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16.10.1998 - 

Diebold Softwaretag '98

Softwerker zwischen Alltag und Globalisierung

"Wir haben ja nun erfahren, daß Veränderungen nicht immer positiv sein müssen", führte Diebold-Direktor Manfred Lang in das jährliche Software Forum seines Unternehmens ein. Die bange Frage, die ihn bewegte, war, ob auch die IT-Branche hierzulande von den Krisen der Finanzwirtschaft erfaßt wird. Sein Institut hat sich allerdings entschieden, bei den generell positiven Prognosen für die Software-Industrie zu bleiben. Das Umsatzwachstum von 1998 auf 1999 soll rund neun Prozent betragen.

Für Diebold ist die instabile Weltwirtschaft nur einer von mehreren Einflußfaktoren neben der globalen Vernetzung, der Entstehung neuer europäischer Märkte, technischer Innovationen, Neuordnung der Partnerbeziehungen und der Entstehung der schon länger angekündigten Infogesellschaft. Daraus schließt der Diebold-Chef, daß es bald keine abgrenzbaren Märkte mehr geben wird, der Aufbau von sogenannten Web-Communities für neue Wertschöpfungsketten wird dafür sorgen müssen, daß die Unternehmen nur noch mit ausgefeiltem Wissens-Management die für sie lukrativen Kunden aus der Weltbevölkerung herauspicken können.

Ob unter diesen Bedingungen die wirtschaftliche Situation der Industrie zum Guten oder Schlechten ausschlägt, will Lang nicht entscheiden. Seine wenig hilfreiche Prognose: "Es wird schwierig sein, eine feste Planungsgrundlage zu finden."

Trotzdem gab Diebold auf seinem Softwaretag relativ klare Orientierungshilfen für Anbieter und Anwender. Die Berater riefen dazu auf, sich den Anforderungen moderner Techniken zu stellen. Im Zentrum stand dabei die Ausweitung der Geschäftstätigkeit mit Hilfe von E-Commerce und Kunden-Management. Technisch sei die Etablierung von Komponententechniken, Java und generell Middleware angesagt.

Die anwesenden Anwendervertreter verstanden die Botschaft wohl, wiesen allerdings darauf hin, daß in ihren DV-Abteilungen noch viele klassische Aufgaben wie die Wartung von Altsystemen oder Jahr-2000-Projekte anstünden. Außerdem greift in den hiesigen Unternehmen inzwischen das Client-Server-Konzept und führt mangels Standards zu einem hohen Integrationsaufwand (siehe Kasten "Anwenderprobleme").

Besondere Integrationsanforderungen dürfte die sogenannte dritte Generation von vertriebsunterstützender Software stellen. Unter den Stichworten Customer Interaction Software (CIS) und Technology Enabled Selling (TES) sollen die Anwenderunternehmen künftig über ihre Firmengrenzen hinaus mit Geschäftspartnern und Kunden zusammenarbeiten. Diese neue Softwaregeneration unterstützt Vertrieb und Marketing, Kundenservice, Call-Center, Telesales und Electronic Commerce. Dabei sollen alle im Kundenkontakt stehenden Unternehmensbereiche einbezogen werden. Die Integration solcher Lösungen in die betriebswirtschaftlichen Pakete sowie in Data-Warehouse-Datenbanken ist dann nur noch ein konsequenter Schritt. Zusammengefaßt sieht Diebold einen Trend zu gewaltigen Front-Office-Paketen, bei denen ein R/3 nur noch eine Komponente darstellt.

Den Weg in den globalen Markt wiesen, wie kaum anders zu erwarten, vor allem die Internet-spezifischen Vorträge. Dabei betonten die Referenten, daß es mit einer Web-Seite nicht getan sei. Es müsse vielmehr darum gehen, Anwendungen ins Netz zu bringen.

Sinnvoll nutzbar etwa für E-Commerce seien, so Werner Karbach, Multimedia-Projektleiter für die Deutsche Telekom AG, solche Applikationen jedoch nur, wenn Unternehmenslogistik, Warenwirtschaft, Zahlungssysteme und im Falle der Telekom auch ein Call-Center eingebunden seien. Karbach lobt die Produktivität von Java insbesondere am Client und beklagt zugleich die Lagerbildung im Middleware-Bereich. Es sei ein zentrales Problem, die nach der Common Object Request Broker Architecture (Corba) gebauten Produkte mit den Microsoft-Techniken interagieren zu lassen.

Was die Middleware betraf, so sorgten die klaren Stellungnahmen von Diebold-Analyst Dieter Wendel für kontroverse Diskussionen in den Kaffeepausen. Wendel sprach nicht nur darüber, wie unternehmensübergreifende Geschäftsprozesse mit Middleware und Komponententechnik in den Griff zu bekommen sind, sondern legte zugleich auch ein Bekenntnis zu den Konzepten der Marktgrößen Microsoft und SAP an.

Laut Wendel weicht der jahrelange Trend zu Dezentralisierung und der Schaffung möglichst schlanker Objekte einem seiner Meinung nach pragmatischeren Ansatz mit größeren Komponenten und zentralistischeren Methoden. Ein Zeichen dafür sei die momentane Renaissance der aus der monolithischen Mainframe-Zeit bekannten Transaktionssysteme.

Obwohl gerade diese Systeme derzeit von Bea Systems und der IBM auf Corba-Basis modernisiert werden, hält Wendel dieses Middleware-Konzept für nahezu chancenlos. Die Konzepte von SAP und Microsoft lägen im Trend, und im Gespann seien die Unternehmen mächtig genug, ihre Vorstellungen weltweit durchzusetzen. Microsoft werde die Rolle des Technologielieferanten zukommen, auf deren Basis die SAP ihre Business Objects verkauft.

Durchaus interessant sei zwar auch IBMs Framework-Konzept "San Francisco", mit dem Softwarehäuser in die Lage versetzt werden, ein Basispaket um spezifische Anwendungskomponenten auf Java-Basis zu erweitern. Erfolg prophezeit er dem Produkt jedoch nur in der Marktnische der AS/400-User. Für die dort verwendeten Java-Komponenten sieht Diebold aufgrund ihrer Schlankheit eher eine Zukunft beim Einbau von Anwendungen in Kleingeräten wie Handys.

Anwenderprobleme

Auf der Diebold-Veranstaltung brachte Peter Sindermann, Leiter IM-RZ Rechnerbetrieb der Bayer AG, Leverkusen, die Probleme vieler DV-Abteilungen auf den Punkt:

"Die Schwierigkeiten liegen weniger bei den einzelnen Produkten als beim Gesamtsystem. Die eigentliche Herausforderung ist das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten.

Dabei ist unsere Mannschaft voll ausgelastet. Neben dem Jahr-2000-Problem und der Euro-Umstellung kämpfen wir noch mit einer R/3-Einführung. Hinzu kommt die Pflege von Altsystemen. Wir machen auch einiges mit Intranets. Zum Glück stellt sich aber die Frage nach dem Aufbau von E-Commerce bei uns nur bedingt. Trotzdem fühlen wir uns als Getriebene.

Wirklich sauer macht es uns aber, wenn völlig unnötige Aufgaben auf uns zukommen - meist aus dem PC-Bereich. Der Anwender, der als erstes in einem Unternehmen ein neues Office-Paket installiert, richtet einen gewaltigen Schaden an. Sobald er eine Datei verschickt, tritt er eine Welle von Arbeit los. Jedes neue Dateiformat erzwingt die Umstellung im ganzen Unternehmen, überall tauchen plötzlich Fehler, Inkompatibilität und Anwenderprobleme auf. Dabei sind die meisten neuen Features überflüssig."

Im Rahmen einer Podiumsdiskussion wurden Herstellervertreter von Sun, Microsoft und IBM gefragt, wie sie den Anwendern bei solchen Problemen helfen können. Zu den Vorschlägen der Anwender gehörten

- Hilfen bei konkreten Problemen,

- herstellerübergreifende Standards, um nach und nach eine Art Plug and Play für heterogene DV-Umgebungen zu erreichen sowie

- eine umfassende Herstellerhaftung.

Insbesondere in der Haftungsfrage winkten die Herstellervertreter ab. Sie könnten schließlich nur für die eigenen Komponenten geradestehen. Ansonsten wurde auf die Dienstleister verwiesen. Nur die IBM zeigte sich bereit auch in Projekten mit anderen die Gesamtverantwortung zu übernehmen - zu einem angemessenen Preis. Auch Diebold-Direktor Lang gingen die Anwenderwünsche zu weit. Er verwies darauf, daß die DV-Abteilungen im Endeffekt selbst für die Komplexität ihrer DV verantwortlich seien.