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12.07.2005

Solide Halbzeitbilanz im IT-Jahr 2005

Die IT-Branche wartet gespannt auf die Bilanzsaison. Von den Zahlen der nächsten Wochen wird abhängen, welche Richtung der Markt einschlägt. Der Grat zwischen neuer Euphorie und dem Tal der Tränen ist schmal.

Die Geschäfte laufen insgesamt rund, und die Unternehmen sind auch für das zweite Halbjahr durchweg optimistisch", versuchte Willi Berchtold, alter und neuer Präsident des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom), jüngst Hoffnungen für die ITK-Branche in Deutschland zu wecken. Laut dem aktuellen Branchenbarometer erwarten für das Gesamtjahr 2005 rund 69 Prozent der IT-Anbieter in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr steigende Umsätze. Auch in puncto Gewinn herrscht Zuversicht. Rund 53 Prozent der Befragten prognostizieren für das laufende Jahr steigende Profite.

Diese Zahlen vermitteln das Bild eines sich solide entwickelnden Marktes. Ein Vergleich mit Bitkom-Zahlen der zurückliegenden Quartale lässt jedoch aufhorchen. So betrug die Quote der Optimisten im November vergangenen Jahres 74 Prozent und im ersten Quartal 2005 sogar knapp über 76 Prozent.

Begonnen hatte das Jahr 2005 mit Erfolgsmeldungen einiger Branchengrößen. IBM durchbrach mit einem Nettogewinn von 3,1 Milliarden Dollar im letzten Quartal 2004 erstmals die Drei-Milliarden-Dollar-Grenze in Sachen Quartalsprofit. Intel schloss das vierte Quartal 2004 wie das gesamte zurückliegende Jahr mit Rekordumsätzen ab. Auch Microsoft präsentierte der Branche mit Einnahmen von 10,82 Milliarden Dollar und einem Gewinn von 3,46 Milliarden Dollar neue Quartalsbestmarken.

Hardware

Der gelungene Jahresauftakt konnte jedoch nicht über die Probleme einzelner Segmente hinwegtäuschen. So taten sich vor allem die hardwarelastigen Anbieter weiter schwer. Zwar konnte beispielsweise Sun Microsystems im Januar für sein viertes Quartal 2004 mit 19 Millionen Dollar einen kleinen Gewinn vermelden. Drei Monate später rutschte der Server-Spezialist jedoch schon wieder in die roten Zahlen. Auch IBM strauchelte im ersten Quartal dieses Jahres. Zwar erreichte der weltgrößte IT-Anbieter einen Gewinn von 1,4 Milliarden Dollar - 2,9 Prozent mehr als im Vorjahresquartal - , verfehlte damit aber die Erwartungen der Analysten deutlich.

Die Hardwaremärkte werden schwieriger. So rechnen die Marktforscher von Gartner und International Data Corp. (IDC) damit, dass das Wachstum im PC-Geschäft nach einem Boom und zweistelligen Steigerungsraten im zurückliegenden Jahr 2005 und in den darauf folgenden Jahren deutlich abflauen wird.

Halbleiter

Auch die Halbleiterhersteller müssen sich von den Wachstumsraten der Vergangenheit verabschieden. Nach einem kräftigen Umsatzplus von 28 Prozent auf weltweit 213 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr prognostizieren die Marktforscher für 2005 nur ein leichtes Wachstum im unteren einstelligen Prozentbereich. Allerdings haben die Hersteller schnell reagiert, als sich Ende vergangenen Jahres angesichts von Überkapazitäten und fallenden Preisen eine Krise im Markt abzeichnete. Mittlerweile sind die hohen Lagerbestände abgebaut, und das Schreckgespenst eines rückläufigen Marktes scheint gebannt. Zwar haben die Turbulenzen einige Anbieter wie AMD oder Infineon in die roten Zahlen getrieben. Branchengrößen wie Intel und Texas Instruments zeigten sich jedoch unbeeindruckt.

Telekommunikation

Die Talsohle hinter sich gelassen hat nach eigener Einschätzung die Telekommunikationsbranche. Angesichts rückläufiger Geschäfte im Festnetzbereich setzen die Carrier verstärkt auf ihre Mobilfunk- und Breitbandsparten. Allerdings ist der Wettbewerb in den viel versprechenden Zukunftsmärkten hart. Neue Techniken wie Voice over IP (VoIP) werfen ihre Schatten voraus und könnten den Markt kräftig durcheinander wirbeln. Um den künftigen Anforderungen gewachsen zu sein, benötigen die Telkos eine kritische Masse. Um diese schnell zu erreichen, suchen viele nach geeigneten Übernahmekandidaten. Der Kampf um die Akquisitionen wird erbittert geführt, wie das zähe Ringen der US-Anbieter Qwest und Verizon um MCI zeigte, den Verizon erst nach mehreren Monaten für sich entschied.

TK-Ausrüster

Im Schlepptau der Telkos können auch die TK-Ausrüster auf gute Geschäfte hoffen, gerade was den Mobilfunk und Breitbandanschlüsse betrifft. Allerdings bleibt der Konkurrenzkampf hart und das Geschäft abhängig von vielen schwer einzuschätzenden Unwägbarkeiten - wie beispielsweise Handy-Moden. Marktforscher von Gartner und IDC rechnen mit mehr Wettbewerb im weltweiten Geschäft mit Mobiltelefonen. Nachdem der Absatz 2004 im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent auf rund 674 Millionen verkaufte Geräte in die Höhe geschossen war, gehen die Analysten angesichts der Sättigung vieler Märkte im laufenden Jahr nur noch von einem Wachstum im einstelligen Prozentbereich aus.

Internet

Rückläufige Wachstumsraten sind den Internet-Companys dagegen fremd. Die Geschäfte im World Wide Web boomen. Vor allem die Branchenriesen Yahoo, Google, Ebay und Amazon fahren regelmäßig neue Rekordergebnisse ein und schüren damit die Vision eines neuen Goldrauschs im weltweiten Netz.

Software

Davon kann im Softwaremarkt indes keine Rede sein. Zwar ziehen die Schlachtschiffe der Branche wie Microsoft, SAP und Oracle unbeirrt ihre Bahn. In ihrem Fahrwasser geraten jedoch die Hersteller aus der zweiten Reihe sowie Best-of-Breed-Anbieter zunehmend ins Schlingern. Beispielsweise kommt Siebel Systems seit Monaten aus den schlechten Schlagzeilen nicht heraus. Ergebniswarnungen prägen derzeit das Bild des einstigen Vorzeigeunternehmens der CRM-Branche (siehe Seite 15).

Beleg für die zunehmenden Turbulenzen im Softwaresektor ist auch die wachsende Zahl der Übernahmen. Neben dem Abschluss der Peoplesoft-Akquisition durch Oracle im Januar 2005 gab es mit den Übernahmen von Veritas durch Symantec, Ascential Software durch IBM und Macromedia durch Adobe einige weitere Milliarden-Deals in den vergangenen Monaten.

Services

Im Servicegeschäft weht seit einigen Monaten ebenfalls ein rauerer Wind. Dienstleistungen sind zwar nach wie vor gefragt. Jedoch setzt der härter werdende Wettbewerb gerade gegen die Newcomer aus Indien vor allem die etablierten Serviceanbieter unter Druck. Zuletzt meldete Accenture, bis zu 30 000 Arbeitsplätze in Indien ansiedeln zu wollen (siehe Seite 9). Auch die Zeit der Mega-Deals scheint vorbei. So nahm im abgelaufenen zweiten Quartal dieses Jahres die Zahl der weltweit abgeschlossenen Serviceverträge mit einem Volumen von mehr als einer Million Dollar um 7,5 Prozent auf 447 zu. Allerdings schrumpfte gleichzeitig das Gesamtvolumen von 44,1 auf 25 Milliarden Dollar.

Getrübte Aussichten

Zum Auftakt des zweiten Halbjahrs trat bereits eine Reihe namhafter IT-Anbieter auf die Bremse und warnte vor schlechten Ergebnissen. Schwache Umsatz- und Ertragszahlen kündigte etwa Borland an. CEO Dave Fuller übernahm die Verantwortung und trat von seinem Posten zurück. Auch Siebel, Mercury Interactive, Altiris und Open Text räumten ein, dass die Zahlen für die zurückliegenden drei Monate enttäuschend ausgefallen seien. Zumindest die Warnungen von Mercury Interactive, Altiris und Open Text kamen überraschend. Diese hatten in den zurückliegenden Quartalen konstant solide Ergebnisse abgeliefert und steigende Wachstumskurven präsentiert.