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VLSI-Realität: 1 Milion Bit auf 8 mm X 10 mm

Sorgen um Europas Halbleiter-Zukunft

19.11.1976

AACHEN - Ein 1 Million Bit-Speicherelement wird in absehbarer Zeit so klein sein, daß die rund 100 K von einem größeren Staubsauger bequem geschluckt werden können. Einen Vorgeschmack, auf die Speicherzukunft bekamen die Teilnehmer des dreitägigen Workshops über Größtintegration elektronischer Bauelemente (Very Large Scale Integration - VLSI) in der TH Aachen: Beprochen wurde ein 8-KBit-Speicher mit 1- m Struktur (das sind Linienbreiten von 1/1000 mm) und ein ganzer 8 X 10 mm messender 1-MBit-Magnetblasen (Bubble)-Speicher. Während heute die Herstellungstechniken so weit sind, daß maximal 30 000 Einzeltransistoren auf einem Chip untergebracht werden können, dürften es 1980 etwa 1 Million und 1985 mehrere Millionen sein.

"Das sieht alles nicht besonders gut für die europäische Industrie aus", erklärte Bundesforschungsminister Hans Matthöfer bei einem Pressegespräch zum Abschluß des Workschop. "Wenn wir keine nationalen VLSI-Forschungs-, Entwicklungs- und Vertriebskapazitäten aufbauen, können wir in absehbarer Zeit keine elektrischen Schreibmaschinen, keine Autos und keine EDV-Anlagen mehr verkaufen."

Europäische VLSI-Strategie?

Das BMFT verhandelt zur Zeit sowohl mit der deutschen Industrie als der Europäischen Gemeinschaft über eine gemeinsageme VLSI-Strategie als Gegengewicht gegen die US-Vormacht und die künftige japanische Konkurrenz. Matthöfer, der schon vor zwei Jahren ein 280-Millionen-Mark-Programm fÜr Bauelemente startete: "Wir werden uns beim nächsten Haushalt sehr ernsthaft überlegen, ob wir mehr tun. Aber wir brauchen auf der Empfängerseite ein entsprechende Infrastruktur, die die Aufnahmefähigkeit für neue Mittel sicherstellt." Die aber ist noch nicht vorhanden. Industrievertreter äußerten beim Workshop keine konkreten Wünsche hinsichtlich staatlicher Unterstützung.

Große Studie kommt im Januar

Der im Lauf seiner Amtszeit mutiger gewordene Minister ("Ich lasse jetzt Sachen los, die ich vor zwei Jahren noch nicht gesagt hätte") fürchtet, daß viele Industriebetriebe noch nicht begriffen haben, wo die Entwicklung hingeht. Schwarz auf weiß werden es die Hersteller im Januar bekommen: Dann soll die vom Macintosh Consultants im Auftrag europäischer Regierungen und der EG erstellte Halbleiter-Studie präsentiert werden, die eine Marktanalyse und Prognosen für die nächsten zehn Jahre enthält.

Optimistischer gab sieh in Aachen der bei der EG-Kommission für die Elektronik-Industrie zuständige Direktor Sir Christopher Layton: "Die Chancen für ein gemeinsames Programm sind hier besser als bei der Computer-Industrie. Die Regierungen sind jetzt aufmerksam geworden, und innerhalb der Elektronik-Industrie ist die Not bei den Halbseiter-Herstellern am größten."

Matthöfer, der nach der Unidata-Pleite die Möglichkeit europäischer Gemeinschaftsprojekte skeptisch beurteilt und in Aachen zusammen mit der Industrie eine "schonungslose Analyse des Rückstandes" machte: "Es ist keine Frage, ob wir den Rückstand gegenüber den USA und Japan aufholen können - wir müssen einfach."

Nach Meinung des Ministers denken die deutschen Unternehmen nicht weit genug im voraus und "junge Leute, die aus etablierten Strukturen ausbrechen wollen, bekommen bei uns kein Geld von den Banken oder anderen Finanziers". Nicht einmal die Deutsche Wagnisfinanzierüngsgesellschaft (WFG), die Matthöfer mit aus der Taufe hob, begeisterte den Minister. Den bisherigen Erfolg der WFG umschrieb er bündig: Sie geht erst einmal keine Wagnisse ein"