Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

29.03.2007

"Solaris ist das beste Linux"

Marcel Schneider, Geschäftsführer der Sun Deutschland GmbH, erläutert im Gespräch mit CW-Redakteur Martin Bayer, warum Software für den Server-Spezialisten immer wichtiger wird.

CW: Im vergangenen Jahr hat Jonathan Schwartz das Ruder bei Sun übernommen. Was hat sich seitdem verändert?

Das komplette Interview ...

... mit dem Deutschland-Geschäftsführer von Sun Microsystems, Marcel Schneider, lesen Sie auf computerwoche online unter www.computerwoche.de/589341.

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de/

590637: Sun will wieder anderen Chips verkaufen;

590032: Gartner: Wer kauft die meisten Server;

589042: Suns Java Enterprise System 5.0 tritt gegen IBM Websphere an.

Hier lesen Sie ...

• wie Sun profitabler werden will;

• wie Open Source und Softwaregeschäft zusammenpassen;

• wie sich Solaris gegen Linux behaupten soll.

SCHNEIDER: Während Scott McNealy immer auf einen positiven Cashflow gepocht hat, richtet Jonathan Schwartz sein Hauptaugenmerk auf die Profitabilität. Das ist das, was in den Medien steht und wonach das Unternehmen bewertet wird. Dementsprechend hat der neue CEO auch Initiativen gestartet, um das Unternehmen profitabler zu machen. Wir streben für das vierte Quartal eine Umsatzrendite von vier Prozent an. Langfristig liegt das Ziel bei zehn Prozent.

CW: Was hat Sun dafür konkret in Angriff genommen?

SCHNEIDER: Wir haben die Organisation effizienter gemacht und die Entwicklung sowie die Vertriebs- und Servicebereiche weltweit gleich ausgerichtet. Früher hatten die einzelnen Organisationen viel mehr Freiräume, nach dem Motto: Lass es uns doch einmal so versuchen.

CW: Heißt das, Sun dreht weiter an der Kostenschraube?

SCHNEIDER: Nur an den Kosten zu drehen ist nicht der Ansatz von Jonathan Schwartz. Er hat jedoch ganz klar gesagt, dass die Kosten wettbewerbsfähig sein müssen. Wir investieren aber weiter in den Produktbereich, also in Forschung und Entwicklung. Da im Hardwaregeschäft schon seit geraumer Zeit ein rapider Preisverfall zu spüren ist, wird es innerhalb des Produktmixes wichtiger, auch mit Software erfolgreich zu sein. Das trägt dazu bei, dass die Margen zumindest gehalten werden können. Mittlerweile fließen 70 Prozent unseres Entwicklungsetats in Software.

CW: Suns wichtigste Softwareprodukte Java und Solaris sind frei verfügbar. Wo verdient Sun mit Software Geld?

SCHNEIDER: Sun will sein gesamtes Softwareportfolio zu Open Source machen. Früher war Sun für seine proprietären Lösungen bekannt. Wer Solaris einsetzte, musste das auf Sun-Maschinen tun. Das hat sich mit unserer Open-Source-Strategie völlig geändert. Solaris können die Kunden heute auf HP-, Dell-, IBM- und einer Reihe weiterer Plattformen betreiben. Zum Vergleich: AIX kann man nur auf IBM-Rechnern betreiben, HP-UX läuft ausschließlich auf Hewlett-Packard-Maschinen. Die Kunden wollen jedoch Wahlfreiheit.

CW: Aber wo bleibt das Geschäft für Sun?

SCHNEIDER: Die Produkte sind frei, das stimmt. Jeder darf die Software als Vollversion einsetzen. Auch darin unterscheiden wir uns vom Wettbewerb, der meist nur abgespeckte Ausführungen kostenfrei zur Verfügung stellt. Wenn Unternehmen mit unserer Software produktiv gehen, dann entscheiden sich fast alle für einen Wartungsvertrag. Schließlich sprechen wir hier von geschäftskritischen Umgebungen. Dann bezahlt der Kunde auch für die Lizenz.

CW: Wie würden Sie Suns Verhältnis zu Linux beschreiben?

SCHNEIDER: Solaris ist das beste Linux. Ich sehe nicht Linux, sondern Red Hat als Konkurrenten zu Solaris. Unser Vorteil sind aber beispielsweise die Möglichkeiten zur Konsolidierung. So läuft auf einer Sparc-Maschine das gleiche Solaris wie auf einem x64-Rechner von IBM. Es ist der gleiche Code, nur anders kompiliert. Aufgrund dieser Binärkompatibilität zertifizieren viele unabhängige Softwareentwickler ihre Lösungen für Solaris. Anwender müssten sich zudem nicht um viele unterschiedliche Versionen des Betriebssystems kümmern. Mit den verschiedenen Linux-Derivaten züchten sich die Anwender einen regelrechten Zoo an Betriebssystemen heran. Diese Gefahr besteht bei Sun nicht.

CW: Trotzdem ist Linux im Server-Umfeld sehr beliebt.

SCHNEIDER: Solaris bietet eine Reihe von Funktionen, die Linux noch fehlen. Über die Jahre hinweg ist eine ganze Menge an Enterprise-Wissen in das Betriebssystem geflossen. Zum Beispiel lassen sich Hardware und Software im laufenden Betrieb optimieren. Damit ist es Sun gelungen, die Wallstreet, die vor Jahren auf x86-Server mit Red-Hat-Linux umgestiegen war, zurückzugewinnen.

CW: Ist Sun nicht dennoch zu spät auf diesen Zug aufgesprungen?

SCHNEIDER: Das kann man sich natürlich fragen. Mittlerweile ist Solaris jedoch das am schnellsten wachsende Betriebssystem. Wir haben bereits über sieben Millionen lizenzierte Downloads registriert. Mittlerweile läuft Solaris zu über 70 Prozent auf Nicht-Sun-Hardware. Vor zwei Jahren wurde unser Betriebssystem noch zu 100 Prozent auf Sun-Hardware eingesetzt. Der Erfolg zeigt sich auch in den Initiativen der Wettbewerber. So hat kürzlich HP bekannt gegeben, Solaris offiziell auf den eigenen Rechnern zu betreiben und zu unterstützen. Intel hat Solaris als das Mainstream-Betriebssystem im Business-kritischen Umfeld definiert.

CW: Jetzt fehlt in der Reihe der Solaris-Freunde nur noch IBM.

SCHNEIDER: Dazu möchte ich mich nicht äußern. Wir kennen die Betriebssystem-Strategie von IBM zu wenig. Suns Strategie ist es, mit Solaris möglichst viele Plattformen im Markt zu zertifizieren, die eine Zukunft haben. So glauben wir nicht, dass die Itanium-Plattform eine Zukunft hat. Darum zertifizieren wir Solaris auch nicht für Itanium.

CW: Wie verschieben sich derzeit aus Ihrer Sicht die Kräfteverhältnisse im Server-Geschäft, gerade was das Verhältnis zwischen Sparc- und x64-Plattform betrifft?

SCHNEIDER: Sun verfolgt eine Drei-Säulen-Strategie. Neben der Sparc-Familie und der Chip-Multi-Threading-Technologie (CMT) ist dabei x64 eine wichtige Komponente. Hier ist Sun erfolgreicher denn je.

CW: Verlieren die Sparc-Prozessoren damit an Bedeutung?

SCHNEIDER: Über die Zukunft von Sparc ist schon viel diskutiert worden, auch als wir unsere Kooperation mit AMD und jüngst mit Intel angekündigt hatten. Sun steht aber nach wie vor hinter der eigenen CPU-Linie. Gerade in Sachen Skalierbarkeit und Verfügbarkeit ist Sparc den x64-Architekturen voraus.

CW: Warum halten Sie so an Ihrer Risc-Architektur fest?

SCHNEIDER: Der größte Trumpf ist unsere CMT-Technik. Hier haben wir einen Vorsprung von zwei Jahren. Andere Anbieter versuchen, uns in diesem Bereich zu kopieren. Die CMT-Maschinen können 32 Prozesse parallel abarbeiten, wo Intel und AMD vielleicht zwei schaffen.

CW: Was bedeutet das für die Anwender?

SCHNEIDER: Früher hat man einfach x64-Pizzaboxen gestapelt. Richtig skalieren konnten die Anwender damit jedoch nicht. Heute tauchen Probleme mit der Wärmeentwicklung auf. Die Stromkosten im Rechenzentrum sind mittlerweile schon so hoch wie die jährlichen Investitionskosten in Hardware. Mit x64 stößt man allmählich an Grenzen. Das merkt inzwischen auch Intel. Dort hieß es immer: schneller, schneller, schneller. Doch das bedeutet auch: wärmer, wärmer, wärmer. Mit den CMT-Rechnern ersetzen wir die Pizzaboxen.

CW: Wie bewertet Sun den aktuellen Hype rund um das grüne Rechenzentrum?

SCHNEIDER: In den USA ist das momentan das beherrschende Thema. Vor zwei Jahren hat man noch kein Wort darüber verloren. Die Vorteile für die Umwelt sind jedoch nur ein Aspekt. Die Mehrheit der Nutzer setzen stromsparende Rechner aus rein betriebswirtschaftlichen Gründen ein. Das lässt sich relativ einfach rechnen, da sich die Systeme durch den eingesparten Strom schnell amortisieren.