umfang und Benutzerfreundlichkeit sehr unterschiedliche Standardpakete (etwa Finanzbuchhaltung) angeboten. Die oft 20 bis 50 Pakete zum selben Themenkreis leiten ihr Dasein und ihren Verbleib hauptsächlich aus ihrer schwierigen Vergleichbarkeit her. So werden auch verschiedentlich im Ergebnis praktisch gleiche Pakete vom BMFT parallel gefördert.

- Es werden nur sehr wenige Komplett-Lösungen, für eine Branche oder einen Unternehmenstyp angeboten. Nur im unteren Anlagenbereich sind schlüsselfertige Mini-Systeme mit Standard-Software auf den Markt gekommen.

- Die Entwicklung von Standardpaketen beruht in ihrer Mehrzahl auf der Verallgemeinerung einer spezifischen Kundenlösung. Neuentwicklungen nach dem neuesten "state of the art" sind sehr selten, da sie insbesondere für hardwareunabhängige Software-Häuser zu kostspielig sind und derartige Versuche für viele schon das finanzielle Ende bedeuteten.

- Der kombinierte Einsatz von Einzelpaketen verschiedener Software Hersteller ist sehr schwierig, da einerseits die abgedeckten Aufgabengebiete häufig überlappt und andererseits die Schnittstellen zwischen den einzelnen Komplexen in keiner Weise normiert sind.

- Die Software-Häuser stehen oft in Konkurrenz zu Hardware-Herstellern, die eigene Software anbieten. Insbesondere bei den kommerziell ausgerichteten großen Herstellern

ist eine Tendenz in Richtung verstärkter Software-Aktivitäten feststellbar.

- Die meisten Software-Häuser sind nur auf dem rein kommerziellen Markt tätig. Erst langsam werden auch angrenzende Gebiete wie OR-Anwendungen, Simulationen, Steuerungen etc. in das Leistungsspektrum mit aufgenommen.

Natürlich erhebt diese Auflistung von Situationsmerkmalen keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie soll nur zeigen, daß trotz bisher starker Expansion des Software-Marktes dieser hart umkämpft ist. Ein Kriterium ist auch die Tatsache, daß eine beschränkte Anzahl von Problemlösungen von sehr vielen Anbietern am Markt vertreten wird, während Spezialprgramme, etwa Pakete für Softwaretools, und systemnahe Software, wie beispielsweise Programmgeneratoren und DB/DC-Systeme, erst langsam auf den Markt kommen.

Aus der Situation heraus, daß sich dem Anwender am Markt unüberschaubar viele und verschiedene Hardware- und Softwarekomponenten bieten und ihn dadurch stark verunsichern, müßten sich die Softwarehäuser der Zukunft auf schlüsselfertige Gesamtprojekte mit festen Terminen, womöglich zu Festpreisen, einrichten. Die Zeiten der Einzel-Programmentwicklung auf gegebener Hardware im Auftrag von Dritten sind eindeutlig vorbei. Gefragt werden künftig integrierte Gesamtlösungen sein, bei denen das Softwarehaus oder der EDV-Berater als Generalunternehmer, Projektleiter und Realisierer auftreten und dem Kunden eine Lösung von der Planung bis zur Produktion liefern.

Um bei den künftigen Aufgaben überhaupt mitkonkurrieren zu können, muß ein Softwarehaus/EDV-Berater mehr als reine Programmierarbeit leisten können. Um bei

den zu erwartenden größeren Turnkey-Projekten mithalten zu können, wird außerdem die Frage der Finanzkraft eines Softwarehauses von entscheidender Bedeutung sein.

Mit einem GmbH-Kapital von 50 000 Mark dürfte diese wohl nicht gegeben. Nur Häsuser, die neben der Abwicklung des "Tagesgeschäfts" noch über genügend Reserven verfügen, um in zukünftige Tätigkeitsbereiche und alternative Lösungsverfahren Zeit und Mittel zu investieren, können sich langfristig behaupten. Als Beispiel kann der noch sehr schwach abgedeckte Markt der technisch-mathematischen Datenverarbeitung herangezogen werden.

Software für "naked minis"

Der Einsatz von Prozeßrechnern und programmierbaren logischen Einheiten im Produktionsbereich gewinnt Immer mehr an Bedeutung. Wer hier zum geeigneten Zeitpunkt investiert und Standard-Moduln zu einzelnen Problembereichen anbieten kann, ist von Mitbewerbern fast nicht mehr einzuholen. Gerade der Bereich der Spezialsoftware, die möglichst auf Anlagen mehrerer Hersteller ablauffähig sein soll, ist zukunftsträchtig, da die meisten Hardwarehersteller kleinerer. leistungsstarker, prozeßfähiger und kostengünstiger Anlagen selbst keine Anwender-Software anbieten.

Eine weitere Möglichkeit, die Leistungsfähigkeit eines Softwarehauses langfristig zu verstärken, ist die Kooperation mit anderen Anbietern.

Auf dem Markt bemerkt man in zunehmendem Maße, wie mehrere SW-Häuser eine fallweise Arbeitsgemeinschaft bilden, um vollständige Angebote abgeben zu können. Leider ziehen aber größere Auftraggeber meist vor, einen einzigen vollverantwortlichen Generalunternehmer als Partner zu haben, was bei kleineren Partnern in einer Arbeitsgemeinschaft die Frage der Rislkoübernahme aufwirft. Kann diese Frage nicht gelöst werden, so scheiden derartige Anbietergruppierungen bei Großanfragen aus.

Dies wird auch einer der Gründe sein, weshalb viele kleinere Softwarehäuser in der Zukunft als einzelne Firmen nicht mehr mithalten werden können. Notwendige Fusionen zwischen kapitalstarken Beratungsunternehmen im klassischen Sinne und Know-how-starken SW-Hausern werden daher die Erfolgskonzeption der 80er Jahre darstellen.

Die notwendigen Fusionsgespräche sollten lieber heute als morgen geführt werden.

Trotzdem muß erwähnt werden daß einige kleinere "hochqualifizierte" Softwarehäuser auch in Zukunft bestehen werden, soweit sie die notwendige Weiterentwicklung ihres Know-hows gewährleisten um der großen, oft unbeweglicheren Konkurrenz voraus zu bleiben.