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30.04.1999 - 

IT-Training/Vermittlung von Sozialkompetenz kommt nach wie vor zu kurz

Solisten sind in der IT-Branche nicht mehr gefragt

30.04.1999
Von Ina Hönicke* Das Rennen machen heutzutage teamfähige IT-Profis mit Sozialkompetenz. Doch mit der Vermittlung kommunikativer Fähigkeiten hapert es in der technikzentrierten Ausbildung von Universitäten und Fachhochschulen. Private Bildungsträger wittern hier ihre Chancen. Die Unternehmen dagegen vergessen allzu oft, daß ein gutes Betriebsklima die beste Voraussetzung für erfolgreiche Zusammenarbeit ist.

Der Personalmarkt in der IT-Branche boomt. Egal ob Softwareprofis, Telekommunikations- oder Multimedia-Experten - sie alle werden händeringend gesucht. Doch im Unterschied zu früher reicht fachliches Know-how allein nicht aus. Gefragt ist der teamfähige Experte mit sozialen Kompetenzen. Dazu gehören nach Meinung des Gießener Arbeitspsychologen Michael Frese Interviewfertigkeiten und -techniken, die Fähigkeit nachzufragen und zuzuhören sowie genügend Sensibilität, um sich in andere Menschen hineinversetzen zu können. Schließlich hängt der Erfolg eines jeden Projekts von der Kooperationsfähigkeit der einzelnen Mitarbeiter ab.

Volker Jansen, Personalleiter Systemhaus Deutschland bei der Softlab GmbH in München, bestätigt dies: "Unser Haus sucht Mitarbeiter mit sozialen Kompetenzen, die Fachprobleme verstehen und DV-technisch umsetzen können und die als Partner akzeptiert werden." In seinem Unternehmen arbeiten Informatiker oder Mathematiker und Ingenieurwissenschaftler mit Schwerpunkt Informatik.

Da Sozialkompetenz in der Softwarewelt eine so wichtige Rolle spielt, kann Jansen die "Jugendhörigkeit" vieler Mitbewerber nicht verstehen. Bei dem Münchner Software-Unternehmen geben ältere Spezialisten ihr Wissen als Mentoren-Coaches an jüngere Mitarbeiter weiter. Vor allem in puncto soziale Kompetenzen hätten die "Oldies" den jüngeren Kollegen einiges voraus. Der Grund, da ist Jansen sich mit anderen Personalchefs einig, sei die nach wie vor viel zu techniklastige Ausbildung an den Universitäten und Fachhochschulen.

In den Bewerbungsgesprächen gewinnen die Verantwortlichen nicht selten den Eindruck, Hardware und Softwareprogamme seien in der Ausbildung wichtiger gewesen als die Menschen, die von der Informatik betroffen sind. Ebenfalls nicht so ganz überzeugt sind die Personalchefs, ob sich die Wichtigkeit der Soft Skills bei den Hochschulabsolventen selbst herumgesprochen hat.

Arbeitspsychologe Frese kennt dieses Dilemma aus seinen Untersuchungen. Die von ihm befragten Softwareprofis erklärten übereinstimmend, daß in der Grundlagenausbildung für DV-technische Berufe die Vermittlung von sozialen Kompetenzen nur selten vorkommt. Auch wenn in der Weiterbildung der eine oder andere Kurs in interpersonaler Kompetenz angeboten werde, so sei dieser in der Regel wenig praxisrelevant. Frese: "Kein Wunder, denn die relevante psychologische Forschung zeigt ja gerade, daß Kurse zur Vermittlung allgemeiner sozialer Kompetenz dann scheitern, wenn das Gelernte nicht direkt in die konkreten Tätigkeitsinhalte integriert wird."

Martina Schäfer, Abteilungsleiterin beim Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart, hat die Erfahrung gemacht, daß soziale Kompetenzen an der Hochschule höchstens als Eigenleistung eines engagierten Dozenten vermittelt werden. Im Vorlesungsverzeichnis tauchten sie jedenfalls nicht auf. Die Wissenschaftlerin befürchtet, daß den Unternehmen bislang nicht klar ist, wie wichtig kommunikative Fähigkeiten in einer vernetzten Arbeitswelt sind: "Die Arbeitgeber setzen darauf, daß die Neueinsteiger eine Ahnung von kommunikativen Fähigkeiten mitbringen oder sie erlernen." Für Schäfer jedenfalls steht fest, daß neben Fach- und Methodenkompetenz Sozial- und Medienkompetenz eine immer größere Rolle spielen werden. Schließlich käme es nicht nur auf den technischen Aspekt, sondern zunehmend auf das Lösen von Problemen an.

Von der Infrastruktur her seien die Firmen auf jeden Fall in der Lage, den Mitarbeitern die entsprechende Unterstützung zu geben, etwa über ein Intranet. Die Stuttgarter Wissenschaftlerin glaubt, daß man sich um die Zukunft derjenigen Computerprofis, die zur Kommunikation nicht fähig oder willens seien, große Sorgen machen müsse.

Nachdem die Hochschulen derart schlechte Noten erhalten, kann es nicht verwundern, daß private Bildungsträger ihre Chance wittern, diese Lücke mit eigenen Angeboten zu schließen. Dazu zählen unter anderem die CSC Ploenzke Akademie in Kiedrich, Integrata Training in Tübingen, das ASB Management Zentrum Heidelberg sowie die Akademie für Führungskräfte in Bad Harzburg. CSC bietet Seminare an, die die Kompetenz und Persönlichkeitsentwicklung der Teilnehmer fördern sollen. ASB offeriert Kurse aus dem gesamten Bereich der Kommunikation, Rhetorik und Persönlichkeitsentwicklung. Sowohl das Schulungszentrum Integrata als auch die Akademie für Führungskräfte haben die Chefs im Visier.

So schulen die Tübinger Vorgesetzte im Führungsverhalten sowie zu den Themen Motivation und Konflikt-Management. Daniel Pinnow, Geschäftsführer der Akademie für Führungskräfte, schwärmt geradezu von den neuen Ausbildungszielen: "Ich plädiere dafür, daß Manager-Schulen Nischen besetzen und den Mut haben sollen, beherzt die großen Lernfelder der Zukunft zu betreten." Dazu gehören seiner Meinung nach Bereiche wie Potential-Management, Selbstverantwortung, Komplexitätsbewältigung und Ganzheitlichkeit. Weiterbildung bedeutet für den Bildungsfachmann Pinnow die Weiterentwicklung der fachlichen und persönlichen Fähigkeiten: "Wir müssen den Führungskräften ihre innere Stärke, ihre Intuition und ihre Kreativität bewußt machen."

Peter Littig, Leiter des Produkt-Managements bei der Dekra Akademie in Stuttgart, reagiert etwas zurückhaltender: "Im Grunde kann man soziale Kompetenzen nicht vermitteln, sondern nur trainieren."

Den Seminarteilnehmern müsse die Problematik der Teamarbeit bewußt gemacht werden. Sie lernen, inwieweit sie sich selber in ein Projekt einbringen können. Um den Erfolg zu garantieren, ist die Vermittlung von sozialen Kompetenzen in konkrete Projekte einzubinden. Der Dekra-Manager weiß, daß Personalchefs, die mit den kommunikativen Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter unzufrieden sind, gern den Schwarzen Peter den privaten Schulungsträgern zuschieben: "Jahrelang wurde die Wichtigkeit von Sozialkompetenz weder von den Arbeitgebern noch von den Arbeitsamtvertretern erkannt. Jetzt schreiben sich plötzlich alle Parteien dieses Thema aufs Panier. So schnell können die Bildungsträger auch keine Wunder vollbringen." Für Littig bringt die beste Qualifikation nichts, wenn die Mitarbeiter in einem Unternehmen mit schlechtem Betriebsklima arbeiten: "Was nutzen richtige Instrumente oder alle guten Vorsätze, wenn die Umgebung nicht stimmt oder kein Vertrauen zum Chef vorhanden ist?" Die Hektik, die fast überall im IT-Bereich herrsche, trage ebenfalls nicht gerade zur Informationskultur bei. Littig: "Aufgabe der Unternehmen ist es, eine Umgebung zu schaffen, in der die antrainierten Fähigkeiten auch umgesetzt werden können."

Für Ralf Karabasz, Geschäftsführer des Bonner Beratungshauses Synergie, steht fest, daß sich Sozialkompetenz nicht als Einzeltraining vermitteln läßt: "Wenn man über Veränderungsprozesse in Organisationen redet, dann müssen soziale Fähigkeiten anhand dieser Veränderungen als prozeßorientiertes Training organisiert werden - am besten in den Arbeitsräumen der Beschäftigten." Um Erfolg zu haben, müssen auch die Vorgesetzten hinzugezogen werden. Karabasz: "Im Grunde sollte die Vermittlung von sozialen Kompetenzen von den Unternehmen selbst in die Hand genommen werden. Am besten lernen die Mitarbeiter, wenn ein Verhaltenstrainer zusammen mit dem Chef an einem realistischen Projekt Kommunikation und Teamfähigkeit üben läßt." Wie seine Kollegen ist Karabasz der Meinung, daß die Vermittlung der sogenannten weichen Fähigkeiten nach wie vor zu kurz kommt: "Die Arbeitswelt in der Informationstechnologie hat sich verändert, doch die Kursangebote hinken hinterher." Deswegen seien zum einen die Bildungsträger gefordert, die Kursangebote an die neue Arbeitswelt anzupassen, und zum anderen die Unternehmen, ein Betriebsklima zu schaffen, in dem Sozialkompetenz auch Erfolg haben kann.

Angeklickt

Personalverantwortliche in der IT-Branche klagen nach wie vor über die fehlenden Soft Skills bei den Computerspezialisten und kritisieren die viel zu techniklastige Ausbildung an Universitäten und Fachhochschulen. Private Bildungsträger springen in die Bresche und versuchen die Bildungslücke zu schließen.

*Ina Hönicke ist freie Journalistin in München.