Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

23.07.1993

Sommerloch koennte einige PC-Companies gefaehrden Dell Computer rechnet fuer das zweite Quartal mit Verlusten

DALLAS/LANGEN (CW) - Der PC-Highflyer Dell Computer Corp. erwartet trotz weiter steigender Umsaetze fuer das zweite Quartal des laufenden Geschaeftsjahres (Ende: 31. Januar 1994) ein negatives Ergebnis. Verantwortlich dafuer seien vor allem Aufwendungen fuer die Restrukturierung der internationalen Niederlassungen und Abschreibungen auf die teure, aber bisher ergebnislos verlaufende Notebook-Entwicklung.

Eigenen Angaben zufolge rechnet der Mail-order-Pionier aufgrund der ausserordentlichen Belastungen in Hoehe von 75 bis 85 Millionen Dollar fuer das zweite Quartal (31. Juli 1993) mit Verlusten von 1,65 bis 1,85 Dollar pro Aktie. Das Ergebnis wird vor allem durch Restrukturierungsaufwendungen in den 18 internationalen Niederlassungen beeinflusst, wo Marketing, Fertigung und Verwaltung konzentriert werden sollen. Eine zu positive Absatzprognose fuer den europaeischen Markt machte laut "Wall Street Journal" bei Dell ausserdem Sonderabschreibungen auf die Laeger notwendig.

Dell will sich staerker auf

den Vertrieb konzentrieren

"Im administrativen Bereich wollen wir abspecken und uns noch staerker auf den Vertrieb konzentrieren", kommentiert Herbert Frohne, Marketing-Direktor der Dell GmbH, Langen, die Massnahmen. "Wir sind in den vergangenen Jahren enorm schnell gewachsen, haben es jedoch versaeumt, die internationalen und europaeischen Dependancen entsprechend zu

strukturieren", fuegt Frohne hinzu. Obwohl Dell in Europa das fuer 1993 gesteckte Umsatzziel von einer Milliarde Dollar hoechstwahrscheinlich erreichen wird, komme man an einer "besseren Kostenstruktur" nicht vorbei, betont der Marketing-Mann.

Die Verluste koennten aufgrund der ausgehandelten Bedingungen fuer einen Kontokorrentkredit in Hoehe von 130 Millionen Dollar zur technischen Zahlungsunfaehigkeit des Unternehmens fuehren. Allerdings verhandelt Chief Financial Officer Thomas Meredith zur Zeit mit verschiedenen Geldgebern, um der Gefahr zu begegnen. Im uebrigen verfuege die Company ueber genuegend eigene Mittel, mit denen die Zahlungsfaehigkeit im Bedarfsfall sichergestellt werden kann, erklaerte eine Sprecherin.

Dell geraet zu einer Zeit in die roten Zahlen, zu der die PC- Hersteller wachsende Unsicherheit spueren. Den Preiskrieg konnten die Player bisher aufgrund weiter steigender Nachfrage und zunehmender Stueckzahlen durchstehen. Einer Dataquest-Untersuchung zufolge ist jedoch in Europa fuer das zweite Halbjahr mit einer schwaecheren Nachfrage zu rechnen. So geht Chris Fell, Associate Director von Dataquests European PC-Group, fuer das dritte und vierte Quartal 1993 von einem Wachstum von lediglich sieben bis zehn Prozent gegenueber den vorangegangenen Quartalen aus.

Unter der sich abzeichnenden nachlassenden PC-Nachfrage in Europa duerfte Dell zumindest in Deutschland weniger zu leiden haben, hofft zumindest Frohne: "Dafuer wird der Druck auf die No-Names staerker. Der Verdraengungswettbewerb setzt sich fort. Ich schaetze, dass es in Deutschland in zwei Jahren nur noch fuenf bis sechs PC- Lieferanten gibt."

Nicht nur Dell ist von den Folgen immer weiter sinkender Preise betroffen. Everex Systems und der Mail-order-Versender Compuadd haben sich bereits unter den Schutz von Chapter eleven begeben. Apple hat fuer das dritte Quartal des Geschaeftsjahres einen Verlust von 188,3 Millionen Dollar ausgewiesen (siehe auch Bericht auf Seite 2) und AST Research rechnet nach der Uebernahme der Tandy Corp fuer das vierte Quartal des Fiskaljahres ebenfalls mit roten Zahlen.

Gegenueber dem "Wall Street Journal" erklaerten Vertreter von Dell, dass sich die Company die heutigen Schwierigkeiten zu grossen Teilen selbst zuschreiben muss. So sei vergeblich viel Geld in die Notebook-Entwicklung gesteckt worden, und obwohl John Medica, der Entwickler des Apple Powerbooks, vor mehreren Monaten die Verantwortung fuer diesen Sektor uebernahm, hat die Firma nach wie vor kein konkurrenzfaehiges Produkt auf dem Markt. President und Gruender Michael Dell geht davon aus, dass die neue Notebook-Familie noch bis Ende des Jahres auf sich warten lassen wird.

Trotz des negativen Ergebnisses rechnet Dell fuer den Berichtszeitraum mit Erloesen zwischen 710 und 730 Millionen Dollar; das waere ein Plus von 55 beziehungsweise 60 Prozent gegenueber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Fuer das gesamte Geschaeftsjahr erwartet der President Einnahmen von drei Milliarden Dollar - eine Milliarde Dollar mehr als 1992.