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29.07.1983 - 

DEC verläßt sich auf Fremdentwicklungen:

Softwaremangel für den Professional

Die Verspätung, mit der Digital Equipment die Software für 16-Bit-Mikros Professional 325 und 350 ausliefert, erweist sich inzwischen nach Aussagen von Branchenexperten zunehmend als Hinderungsgrund beim Verkauf dieser Systeme. Dennoch, so betonte man bei DEC, seien die Verkaufszahlen für beide Modelle genau im Plan.

Während in der Zwischenzeit Standardsoftware für die meisten Anwendungen auf dem Markt zur Verfügung steht, muß ein großer Teil der DEC-eigenen Software erst noch ausgeliefert werden.

Die ersten Wolken am Himmel zeigten sich vor etwa sechs Monaten, als sowohl von Händlern als auch von den Anwendern selbst Verspätungen bei der Hardwareauslieferung gemeldet wurden. Aber auch auf dem Softwaresektor gab es Anzeichen für Probleme: Visicorps Visicalc, dessen Version für den Professional zunächst nicht "vor März" dieses Jahres fertig sein sollte, ist bisher immer noch nicht da. Die einzige vorhandene Textverarbeitungssoftware war ein Text-Editor.

Echte Textverarbeitung gab es nur bei Verwendung einer 8-Bit-Karte und des Select-Pakets von DEC.

Die Vorhersagen von Digital bis Visicorp ergingen sich in Softwareankündigungen, wobei die Aussagen zwischen "in wenigen Wochen", "bis März" und "innerhalb von 6 Monaten" variierten

Es gibt inzwischen Textverarbeitungssoftware, Lex-11 von EEC Systems beispielsweise - nur Visicalc-Produkte sind für die Professionals immer noch nicht verfügbar. Visicorp kennt auch das mögliche Freigabedatum noch nicht; im Gegenteil, bestätigt wurde nur, daß es zunächst eine Vorabversion geben werde und die nur für den Professional 350. Dazu ein Pressesprecher: "Wir stekken in der Softwareentwicklung, aber im Augenblick stützen wir uns hauptsächlich auf Fremdentwicklungen."

Ein Teil des Problems, Software für den Professional zu entwickeln, scheint sich durch das komplexe Betriebssystem P/OS ergeben zu haben. Dessen erstes Ziel, nämlich den Dateiaustausch zwischen Mikro und Mainframe möglichst leicht zu machen, könnte bei den Verzögerungen eine Rolle gespielt haben. Ein DEC-Sprecher kündigte eine neue Version noch für diesen Sommer an wobei dann etwa ein Dutzend oder mehr Anwendungspakete zur Verfügung stehen würden.

Während man das Betriebssystem heute möglicherweise noch schuldig bleibt, so läßt sich auf der Haben-Seite verbuchen, daß gerade dadurch eine drohende Erosion an DECs Kundenbasis verhindert wird. Und daß es DEC dann die Entwicklung einer der ganz wenigen, wirklich integrierten Produktfamilien ermöglicht.

DECs Kunden mögen sich auf diese Zukunftsaussichten freuen, Neukunden aber könnten auch für immer verloren sein. "Wir sind enttäuscht von DECs Vorgehensweise", sagt ein Marktbeobachter, "aber auch von DECs Softwareproblemen Nachdem IBM den Markt auf Touren gebracht hat, glaube ich, daß der Erfolg von DEC im Einzelhandel gering sein wird".

Auch die besonders enthusiastischen DEC-Händler geben den Verkaufsrückgang des Professional zu, "nachdem Kunden keine Software außer bei einer Vorführung sahen". Einerseits große Werbeaktionen bei denen im Fernsehen alles makellos vorgeführt wurde - andererseits mußten die Händler zugeben, daß sie so gut wie nichts davon vorzeigen konnten. Derweil haben sich nicht nur bei der weitverbreiteten Computerland-Kette die Verkaufsaktivitäten weitgehend auf das Einstiegsmodell Rainbow verlagert.

Jim Bartimo gehört zum Stab der COMPUTERWORLD. Aus der COMPUTERWORLD vom 4.7.83, übersetzt von Kurt Emonts, Bleidenstadt