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12.04.1996 - 

President Nobuyuki Idei krempelt das Unternehmen um

Sony wappnet sich gegen die Konkurrenz aus dem PC-Markt

Sonys neuer President Nobuyuki Idei hat in dem knappen Jahr seiner bisherigen Amtszeit sein Durchsetzungsvermoegen unter Beweis gestellt: Die Unternehmensfuehrung wurde umstrukturiert. Seit Beginn des Geschaeftsjahres am 1. April 1996 uebt die Zentrale, gefuehrt von einem Executive Board aus neun Managern, wieder eine staerkere Kontrolle aus.

Die zunehmende Verknuepfung von Unterhaltungselektronik und Computertechnologie erforderte aus Sicht des Konzernlenkers diesen Schritt. Bisher agierten die Bereiche Entertainment und Hardware weitgehend getrennt voneinander. Mit der neuen Organisation sollen die Abstimmung verbessert und die Entscheidungswege verkuerzt werden.

Bei der Durchsetzung seiner Vorstellungen haelt sich der Sony-Chef nicht unbedingt an Traditionen. Wer bei der Neuorientierung des japanischen Konzerns nicht mitzieht, wird von Idei oeffentlich gerueffelt. Dies sei in Japan aeusserst unueblich, so der Branchendienst "Computergram".

Der Markt der klassischen Unterhaltungselektronik entwickle sich ruecklaeufig, erklaerte Deutschland-Geschaeftsfuehrer Josef Brauner bei Bekanntgabe der Jahresergebnisse der hiesigen Sony-Tochter. Trotzdem sei der Umsatz mit zwei Milliarden Mark gegenueber dem Vorjahr annaehernd gleich geblieben, beim operativen Ergebnis wurde der Break-even-Point erreicht. Fuer 1996/97 rechnet der Deutschland-Manager wieder mit einer Einnahmensteigerung, die dann jedoch aus neuen Geschaeftsfeldern kommen soll.

Eine positive Entwicklung zeichnet sich beispielsweise in den computernahen Bereichen ab. So habe sich der mit Computerperipherie erzielte Umsatz im Geschaeftsjahr 1995 von 290 (1994) auf 600 Millionen Mark erhoeht. Auch der Telekommunikationssektor laesst Wachstum erwarten.

Wie Sony-Chef Idei gegenueber der japanischen Presse aeusserte, will er die Erfahrungen des Unternehmens im audiovisuellen Bereich fuer Aktivitaeten im Computergeschaeft nutzen.

Bereits im November letzten Jahres vereinbarten die Japaner mit Intel eine Kooperation, aus der ein PC entstehen soll, der sich so einfach bedienen laesst wie ein Fernseher. Auch an eine Zusammenarbeit mit Apple ist gedacht. Akquisitionsplaene bestreitet Idei allerdings. "Wir haben derzeit nicht genug Geld, nachdem wir die finanzielle Last von Sony Pictures Entertainment zu tragen haben."

Den Unterhaltungssektor will Idei keineswegs aufgeben. Die 1989 uebernommenen Columbia Pictures, die sich mit der Herstellung und dem Vertrieb von Filmen und Fernsehprogrammen beschaeftigen, seien vielmehr eine Schluesselkomponente in der neuen Firmenstrategie.

Das Unternehmen bleibt auch mit der neuen Ausrichtung als Multimedia-Anbieter seinem Fokus auf den Heimanwendermarkt treu. Mit der Entscheidung, ins PC-Geschaeft einzusteigen, wollen sich die Japaner nach Meinung von Branchenkennern in erster Linie gegen die zunehmende Konkurrenz aus diesem Lager wappnen. "PC-Hersteller beeinflussen zunehmend den audiovisuellen Bereich", erlaeutert der Sony-Boss. "Auf dem PC koennen Filme und CDs abgespielt werden." Es gebe keinen Grund, sich aus dem PC-Verkauf herauszuhalten, zumal Fremdhersteller die Sony-Displays bereits in ihre Rechner eingebaut haetten.

Erfahrung in der Computerfertigung besitzt das Unternehmen bereits. Dennoch rechnen die Japaner mit einigen Huerden auf dem Weg zum PC-Hersteller. "Wir muessen in bezug auf das Management der Bestaende viel von den taiwanischen Firmen lernen", gibt Kunitake Ando, President von Sonys IT-Tochter, zu.

"Diese Faehigkeit, die fuer den Erfolg im PC-Geschaeft wichtig ist, ist in den meisten unserer traditionellen Bereiche nicht vonnoeten." Bei audiovisuellen Geraeten werde fuer einen Bedarf produziert, der erst in sechs Monaten aktuell werde. Die PC- Herstellung erfolge dagegen fast auf Abruf, erklaerte Firmenchef Idei.

Den ersten Schritt in den PC-Markt werden die Japaner allerdings nicht alleine tun: Der erste Sony-PC - ein Desktop-Rechner - soll von einem Dritthersteller gefertigt werden und wird sich laut Ando "von gaengigen Wintel-PCs nicht sehr unterscheiden". Das mit Intel- Motherboard ausgestattete System soll im September auf den US- Markt kommen - ungeachtet des dort erwarteten Absatzrueckgangs um 14 Prozent. "Der Markt schwaecht sich nicht generell ab, er wurde nur ueberschaetzt", glaubt Idei.

Rund sechs Monate nach der ersten Einfuehrung will man ein Produkt nachschiessen, das voraussichtlich aus eigener Fertigung stammt. Dieser fuer den Heimanwender konzipierte Rechner soll die angekuendigten audiovisuellen Faehigkeiten besitzen und sich durch leichte Bedienbarkeit auszeichnen. "Die Maschine wird nicht wie die beigen Office-Rechner aussehen, sondern ueber ein aesthetischeres Design aehnlich der von Acer angebotenen Aspire- Linie verfuegen", erlaeuterte Ando. Wie so ein Geraet fuer den Multimedia-Markt konzipiert sein koennte, liess Deutschland-Boss Brauner verlauten. Er kuendigte eine Loesung an, mit der sich ueber einen Computer Videogeraet, Camcorder und Telefon steuern lassen.