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Programmierhilfen unterstützen Fachabteilung und DV:

Softwaretools entkrampfen Mitarbeiter

18.03.1983

Lange Programmentwicklungszeiten gelten auch heute noch als eines der großen Handicaps In der Computerei. Der Einsatz von Entwicklungswerkzeugen kann viel dazu beitragen, Frustrationen Innerhalb der DV-Abteilung abzubauen und zu einem entkrampften Verhältnis zwischen Fachabteilung und DV beitragen. Peter R. Wurr berichtet in seinem Beitrag über Erfahrungen, die ein Arzneimittelhersteller mit dem Entwicklungstool UFO (User Files Online) machte.

Das System arbeitet unter CICS/VS, erfordert keinerlei Änderungen des CICS selbst oder der Benutzerdateien und verhält sich wie eine normale Transaktion des CICS. Die deutsche UFO-Vertriebsfirma WSA aus Korschenbroich bei Neuss spricht davon, daß das Produkt vorprogrammierte Funktionen liefert, um Online-Applikationen schnell und effizient auszufahren. Der Programmierer könne sich darauf konzentrieren, was in der Anwendung gemacht oder nicht gemacht werden und wann es ausgeführt werden soll. Er definiert lediglich Aufbau und Anzeigeformate der Bildschirminhalte in Form einer einfachen "Fill-in-the-blanks"-Technik. Die Programmspezifikationen werden in das Data Dictionary von UFO aufgenommen. Dort können sie modifiziert und aktualisiert werden, ohne daß dadurch die ursprünglichen Verarbeitungsschritte beeinflußt werden. Ausführung, Test und Prüfung der Programme werden sofort online vorgenommen.

Die Werbeaussagen der Anbieterfirma klingen verlockend: "Die Abhängigkeit von CICS-Spezialisten wird ganz erheblich reduziert, gleichzeitig steigt die Zuverlässigkeit der CICS-Applikationen." Und:, Durch die Steigerung der Produktivität in der Programmierung werden in wesentlichem Umfang Zeit und Geld gespart.

Möglichkeiten unter Beweis

Wer sich in der Anwendungsentwicklung auskennt, wird bei solchen Aussagen eher skeptisch und versucht, mehr Informationen bei einem Benutzer zu bekommen. UFO ist seit rund, 15 Monaten beim Pharmahersteller Beecham-Wülfing GmbH & Co. KG in Neuss im praktischen Einsatz. Dort ist ein IBM-System 4341, Modell 1, unter VSE mit 28 Bildschirmen und 2 Druckern im Lokalanschluß installiert. Das IBM-System /34 im Werk Gronau/Leine ist über einen Remote-Anschluß mit der Hauptverwaltung in Neuss verbunden.

Beecham-Wülfing zählt zu den bedeutenden Arzneimittelherstellern in Deutschland und gehört seit 1975 zum britischen Beecham-Konzern. Das Unternehmen produziert eine breite Palette von Medikamenten, von Antibiotika über Präparate zur Behandlung von Bronchitis bis hin zu Tierarzneimitteln. Daneben unterhält das Unter nehmen einen minutiös funktionierenden Bencard-Allergie-Dienst, der auf die EDV-mäßige Auswertung ärztlicher Untersuchungen gestützt ist. Mit rund 600 Beschäftigten erreichte Beecham-Wülfing im Geschäftsjahr 1981/82 einen Umsatz von 118 Millionen Mark.

Organisationsänderung zwang zu Online-Lösungen

"Auf das Produkt aufmerksam gemacht wurden wir durch unsere belgischen Kollegen", berichtet DV-Chef Wolfgang Hetzel, verantwortlich für Organisation und EDV-Betrieb bei Beecham-Wülfing. "Ende 1981 standen wir vor der Aufgabe, trotz der Abschaffung unserer dezentralen Auslieferungslager dieselben Lieferzeiten für unsere Arzneimittel zu gewährleisten wie vorher, nämlich spätestens einen Tag nach der Bestellung. Unsere EDV-Anwendungen waren zu diesem Zeitpunkt noch relativ stark Batch-orientiert. Als wichtigste Neuerung sollte die Online-Fakturierung mit einer großen Zahl neuer Programme eingeführt werden."

Aufgrund der Komplexität der Aufgabe und des großen Termindrucks für die Realisierung der Anwendungen begann Hetzel, nach Möglichkeiten zu suchen, die ihm bei der Vereinfachung der herkömmlichen CICS-Programmierung helfen sollten.

Die Anforderungen waren relativ schnell definiert. Das einzusetzende Tool sollte den Programmierer vor allem von den Überlegungen zur Steuerung der Masken und des Dateilesens entlasten. Es sollte auch die interne Steuerung der Anwenderprogramme erleichtern. Die Online-Programmierung sei früher bei den Programmierern nicht besonders beliebt gewesen, weiß Wolfgang Hetzel zu berichten. Das habe nicht nur an der im Vergleich zur Batch-Verarbeitung vollkommen anderen Ablauflogik, sondern vor allem am Zeitaufwand für die CICS-spezifischen Anforderungen gelegen. Einschließlich Codierung, Umwandlung, Eintrag in die Tabellen, Änderungen und erneuter Umwandlung habe man bei Beecham-Wülfing allein für eine durchschnittliche Maske mit einem Aufwand von zwei bis drei Tagen rechnen müssen.

Ende 1981 zählten Tools zur Anwendungsentwicklung im Online-Betrieb zu den neuen Produkten am Softwaremarkt. Trotz der zwingenden Notwendigkeit, in diesem Bereich neue Wege zu beschreiten, wollte man sich bei Beecham-Wülfing nicht nur auf die Herstelleraussagen verlassen. Die meisten angebotenen Produkte konnten damals nicht in einer realen Benutzersituation demonstriert werden. Das war alles mehr oder weniger Theorie", erinnert sich Hetzel. "Wir wollten das jedenfalls 'life' sehen und mit Anwendern sprechen, die bereits mit derartigen Tools arbeiteten." So unterhielt man sich mit einem UFO-Anwender und war von seinen Erfahrungen so angetan, daß der Entschluß zu einer Testinstallation gefaßt wurde.

Anfangs habe es wohl einige Probleme bei den damals für den UFO-Vertrieb in Deutschland Verantwortlichen gegeben, meint Hetzel. Beim Test sei man ziemlich allein gelassen worden. Einige Anwendungen seien zwar realisiert worden. Man habe in Umrissen die Leistungsfähigkeit und den Nutzen des Pakets erkennen können, doch sei vieles in der Testphase eben nur "Spielerei" gewesen. Bei intensiver Schulung hätten die Versuche sicherlich mehr Erkenntnisse gebracht. Kernproblem für den Benutzer war es damals zu erkennen, welche Exits er wann benutzen sollte, um die ihm gestellte Aufgabe zu lösen.

Anwendungskomplex Fakturierung

Nachdem sich im Test gezeigt hatte, daß die anfänglichen Gewöhnungsprobleme relativ leicht in den Griff zu bekommen waren und das Beecham-Wülfing-Team von den Funktionen des Programmpakets überzeugt war, stand seinem praktischen Einsatz nichts mehr im Wege. Als erstes großes Projekt war die Online-Fakturierung zu realisieren. Zielvorstellung war, die Aufträge in Neuss einzugeben, auf formale und, sachliche Richtigkeit zu prüfen und mit den Konditionen und Beständen abzustimmen. Waren sie einmal als richtig erkannt, sollten dann die Rechnungen und Lieferscheine auf dem Terminaldrucker in Gronau ausgedruckt werden.

Bei der Definition dieser Anforderungen wurde bald klar, daß der gesamte Anwendungskomplex die Neuentwicklung von 50 bis 60 Einzelprogrammen bedeutete.

Die frühere Scheu der Programmierer vor Online-Anwendungen war bald verflogen. Wolfgang Hetzel: Wenn es von der Aufgabenstellung her vernünftig ist, machen wir alles online, und das in immer kürzerer Zeit. Das Angenehme ist, daß wir nicht mehr ausschließlich auf die Mitarbeiter angewiesen sind, die Kenntnisse in der CICS-Programmierung haben. Heute kann sich jeder Programmierer an den Bildschirm setzen und Online-Programme erstellen."

Der Startschuß für die Entwicklung der Online-Fakturierung fiel im Oktober 1981, am 1. April 1982 waren alle 60 Programme im praktischen Einsatz. 110 Manntage sei der Entwicklungsaufwand gewesen, freut sich Hetzel. Bei herkömmlicher CICS-Programmierung hätte er mit mindestens ein bis eineinhalb Mannjahren rechnen müssen. Ohne Tool hätte man sich auf die absolut, notwendigen Programme beschränken müssen, um die Termine einhalten zu können, und wahrscheinlich wesentlich weniger Komfort, für die Endbenutzer einbauen können.

Projektverantwortlichkeit

In den letzten 15 Monaten wurden mit UFO 150 Online-Anwendungen realisiert. Durch den Einsatz des Pakets konnte auch die strenge Trennung in Organisations- und Programmieraufgaben weiter aufgehoben werden. Heute arbeitet man bei Beecham-Wülfing eher nach dem Prinzip der Projektverantwortlichkeit. Jeder EDV-Mitarbeiter betreut innerhalb einer Arbeitsgemeinschaft zusammen mit Mitarbeitern der jeweiligen Fachabteilung einen bestimmten Anwendungsbereich des Hauses. "Wir wollen den Programmierer nicht zum reinen Codierer abstempeln", kommentiert Wolfgang Hetzel seine Erfahrungen mit dieser Form der Projektarbeit", er soll seine eigenen Ideen weitgehend verwirklichen können und vor allem in die Aufgabe hineinwachsen, ein Projekt selbständig abschließen zu Können".

Was die Anwender in den Abteilungen dazu sagen? Die ersten Reaktionen waren: "So schnell habt Ihr von der EDV ja noch nie gearbeitet." Doch erkannten die Anwender sehr schnell, daß jetzt ein Werkzeug vorhanden ist, das die rasche Realisierung auch größerer Anwendungen ermöglicht. Demgemäß kommen jetzt in verstärktem Maße Anwenderwünsche auf die EDV zu. Den erhöhten Bedienungskomfort in ihren Programmen nehmen die Benutzer mittlerweile als selbstverständlich hin. Anfangs sei es nur darum gegangen, aus dem Anwendungsstau herauszukommen, meint Hetzel. Doch sei bald klar geworden, daß man den Benutzern in vieler Weise helfen könne, ihre tägliche Arbeit mittels der DV leichter zu tun. Und weil die Datenverarbeitung schließlich kein Selbstzweck sein dürfe, tue er den Anwendern gerne einen Gefallen. Bei Beecham-Wülfing sei, dadurch das früher nur erträumte entspannte und dadurch viel produktivere Verhältnis zwischen den Fachabteilungen und der DV-Abteilung Realität geworden.