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30.10.1992 - 

Der Gastkommentar

Softwarelizenzierung:Die Kritik ist nicht berechtigtKarl-Ernst NoehlesGeschäftsführer der Compuware GmbH in Düsseldorf

In der Diskussion um die angeblich zu hohen Softwarelizenz-Gebühren werden in der Regel keineswegs die Großen der DV-Branche, nämlich die Mainframer sondern die "Software-Tuner", die Systemsoftwarehäuser, öffentlich an den Pranger gestellt und zu Prügelknaben gemacht. Da sind Aussagen zu hören wie: "Mainframe-User zahlen viel Geld für nichts!" Dabei wird darauf hingewiesen, bei jedem Hardware-Upgrade müsse unberechtigterweise eine höhere Softwaregebühr entrichtet werden.

Äußerungen wie: "... und das, obwohl das Produkt nicht häufiger genutzt wird als zuvor", lassen erkennen, daß entweder völlige Unkenntnis über die seit Jahrzehnten gängige Praxis der Softwarelizenzierung im Großrechnerbereich herrscht oder aber eine totale Ignoranz gegenüber der dargelegten und nachvollziehbaren Preispolitik vorliegt. Schließlich erfolgt ein Hardware-Upgrade doch in der Regel, weil der Durchsatz steigt und offensichtlich mehr Bedarf an DV-Leistung vorhanden ist. Demzufolge dürfte auch die Software häufiger zum Einsatz kommen.

Wer nun hinterher klagt, hat in der Regel bereits eine knallharte Verhandlung mit dem Software-Anbieter hinter sich, in der diese Problematik schon diskutiert wurde. Dabei ziehen die Kunden alle Register, um Nachlässe zu erhalten. Verträge durchlaufen alle Rechtsinstanzen und kommen erst dann zum Abschluß.

Trotzdem wirft man heute den Software-Anbietern pauschal Unredlichkeit vor. Dabei zeigt schon ein kleines Rechenbeispiel, daß die angesprochenen Softwarekosten in Wirklichkeit nur einen Bruchteil der Gesamtkosten ausmachen. Unter der Annahme, daß ein Softwarewerkzeug, das 140 000 Mark kostet und von 30 Entwicklern im Jahr mit rund 1700 fakturierbaren Stunden eingesetzt wird, gut sechs Millionen Mark erwirtschaftet, fallen die Softwarekosten in Höhe von nur 2,2 Prozent kaum ins Gewicht - auch im Vergleich zu den gesamten Umstellungskosten (Upgrades).

Daß die Softwarehäuser zum Entstehen eines äußerst innovativen DV-Marktes beigetragen haben, wird nicht erkannt und schon gar nicht gewürdigt. Die Anforderungen der Anwender aber steigen immer mehr, und die Anpassungen an die veränderten System- beziehungsweise DV-Landschaften haben möglichst schnell zu erfolgen.

So mußten innerhalb kürzester Zeit die CICS-Releases 2.11, 3.1, 3.2 und 3.3 unterstützt werden. Ähnlich verhielt es sich bei MVS/XA und ESA. Mit sehr hohem Aufwand wurden die Umstellungen von Cobol auf Cobol II, die Anpassungen von PL/1 sowie die Erweiterungen in C und CSP realisiert. Hier entstehen permanent immense Weiterentwicklungskosten, die den ursprünglichen Erstellungskosten kaum nachstehen und diese sogar teilweise übertreffen. Es dürfte hinlänglich bekannt sein, in welchen finanziellen Dimensionen sich Softwareprojekte - insbesondere die Erstellung selbstgestrickter Software-Tools - bewegen.

Würde nun jede Änderung beziehungsweise Anpassung den Anwendern einzeln in Rechnung gestellt, so entstünden ein nicht mehr zu überschauendes Projektgeschäft und eine Vielzahl von Produktvarianten. Unter diesen Bedingungen wäre eine nachvollziehbare Preispolitik kaum möglich. Schlimmer noch: Die Software wäre nicht mehr bezahlbar, und wir hätten den heutigen technologische Status noch längst nicht erreicht.

Um sich die teure Software vom Anwender bezahlen zu lassen und dabei keine marktpolitische Verzerrung zu erzeugen, wurden die Lizenzpreise in Relation zu den Hardwaresystemen beziehungsweise zu den jeweiligen Prozessorklassen gesetzt. Das heißt beispielsweise, ein mittelständisches Service-Rechenzentrum mit einer mittleren CPU-Klasse entrichtet eine geringere Lizenzgebühr als ein großer Rechenzentrum mit einem Super-Host.

Würde für dieses mittelständische RZ die teure Lizenzgebühr erhoben, so müßte das Unternehmen um seine Wettbewerbsfähigkeit bangen, denn unweigerlich würden die Kosten auf die Preise für die RZ-Dienste durchschlagen. Eine Preisstaffel muß existieren, denn sonst wäre die Software für die Großanwender noch teurer, für die Software-Anbieter der Markt erheblich kleiner und in der Distribution komplizierter. Die praktizierte Preispolitik ist also nicht ein Diktat der Software-Anbieter, sie unterliegt dem Findungsprozeß zwischen Angebot und Nachfrage.

Daß auch Softwarehäuser nach Gewinn streben, sollte man ihnen nicht zum Vorwurf machen - und daß es nicht allen gelingt, ist den Medien fast täglich zu entnehmen. Verlautbarungen bezüglich Übernahmen oder Schließungen gerade von Softwarehäusern kennzeichnen die derzeitige Marktsituation.

Der Kauf einer Software erfolgt theoretisch mit dem Erwerb einer von der Größe der CPU unabhängigen Lizenz, einer sogenannten X-Lizenz. Sie stellt den Kunden von kostenpflichtigen Upgrades frei. Damit liegt dem Anwender zwar eine für ihn eindeutige berechenbare Größe vor, sie wird aber nur selten akzeptiert.

Die Entscheidung fällt dann zugunsten einer preiswerteren Lizenz, die der bestehenden CPU-Klasse entspricht. Dabei wird in der Regel eine mögliche Aufrüstung nicht in Betracht gezogen. Im Falle einer Naçhrüstung und der daraufhin fälligen Nachzahlung sieht der Kunde dann nur diese zusätzlichen Kosten und nicht die Tatsache, daß er mit der CPU-Aufrüstung wie mit der Software selbst einen größeren Umsatz und einen höheren

Gewinn erzielt.