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06.05.1988 - 

IBM nimmt Chip-Konti-Schicht auf Probe auf, aber:

Sonntagsarbeit lockt Nachahmer

MÜNCHEN (ih) - Die Genehmigung für die Sonntagsarbeit auf Probe im Sindelfinger IBM-Werk scheint in anderen Branchen einen Dammbruch hervorzurufen. Was der Chip-Produktion recht ist, soll der Kreditwirtschaft und einem Automobilhersteller nur billig sein: Sie fordern, ebenfalls vollkontinuierlich arbeiten zu können.

Mit der Rund-um-die-Uhr-Arbeit will IBM noch in diesem Monat beginnen. Um die Halbleiter-Produktion im Fünf-Schicht-Betrieb fahren zu können, stellt der Konzern für das Sindelfinger Werk über 100 neue Mitarbeiter ein (siehe auch CW Nr. 16 vom 15. April 1988, Seite 5: "IBM startet Chip-Konti-Schicht auf Probe"). Big Blue, hat die Genehmigung zur Sonntagsarbeit zunächst auf Probe erhalten und will bis 1989 insgesamt 400 Millionen Mark investieren. Hans-Olaf Henkel, Vorsitzender der IBM-Geschäftsführung, erklärt: "Wir wollen von den Anlagen her in der Lage sein, den 4-Megabit-Chip zu produzieren." Das bedeute auch, daß für den einzelnen Arbeitsplatz Kapitalkosten von rund 350 000 Mark entständen. Angesichts eines solchen Aufwandes sei IBM die Einführung der Konti-Schicht "wegen der zwingenden technologischen Gründe schon wichtig" gewesen. Grundsätzlich, meinte der IBM-Boß, komme es darauf an, in der Bundesrepublik "erstklassige Technologie wettbewerbsfähig herzustellen".

Auf das grüne Licht für den Rund-um-die-Uhr-Betrieb im Sindelfinger IBM-Werk scheinen andere Branchen indes nur gewartet zu haben. Zu den Vorreitern aus der Automobilbranche gehört die Opel AG. In ihrem Werk in Kaiserslautern liebäugelt die Geschäftsleitung seit geraumer Zeit mit der Einführung der Sonntagsarbeit. Die Arbeitnehmervertreter des Werkes gaben bereits ihre Zustimmung zu einer Verlängerung der wöchentlichen Maschinenlaufzeiten - falls diese vom Management verlangt würde.

Bereitschaftsdienst rund um die Uhr

Zu der Übereinkunft hat sich der Betriebsrat aus Sorge um die Arbeitsplätze entschlossen. Seit langem müsse man zusehen, so ein BR-Sprecher, wie Fertigungen ins Ausland verlagert würden, Als Konsequenz beschäftige Opel hierzulande weniger Leute.

Auf Ablehnung stößt die Konti-Schicht indes bei den Vertretern der IG Metall. Wenn dieses Beispiel Schule macht, erklärt ein Gewerkschaftssprecher, kann die Konzernleitung künftig jede Produktionsstätte mit der Drohung erpressen, Fertigungen abzuziehen, wenn bestimmte Vorgaben nicht erfüllt würden.

Auch der Zentrale Kreditausschuß (ZKA) fordert in einer Eingabe an den zuständigen Ausschuß im Bundestag, daß in den Ausnahmekatalog für das neue Arbeitszeitgesetz die Kreditwirtschaft aufgenommen wird. In seiner derzeitigen Form lasse der Katalog, so die ZKA-Mitglieder, den Kreditinstituten an Sonn- und Feiertagen kaum Spielraum, um für "eilbedürftige Tätigkeiten an DV-Anlagen" Bereitschaftsdienste einzusetzen. Lediglich eine vollkontinuierliche Arbeitszeit könnte für den einwandfreien Betrieb von Geldausgabeautomaten sorgen. Künftig würden die Automaten wegen des Sicherheitsstandards nur noch im Online-Verfahren betrieben. Die Bedeutung des Bereitschaftsdienstes wachse noch, so der ZKA, wenn in einigen Jahren allgemein POS-Kassen eingesetzt würden. Die kreditwirtschaftlichen Spitzenverbände sind der Meinung, ein neues Arbeitszeitgesetz müsse die technische Entwicklung mehr berücksichtigen.