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13.09.1991 - 

Workstation-Highflyer plant Einstieg

Solaris-Betriebssystem von Sun konkurriert gegen ACE und AIX

MÜNCHEN (jm) - Der Senkrechtstarter unter den Workstation-Herstellern, die Sun Microsystems Computer Corp., will mit dem "Solaris" Betriebssystem für Intel- und Sparc-Rechner die Konkurrenz der ACE- und Apple/IBM-Kooperationen von hinten aufrollen. Doch sowohl Sun als auch das ACE-Konsortium können eine einheitliche Betriebssystem-Plattfom für RISC- und CISC-Rechner erst für nächstes Jahr versprechen, das Angebot der IBM-Apple-Connection läßt sogar noch mindestens zwei Jahren auf sich warten.

Solaris 2.0 ist das erste Produkt aus der Entwicklerschmiede der Sun-Tochter Sunsoft, die Anfang des Jahres ebenso wie Sun Technology Enterprises und Sun Laboratories als Spinoff des RISC-Marktführers gegründet wurde. Erste Unternehmen haben sich bereits auf die Seite von Sun geschlagen: So werden neben Direktvertreiber Compuadd auch Solbourne, Tatung und vor allem Toshiba Sparc-Systeme unter Solaris 2.0 anbieten.

ClSC-Rechner mit Suns Konkurrenzprodukt zur ACE- und IBM/Apple-Initiative kommen unter anderem ebenfalls von Compuadd und Toshiba sowie Dell, AST Research und dem Hersteller von Multiprozessor-Servern, Netframe. Netzwerkmarktführer Novell schloß ein Abkommen mit Sunsoft, demzufolge sich für Solaris die Distributionskanäle von Novell öffnen. Außerdem sollen Netzwerk-Features von Novell in Solaris integriert werden.

Vom Laptop bis zum Multiprozessorsystem

Solaris kann auf der gesamten Rechnerplattform der CISC-Systeme vom Laptop bis zum Multiprozessor-System und auf allen Sparc-RISC-Rechnern eingesetzt werden. Sunsofts Direktor Alan Snell machte darüber hinaus dunkle Andeutungen, man würde sich glücklich schätzen, auch für andere in großen Volumina verkauften Plattformen wie den Mips-Prozessor oder IBMs Power-RISC-CPU Solaris-Versionen zu entwickeln. Sun-Deutschland-Geschäftsführer Helmut Krings bezeichnete solche Aussagen jedoch als reine Gerüchte.

Das zu Unix System V, Release 4, konforme und auf CD-ROMs vertriebene Solaris wird in zwei Versionen angeboten: Version 1.0 basiert auf Sun-OS 4.1.1 und beinhaltet sowohl die Entwickler-Software Open Windows, Version 2, als auch die Tool-Sammlung Deskset, Version 2. Solaris 1.0 ist ab sofort erhältlich.

Solaris 2.0 ist nach Sun-Angaben voll kompatibel zu 1.0. Erst diese Betriebssystem-Version wird allerdings beide Prozessor-Plattformen unter der Oberfläche Open Look unterstützen - wobei die Portierung von Solaris 2.0 auf CISC-Rechner eine Gemeinschaftsarbeit von Intel mit Sunsoft ist - und erweiterte Versionen sowohl von Open Windows als auch von Deskset bieten.

Zudem stellt Solaris 2.0 den ersten Schritt von Sunsoft zur Verwirklichung des Projektes "Distributed Objects Everywhere" dar, das auch die Zusammenarbeit mit Hewlett-Packard betrifft: Die von beiden gemeinsam zu entwickelnde objektorientierte Technologie Distributed Object Management Facility (DOMF) wird Teil des Solaris-Releases 2.1 sein.

Die laut Sun-Mitteilung in der ersten Hälfte 1992 verfügbare Version 2.0 von Solaris dürfte vor allem für Software-Entwickler und weniger für Anwender von Interesse sein: Das auf der neuesten Sun-OS-Version 5.0 basierende Betriebssystem soll laut Sun-Marketing-Mann Reinhard Hermann in den CISC-und RISC-Varianten objektkompatibel sein. Softwarehäuser brauchen den einmal entwickelten Kode von Textverarbeitungs-, Tabellenkalkulations- oder anderen gängigen Applikationen nur zu rekompilieren und können dann sowohl Anwendungen für Sparc- als auch für Intel-Rechner anbieten.

Probleme in der Sparc-Gemeinde

Der Anwender hingegen muß - sollte er in seinem Rechnerverbund neben Intel-PCs auch Sparc-Systeme benutzen - sowohl eine CD-ROM-Scheibe mit der Betriebssystem-Version für seine Sparc-RISC- als auch für seine ClSC-Rechner erstehen. Des weiteren ist er gezwungen, jeweilige Applikationen zweifach zu kaufen. Da die APIs (Application Programming Interfaces) beider Systeme absolut identisch seien, könne jedoch im Netz Datenaustausch gepflegt werden.

Für andere nicht Solaris-konforme Applikationen muß der Anwender zudem auf Suns PC-Emulator zurückgreifen, der zumindest bei einem amerikanischen Anwender nicht gerade Begeisterungsstürme hervorief.

Allein innerhalb der Sparc-Gemeinde soll es Probleme mit Solaris geben: Es existiert keine einheitliche Solaris-Version für die diversen Anbieter von Sparc-Rechnern. Vielmehr muß Sunsoft unterschiedliche Implementationen der Betriebssystem-Software entwickeln.

Im Gegensatz zu Microsoft und auch der IBM wäre Sun mit Solaris 2.0 in der Lage, ein 32-Bit-Betriebssystem anzubieten, das darüber hinaus symmetrisches Multiprocessing (SMP) und Multithreading bedient, Eigenschaften, mit denen Big Blue in OS/2, Version 2.0, und Gates mit Windows NT erst noch nachziehen müssen.

Ironie der Geschichte: Bis jetzt ist der RISC-Workstation-Marktführer, der seit der Aufteilung in vier Geschäftsbereiche unter Sun Microsystems Computer Corp. firmiert, überhaupt nicht in der Lage, eine Multiprozessor-Maschine zu entwikkeln. Entsprechende Produkte hängen immer noch in der Warteschleife und sind nicht in Sicht.