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01.02.1985

Softwarepflege: Auch Routine kann zum Pokerspiel werden

Der Bereich Softwarepflege gehört heute zur Routinearbeit in der DV-Abteilung. Trotzdem gibt es für die Verantwortlichen immer noch so manche harte Nuß zu knacken. Lothar Brosda von der Flohr Otis GmbH sieht überall dort Schwierigkeiten, wo Programmpakete den besonderen Anforderungen eines Unternehmens angepaßt werden müssen. Daß der Anwender im Falle von herstellerseitigen Softwareänderungen nicht selten vor vollendete Tatsachen gestellt werde, moniert DV-Leiter Alfred Bastian, Boll & Kirch Filterbau GmbH. Kritik übt er außerdem an der oft unzureichenden Dokumentation. Diesen Mangel führt Joachim Koliwer, DV-Leiter bei der Badischen Landesbausparkasse, zumindest teilweise auf die schmale Personalbasis vieler Softwarehäuser zurück. Da dem Anwender selbst normalerweise die Zeit zum Testen fehlte, gelte in der DV-Welt die Faustregel: Je öfter ein Softwareprodukt verkauft wurde, desto sicherer ist es. kul

Lothar Brosda

DV-Arbeitsvorbereitung, Flohr Otis GmbH, Berlin

Für die drei Arten der Software, nämlich Systemsoftware (Hersteller- und Fremdsoftware), Anwender-Fremdsoftware und eigene Anwendersoftware gibt es in unserem Hause sogenannte Wartungsbeauftragte, die neben ihrer Hauptarbeit, der Softwareentwicklung, auch die schriftlich von den Fachabteilungen beantragten Änderungen durchführen, beziehungsweise Fehler in der Software beseitigen. Die Ausbildung der Fachabteilungmitarbeiter ist ebenso notwendig, den gut geschulte Mitarbeiter erleichtern allen Beteiligten die Arbeite .Für den Testbetrieb stehen Datenbanken, VSAM-Dateien und Testbänder regelmäßig zur Verfügung.

Die Wartung der Systemsoftware erfolgt durch die Systemprogrammierer und umfaßt die Installation neuer Systemsoftware der jeweiligen Hersteller (Betriebssystem, TP-Monitor, DB-System) ,die Pflege dieser Komponenten durch das Einspielen von PTF's und die Aktualisierung durch Übernahme neuer Releases. Es hat sich in unserem Unternehmen bewährt, Systemsoftware nicht sofort nach Release-Ankündigung zu übernehmen, sondern erst eine "Schonfrist" abzuwarten, bis Erfahrungen von anderen Installationen vorliegen. Die Installationen und die Wartungen der in unserem Hause eingesetzten Systemsoftware anderer Softwareanbieter stellt keine besonderen Probleme dar.

Anwenderfremdsoftware wird in den Bereichen Buchhaltung, Lohn und Gehalt, Materialwirtschaft und Rechenzentrum/Arbeitsvorbereitung eingesetzt. Der Einsatz von Softwarepaketen wirft erfahrungsgemäß dort Probleme auf, wo die Standardsoftware den besonderen Wünschen der Firmen angepaßt und durch zusätzliche Programmierarbeiten ergänzt werden muß. Da die Hersteller dieser Softwarepakete selten am Ort des eigenen Unternehmens angesiedelt sind, entstehen bei plötzlich auftretenden Fehlern und deren Beseitigung oft erhebliche Zeitverzögerungen. Grundregeln zu diesem Thema sind: Je öfter das Produkt verkauft ist, desto sicherer ist es. Eine zweite nicht zu vergessene Tatsache gibt weitere Sicherheit daß zu Beispiel bei den Lohn- und Gehaltsprojekten gesetzliche Vorschriften den Rahmen der Änderungswünsche aus der Fachabteilung erheblich, wem nicht sogar ganz einschränken. Zwar gibt es auch bei allen anderen Projekten gewisse "Vorschriften", aber hier kann ein größerer Freiraum genutzt werden. Dennoch darf dieser Freiraum nicht allzu groß sein, denn sonst geht es ins Geld und man muß befürchten, daß bei der Auswahl der Fremdsoftware nicht sorgfältig genug vorgegangen wurde.

Es gibt aber auch DV-Gebiete, bei denen die Fremdsoftware erst noch in den Kinderschuhen steckt und bisher vernachlässigt wurde. Dies trifft in jedem Fall für die Arbeitsvorbereitung und das Rechenzentrum zu. Die zur Zeit auf dem Markt angebotene Software ist noch im Stadium der Entwicklung, obwohl das bei uns eingesetzte System HS5000 für uns eine gute Unterstützung für die Planung und die Durchführung von Projekten im RZ ist. Hier hat der Hersteller zusätzlich zu seinem Produkt die Anwender zur Mitarbeit aufgefordert um weitere Ideen umzusetzen Mängel abzubauen und um mehr Sicherheit in den wohl wichtigsten. Teil einer EDV zu bringen.

Wünschenswert aber es scheitert oft am lieben Geld wäre eine Gruppe die bestehende Projekte betreut das heißt verfolgt, ob die vorher gesteckten Erwartungen überhaupt erfüllt werden. Oft wird zwar viel produziert , aber ob alles auch benötigt wird? Zusammenfassend kann festgestellt werden: Softwareänderungen, egal auf welchem Gebiet, können reibungslos abgewickelt werden, doch die Grundvoraussetzungen dürfen nicht vernachlässigt werden oder gar fehlen.

Alfred Bastian

DV-Leiter, Boll & Kirch Filterbau GmbH, Kerpen-Sindorf

Die Softwarepflege gliedert sich bei uns in die drei Bereiche Betriebssoftware für die eingesetzten Hardwaresysteme, Anwendersoftware von Softwarehäusern (Standard) und selbst erstellte Software .

Die Betriebssoftware wird für alle eingesetzten Systeme durch die Hardwarehersteller gewartet. Dazu gibt es entsprechende Verträge, die auch die Übernahme von Weiterentwicklungen abdecken.

Wiederum in zwei Bereiche läßt sich die Anwendersoftware von Systemhäusern gliedern: Einmal steht der Quellcode nicht zur Verfügung und der Hersteller übernimmt die Wartung. In diesem Fall werden Schnittstellen zu dieser Software durch unsere eigenen Mitarbeiter gepflegt. Auch für diese Programme bestehen Wartungsverträge, um

stets an Weiterentwicklungen und Verbesserungen zu partizipieren. Zum anderen haben wir gekaufte Software im Quellcode übernommen und pflegen sie wie selbst erstellte Programme.

Für eigene Programme sind ausschließlich unsere Mitarbeiter verantwortlich. Welche Software wann gepflegt wird ergibt sich aus der Betriebsorganisation und Systemanalyse, die in unserem Unternehmen zu den Aufgaben der DV-Abteilung gehört. Auch aus der Literatur oder auf Lehrgängen vermittelte Kenntnisse spielen eine Rolle. Die Anpassung der Software an erweiterte Möglichkeiten der Betriebssysteme oder Compiler ist erforderlich, um die Hardwarekapazität voll auszuschöpfen. Ein Teil der notwendigen Pflege erfolgt durch Anforderungen aus anderen Abteilungen sowie der Geschäftsleitung oder wird durch Anpassung an geänderte Fremdsoftware erforderlich.

Bei allen Programmänderungen bleibt der ursprüngliche Stand erhalten, bis die neuen Programme sich in der Praxis bewährt haben, wenn nicht längere Aufbewahrungsfristen gesetzlich vorgeschrieben sind. Überarbeiten wir ein älteres Programm, so wird nicht nur das anstehende Problem gelöst, sondern auch eine Anpassung an neue Programmiertechniken vorgenommen.

Eine sorgfältige Beschreibung der durchgeführten Arbeiten und die Überarbeitung der Programmbeschreibung sind unbedingt erforderlich, um bei einer erneuten Pflege schnelle Einsicht in die Funktion zu gewinnen. Sehr hilfreich bei der Softwarepflege ist ein Editor, der Änderungen automatisch mit einem Index versieht. Außerdem wird in den ersten Zeilen der Programme eine Legende als Kommentar eingefügt, in der Zeitpunkt, Grund und Auswirkung der Änderung dokumentiert werden.

Die Probleme bei der Programmpflege bestehen bei fremder Software und den Betriebssystemen in erster Linie darin, daß die Dokumentation meist unzureichend ist und daß nach Einsatz der Programme unerwartete "Nebeneffekte " auftreten. Zudem werden solche Änderungen von den verantwortlichen Häusern nicht früh genug angekündigt, so daß man mit vollendeten Tatsachen konfrontiert wird.

Für die Pflege eigener Programme steht schon etwas mehr Zeit zur Verfügung. Der innerbetriebliche Termindruck für die Einführung neuer Organisationsabläufe oder die Fehlerbeseitigung ist allerdings auch erheblich. Darunter leidet in erster Linie die Dokumentation der durchgeführten Änderung, die dann lückenhaft wird oder nicht ausreicht.

Ein großes Problem bei der Softwarepflege ist es immer wieder die Fachbereiche in neue Dialoge oder Abläufe einzuarbeiten oder sie auch nur an einen anders formatierten Ausdruck zu gewöhnen Ebenso schwierig ist es anderen Mitarbeitern klarzumachen, warum Änderungen in einem Fremdprodukt nicht sofort durchgeführt werden können oder überhaupt nicht möglich sind.

Das größte Hindernis der Softwarepflege ist allerdings die Tatsache, daß nicht genügend Zeit für Programmtests zur Verfügung steht. Diese Prüfungen können bei uns nicht während der normalen Betriebszeit durchgeführt werden, da alle Dateien belegt sind und der verfügbare Plattenspeicher für eine Testversion der Dateien meist nicht ausreicht.

Joachim Koliwer

DV-Leiter, Badische Landesbausparkasse, Karlsruhe

Die Badische Landesbausparkasse gehört gewiß nicht zu den Branchenriesen, hat aber doch DV-mäßig die gleichen Aufgaben wie andere Bausparkassen mit eigener Datenverarbeitung zu bewältigen. Eine wirtschaftliche Abwicklung der Arbeiten und Lösung der Probleme kann nur durch hohe Effizienz der eingesetzten Mittel vollzogen werden. Gerade deshalb wird der individuellen Datenverarbeitung über APL/APL-DI und den Main-line Produkten wie IMS und künftig DB-2 ein hoher Stellenwert zuerkannt.

Zusammen mit einer ausreichenden Ausstattung an Hardware sind die Rahmenbedingungen hierfür durchaus erfüllt. Die Ausrüstung jedes DV-Mitarbeiters (Programmierung und Analyse, DB-Org, AV) mit 132stelligen Bildschirmen ist obligatorisch. Selbstverständlich werden die Sachbearbeiter aller Abteilungen nahezu 1:1 mit Datensichtgeräten ausgestattet, soweit der Arbeitsplatz DV-unterstützt ist.

Diese hohe Abhängigkeit von der zentralen DV hat zur Folge, daß die Verfügbarkeit von Hard- und Software hoch sein muß. Auf der Hardwareseite trägt zur Leistungsfähigkeit des Rechenzentrums ein Mehrrechnerverbund unter MVS-JES3 bei, in dem eine IBM 3083-16 der Produktion und eine 4341-N02 der Entwicklung und IDV dient.

Zur Stabilität der Hauptanwendung ist ein eigenes Test-IMS installiert. Somit werden alle implementierten Softwareprodukte zunächst auf Testsystemen einer Belastbarkeitsprüfung unterzogen.

Bedingt durch eine zahlenmäßig kleine Systemprogrammierung wird Fremdsoftware unter dem Aspekt ausgewählt, daß sie nicht oder nur geringfügig auf die Belange des Hauses zu modifizieren ist.

Ein Grundsatz bei Einsatz von Betriebssystemen oder BS- naher Software ist:

Keine Eingriffe in den Source-Code, möglichst wenig Nutzung der Besonderheiten, keine Abweichung von Standards. Hierdurch gelang beispielsweise die Umstellung von VS1 auf MVS in relativ kurzer Zeit ohne wesentliche Probleme. Ein Wechsel auf andere Betriebssysteme wird folglich nicht durch hauseigene Eigenheiten blockiert, die zunächst Vorteile bringen, aber langfristig den Systemen eine Starrheit verleihen.

Unsere Erfahrungen bei der Installation von Software waren mit wenigen Ausnahmen gut. Problematisch ist jedoch bei Softwarefirmen häufig die schmale Personalbasis in Verbindung mit nicht ausreichen der Dokumentation oder Information.

Während bei IBM über mannigfaltige Kanäle Informationen erhalten werden, und gegebenenfalls der zuständige SE an Wochenenden bemüht wird, ist die Kommunikationsmöglichkeit mit den Softwarehäusern meistens schwierig. Besonders fatal war ein Fall, bei dem trotz ordnungsgemäß abgeschlossenem Lizenzvertrag am 31. 12. eines Jahres ein Produkt Systemabstürze; verursachte, weil eine Nutzungsfrist einprogrammiert war. Erst nach zwei Tagen war das Problem beseitigt.

Insgesamt kann festgestellt werden, daß die Wartung systemnaher Software zur täglichen Routine gehört, Fehler nur noch selten wahrend der Produktion auftreten und durch die Systemprogrammierung eine kontinuierliche Pflege geleistet wird.