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23.04.2004 - 

Sun gibt Einblick in seine kommende Unix-Variante

Solaris 10 wird weitreichende Neuerungen bringen

MÜNCHEN (CW) - Sun hat den Schleier, der Solaris 10 umgibt, ein wenig gelüftet. Das neue Betriebssystem enthält deutliche Unterschiede zur Version 9 - und zu den Konkurrenten im Unix-Segment.

In einem Punkt bricht Sun bei Solaris 10 mit der eigenen bisherigen Konzeption, ohne nun den Ansätzen von IBM oder Hewlett-Packard zu folgen: Die Partitionierung erfolgt auf eine ganz neue Art. Bisher lassen sich mit Solaris Rechner auf Hardwareebene in voneinander physikalisch getrennte Server aufteilen, auf denen unterschiedliche Betriebssysteme laufen. Dies ist sehr sicher, weil der Absturz einer Partition die anderen nicht mit sich reißen kann. Aber es ermöglicht nicht die Einrichtung so vieler virtueller Server auf einer Maschine, wie es IBM und HP mit der Logischen Partitionierung (LPAR) vermögen.

Die LPAR-Technik richtet in jeder Partition ein eigenes Betriebssystem-Image ein. Und genau davon hält man bei Sun nichts. Denn dadurch werde das Aufspielen von Patches oder Updates nur noch zeitaufwändiger als ohnehin schon, argumentiert John Fowler, der oberste Softwarearchitekt von Sun. "Man sollte die Zahl der Betriebssystem-Images so klein wie möglich halten. Am besten ist ein Hardware-Layer sowie ein Betriebssystem. Und den Anwendungen erscheint es, als liefen sie exklusiv auf einer Umgebung."

Jeder Anwendung ein Container

Dieses Konzept trug bisher Sun-intern den Codenamen "Kevlar"; die Rede ist auch von "Solaris Zones". In der zehnten Hauptversion des Unix-Derivats findet es sich wieder unter dem Titel "N1 Grid Containers". Dies ist ein Virtualisierungsansatz, der es möglich macht, über 4000 Softwarepartitionen einzurichten, die mit einem einzigen Solaris-Image arbeiten. Gleichwohl sind die Anwendungen in ihren "Containern" voneinander isoliert, und jede Partition lässt sich mit "Instant Restart" innerhalb von Sekunden neu hochfahren.

Ob die Abschottung der Container bei einem gemeinsam genutzten Betriebssystem wirklich so gut funktioniert, muss Solaris in der Praxis allerdings erst beweisen.

Gleichfalls die Systemverfügbarkeit erhöhen soll in Solaris 10 "Predictive Self Healing": Das Betriebssystem überwacht permanent den Zustand von Hard- und Software. Es nimmt selbständig Prozessoren und Speicher außer Dienst, sobald sie auszufallen drohen. Abgestürzte Anwendungen und Services werden automatisch wieder gestartet. Fehlermeldungen samt Ursachenbeschreibungen werden in einem zentralen Repository abgelegt.

"Dynamic Tracing" ist ein weiteres neues Tool in Solaris, das Probleme in Echtzeit analysiert, zum Beispiel Gründe für eine ungenügende Performance. Dadurch lassen sich laut Sun Anwendungen um das Drei- bis 30-fache beschleunigen. Eine separate Analyse von Problemen auf Testsystemen soll sich erübrigen. Das Tool soll einfach zu verwenden sein und wenig Systemressourcen beanspruchen.

Das File-System "ZFS" nutzt 128-Bit-Adressierung und kommt damit großen Dateien entgegen. Es ist ausgelegt auf Datensets im Exabyte-Bereich, also im Volumen von einer Milliarde GB, die Sun in zehn bis 15 Jahren erwartet. Doch die Zuweisung der Ressourcen ist geregelt. Über das "Process Rights Management" können Anwender festlegen, welchen Applikationen wann welche Prozessoren und Speichervolumina zur Verfügung stehen. Dies ist insbesondere ein Mittel, um die Anwendungen von einer verschwenderischen Nutzung von Ressourcen abzuhalten, beispielsweise im Batch-Betrieb bei Nacht.

Sicherheitstechnik verbessert

Neu programmiert hat Sun den TCP/IP-Software-Stack. Solaris 10 kann jetzt den vollen Durchsatz der neuesten 10-Gigabit-Ethernet-Karten ausnutzen. Aus der Variante "Trusted Solaris" hat das neue Unix-Derivat Sicherheitstechniken zu Authentifizierung und zur Zugangskontrolle der User mitbekommen. Ihre Rechte sind regelbezogen. Die Datenflüsse im System werden verschlüsselt.

Sun hat eine Betaversion von Solaris 10 im Rahmen des Programms "Solaris Express" an rund 10000 Kunden herausgegeben. Ein weiteres Beta-Release soll in Kürze folgen. Der Anbieter will Solaris 10 frühestens im September oder Oktober 2004 zeitgleich für die hauseigenen Sparc-Systeme, für 64-Bit-Prozessoren von AMD und für die 32-Bit-Intel-Plattform x86 freigeben. (ls)