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30.03.1979

Soll die Programmier-Ausbildung standardisiert werden?

In Neat oder Gesal mag es sich gut programmieren lassen. Das Dilemma ist, daß dies nicht einmal NCR- und Honeywell Bull-Anwender beurteilen können. Das willkürlich gewählte Beispiel verdeutlicht, daß Programmieren nicht gleich Programmieren ist - nicht sein kann, weil Ausbildungsstandards fehlen. Dies bekommen EDV-Chefs zu spüren, die auf Personalsuche sind: Das Ausleseverfahren wird zum Glücksspiel, wobei die Bewerber noch das bessere Blatt in der Hand haben. So ist bei Vorstellungsgesprächen viel Bluff dabei - wer will es den gefragten Programmier-lndividualisten verdenken. Seit langem wird deshalb gefordert, daß Programmierer, nach dem Muster des DV-Kaufmanns, mit einer anerkannten Prüfung abschließen sollten. Eine Standardisierung der Ausbildung von Programmierern wäre schon deshalb wünschenswert, weil nur so "die Spreu vom t Weizen getrennt werden könnte", wie einer der von CW zum Thema befragten EDV-Chefs sinngemäß erklärte.

Dr. Erhard Becker, Leiter der Datenverarbeitung, Kaiser-Aluminium Europe, Werk Koblenz

Wünschenswert ist eine Standardisierung der Ausbildung von Programmierern und auch Systemanalytikern in jedem Falle. Nehmen wir als Beispiel die Anwendungssoftware:

Daß der Bedarf an Absolventen einer solchen Ausbildung in starkem

Maße vorhanden ist, zeigen die Lebensläufe von Absolventen schon bestehender Ausbildungseinrichtungen, die ein- oder mehrjährige Ausbildung in der Datenverarbeitung anbieten. Nehmen wir zum Beispiel die Ausbildung zum mathematisch-technischen Assistenten, die im Einzugsbereich der lndustrie und Handelskammern Köln, Frankfurt und Ludwigshafen - in allerdings sehr begrenzter Anzahl - angeboten wird. An einem solchen Ausbildungsplatz werden jedoch sehr hohe Anforderungen gestellt.

Daß die berufsbildenden Schulen zumindest zur Zeit dieses Ausbildungsangebot nur schwer erbringen können, zeigt die Tatsache, daß die theoretische und praktische Ausbildung der mathematisch technischen Assistenten zur Zeit im Verbund zwischen wissenschaftlichen Institutionen und privaten Unternehmen durchgeführt wird. Neben diesem Aspekt des derzeit nur schwer realisierbaren Ausbildungsangebotes ist ein weiterer Gesichtspunkt von mindestens gleichem lnteresse: Neben ihrer DV-Ausbildung haben gute Fachkräfte in der Anwendungsprogrammierung neben ihrer DV-Ausbildung meist eine fachliche Grundausbildung, wie etwa kaufmännischer oder auch technischer Art. Gerade diese Kenntnis der Probleme der Fachabteilung bestimmen trendmäßig in immer stärkerem Maße den Wert dieser Mitarbeiter.

Dr. Hans Braun, Geschäftsführer, Rechenzentrum Dr. Braun, München

Meine Forderungen an einen Programmierer sind neben einer guten Ausbildung - vor allem Talent zur selbständigen Arbeit, Einfühlungsvermögen und der Wille zuzupacken. Auch wenn man heute - nachdem auf dem Personalmarkt kaum noch gute Kräfte zu finden sind - Mitarbeiter selbst ausbildet, kann man davon ausgehen, daß nur etwa 50 Prozent später auch tatsächlich einsetzbar sind.

Wenn die Zeit nicht reicht, um diese Mitarbeiter selber auszubilden, bleibt einem nichts anderes übrig, als zu versuchen, sie von anderen Unternehmen wegzulocken. Wenn sich heute ein Programmierer mit einem sogenannten "Persilschein" bewirbt, bedeutet das noch lange nicht, daß er eine gute Ausbildung erhalten hat.

Bei Hochschulabgängern hingegen kann man gewisse Fähigkeiten voraussetzen. Wenn es darüber hinaus noch Ausbildungsstätten gäbe die ähnlich konsequent ausbilden - auch Nicht-Abiturienten - und eine staatlich anerkannte Abschlußprüfung für Qualität bürgen wurde, wäre ich bereit, auch solche Schulabgänger einzustellen. Diese Leute sollten aber mit dem Schwerpunkt Programmierung, Organisation ausgebildet werden und weniger mit kaufmännischen Belangen. [ Eine solche Ausbildung mit allgemein anerkanntem Abschluß wäre sehr zu begrüßen.

Adolf Stein, Leiter der Datenverarbeitung, SEW-Eurodrive GmbH & Co., Bruchsal

Ich würde es sehr begrüßen, wenn es endlich eine anerkannte Programmierer-Ausbildung mit dem Abschluß vor einer Industrie und Handelskammer gäbe. Die derzeitige Personalsituation für EDV-Kräfte ist mehr als schlecht. Ich selbst suche seit längerer Zeit Programmierer über Anzeigen, die Ausbeute hierbei ist jedoch ausgesprochen schlecht. Schlecht vor allem deshalb, weil wir ganz spezielles Wissen verlangen. Wir suchen Systemanalytiker und Organisationsprogrammierer mit Kenntnissen in Cobol, VSAM, CICS - alles IBM-spezifische Software-Kenntnisse. Zusätzlich sollten diese Leute auch bestimmte Fachbereichskenntnisse haben - was aber nicht Bedingung ist.

Ich könnte mir vorstellen, daß man durchaus Ausbildungsstätten schaffen kann, die dieses Wissen vermitteln können - und zwar besser, als es bisher in den privaten Institutionen gelehrt wird.

Wenn ich bei unserer Personalplanung langfristig eine bestimmte Position besetzen muß, bin ich durchaus bereit, auch qualifizierte "Anfänger" entsprechend unseren Anforderungen auszubilden. Hier reichen allerdings die Herstellerkurse nicht aus, es sollte vielmehr eine Ausbildungsstätte verfügbar sein, an der Verfahrenstechnik und neue Software-Technologien vermittelt werden.

Entsteht jedoch kurzfristig Personalbedarf, sieht die Situation sehr schlecht aus. Bei vielen Bewerbern, die sich auf Anzeigen-Aktionen melden, steht die Leistung in keinem Verhältnis zu den Forderungen, die wiederum auch nicht in das Gehaltsgefüge bereits vorhandener Mitarbeiter passen.

Meine Forderungen an eine künftige Ausbildung zum Programmierer wären, daß neben Programmiersprachen und Betriebssystemen - eine Selbstverständlichkeit - auch differenziert wird zwischen einer sprachenorientierten und maschinenorientierten Programmiersprache. Wichtig ist auch Praxis-Erfahrung, die den heutigen Programmierern während ihrer Ausbildungszeit völlig fehlt. Auch sollten Systeme und Mittel zur Verfügung stehen, mit denen ein künftiger Programmierer lernt, interaktiv zu programmieren.

Wir selbst bilden DV-Kaufleute aus. Derzeit bin ich gerade dabei, dieses Berufsbild etwas nach meinen Vorstellungen abzuändern: Meiner Ansicht nach laufen DV-Kaufleute etwas zu viel in den Fachabteilungen herum und werden dort mit Aufgaben betraut, die für ihre Ausbildung gar nicht so wichtig sind. DV-Kaufleute sind durch den heutigen Ausbildungsstand Mittler zwischen DV und Fachabteilung. Ich sehe sie aber näher an der Programmierung und deshalb sollten sie hierin verstärkt ausgebildet werden. Unser Ziel ist, im Hause demnächst die interaktive Programmierung zu lehren.

Roland D. Volke, PA Management Consultants, München

Meine grundsätzliche Auffassung ist, daß eine Art "Gütesiegel" für den Ausbildungsweg zum Programmierer sicherlich zu bejahen wäre. Der erste Schritt in diese Richtung ist bereits getan mit der Ausbildung des DV-Kaufmanns, der sowohl zum Datenverarbeitungs- als auch zum Industriekaufmann geschult wird. Leider ist dieser Beruf derzeit viel zu selten zu finden: Diese Leute stellen im Augenblick das einzige Potential vorgebildeter Programmierer dar.

Ein anderer Ausbildungsweg, Programmierer zu lernen, ist derzeit nicht vorhanden. Es gibt zwar einige Institute, die das eine oder andere an Kurzkursen und Informationen liefern, aber diese haben meiner Ansicht nach nicht das erforderliche Know-how, eine solche Ausbildung qualifiziert genug durchzuführen, da die Anforderungen an Programmierer und EDV-Organisatoren heute sehr hoch sind. Es wäre mit Sicherheit sinnvoll, einen noch stärker DV-orientierten EDV-Kaufmann auszubilden. Ich könnte mir vorstellen, daß man - auf diesem Berufsbild aufbauend - eine Möglichkeit schafft, die Kenntnisse in Programmierung noch zu vertiefen. Dieser Ausbildungsweg könnte etwa mit einer Auszeichnung "staatlich geprüfter Programmierer" abschließen, ähnlich wie es heute auch staatlich geprüfte Betriebswirte gibt.

Verantwortlich für dieses Ausbildungsdilemma ist meiner Meinung nach die derzeitige Bildungspolitik. Hier funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Wirtschafts- und Bildungspolitikern wieder einmal nicht so, wie es eigentlich sein sollte. Die Expansion in diesem Bereich war vorauszusehen, da alle EDV-Hersteller in den letzten Jahren enorme Wachstumsraten verzeichnen konnten. Logische Konsequenz daraus ist, daß es mehr Leute geben muß, die in der Lage sind, diese Systeme zu bedienen.

Auch in den nächsten Jahren wird EDV-Personal immer wichtiger und die Personalsituation immer schlechter, weil durch die Miniaturisierung der EDV-Systeme jetzt auch kleine und mittelständische Unternehmen diese EDV-Systeme einsetzen können.

Obwohl alle EDV-Hersteller Kurse anbieten, ist nicht jedes Unternehmen bereit, zusätzlich zu den Systemkosten auch noch in die Ausbildung zu investieren.

Ein Appell also an die Bildungspolitiker, hier etwas weitsichtiger zu sein. Bedauerlicherweise hat es sehr lange gedauert, bis das Berufsbild des EDV-Kaufmanns so klar abgegrenzt wurde.