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10.10.1980 - 

Computerbedarf soll aus eigenen Quellen gedeckt werden:

Sowjets entwickeln virtuelle Rechner

Für die Jahre 1982 und 1983 planen die Sowjets die Einführung neuer Computer der Serie Riad 3, an deren Entwicklung seit einigen Jahren intensiv gearbeitet wird Die über diese neue Generation an die Öffentlichkeit dringenden Informationen sind zwar dürftig, doch steht die Zielsetzung für das Riadprogramm fest. Es geht den Comecon-Ländern darum, ihren Bedarf an moderner Computerhardware immer mehr aus eigenen Quellen zu decken, um nicht mehr in dem Maße wie bisher vom kapitalistischen Ausland abhängig zu sein.

Durch die neue Serie Riad 3 sollen die meisten Lieferungen der fortschrittlicheren westlichen Computerhersteller in Zukunft entfallen können. Völlig klar ist aber auch, daß mit der aus dem westlichen Ausland bezogenen Hardware und Software der Forschung und Entwicklung in den Comecon-Ländern nachgeholfen werden sollte. Bemerkenswerte Ausführungen über den Entwicklungsstand der Computerserie Riad 3 machten kürzlich M.J. Rakovsky von der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften und Bronislaw Piwowar vom Computer-System-Institut von Mera-Elwro, dem polnischen Staatsunternehmen für Datenverarbeitung und Gerätehardware-Produktion. Das Institut ist an der Entwicklung der Computer Riad 3 beteiligt, deren Serienproduktion um die Jahresmitte 1980 aufgenommen worden ist.

Weiter mit lBM-Soffware

Eine grundlegende Forderung für die Entwicklung der Serie Riad 3 ist die Programmverträglichkeit mit den Computern der Serien Riad 1 und 2, um die in den letzten zehn Jahren entwickelte System- und Anwendungssoftware benützen zu können. Das heißt aber auch, daß die Entwicklungsingenieure der Riad-Serie weiter die Software der IBM-Systeme /360 und /370 zu ihrem Vorteil nutzen können, sofern sie an diese herankommen.

Die Endbenutzer von IBM-Systemen /370 mit virtuellem Speicher sind davon in Kenntnis gesetzt werden, daß die Modelle EC-1045 der Riad-Serie 2 ab 1981 mit virtuellem Speicher geliefert werden. Sechs der sieben Modelle der Riad-Serie 2 sind dann mit virtuellem Speicher ausgerüstet, dessen Kapazität sich von 160 Kilobyte bei dem in Ungarn hergestellten Modell EC-1015 bis zu 16,3 Megabyte bei dem größten, nur in der Sowjetunion hergestellten Modell erstreckt. Die einzige Ausnahme ist das in der Tschechoslowakei hergestellte Modell EC-1025 mit einem Standard-256-Kilobyte-Arbeitsspeicher, der nicht nach dem virtuellen Prinzip arbeitet.

Virtuelles Prinzip verbessert

Die Anwendung dieses virtuellen Prinzips, aber in verbesserter Form, ist ein erklärtes Ziel der Riad-Entwicklungsingenieure im Comecon. Bestimmte Modelle der Riad-Serie 3 wurden zwar bis jetzt noch nicht angekündigt, doch wurden verschiedene Daten und Merkmale mitgeteilt. Beispielsweise sollen die Systeme Riad 3 als Folge der höheren Drehzahlen und Speicherkapazitäten der Plattenspeicher siebenmal so kosteneffektiv sein wie die Maschinen der Serie Riad 2. Das schnellste Modell dieser Serie ist zur Zeit mit einer Leistung von 4,5 Millionen Operationen je Sekunde der Rechner EC-1065. Beträchtlich verbessert wurde auch die Zuverlässigkeit.

Es bestehen auch Pläne hinsichtlich einer Erweiterung des Arsenals an peripheren Speichern, zu denen neue Plattenspeicher gehören. Sie haben Speicherkapazitäten von 30 bis 200 Megabyte, für später sind solche mit 400 Megabyte zu erwarten.

Man nimmt an, daß jeder Rechner der Serie Riad 3 über vier bis sechs solcher Plattenlaufwerke verfügt. Die Arbeitsspeicher werden wohl im Mittel 2 bis 5 Megabyte aufweisen. Außerdem sind Magnetbandspeicher mit einer Speicherdichte von 955 Bit/cm verfügbar sowie optoelektronische Massenspeicher mit 10.E.11 Bit und magnetische Massenspeicher mit einer Kapazität von 10.E.12 Bit.

Mikroprogrammierte Hardware

Die gesamte Hardware dürfte mit LSI-Schaltungen bestückt sein. Sie werden die Größe und Leistungsaufnahme der neuen Einheiten um den Faktor 2 bis 10 reduzieren. Zu weiteren vorhergesehenen Einrichtungen gehören mikroprogrammierte Hardware für Teile des Betriebssystems, umfassende Anwendung des Multiprocessing und die Bereitstellung spezieller problemorientierter Prozessoren.

Zu der für die Serie Riad 3 geltenden Zielsetzung für Anwendungen gehört die Entwicklung von Konzepten der verteilten Datenverarbeitung durch Bereitstellung programmierbarer, mit Minicomputern ausgerüsteter Datenstationen, ferner erleichterte Verfahren des Aufbaus von Verbundsystemen, die Einführung problem - orientierter orientierter Programmiersysteme und eine umfassende Benutzung von Datenbanksystemen .

Zur Unterstützung dieser Zielsetzung wird die Standardhardware der Serie Riad 3 durch die SM-Riad-Minicomputerserie ergänzt, die speziell für Anwendungen in automatisierten Prozeßsteuerungssystemen und als Satellitensysteme in großen Installationen vorgesehen sind.

Die Entwicklungsarbeiten im multinationalen Rahmen des Comecon haben vor zehn Jahren begonnen. In dieser Zeit wurden mindestens 17 Modelle der Riad Serie 1 geschaffen eine modifizierte Riad 1M, die Serie Riad 2 sowie etwa 120 verschiedene periphere Einheiten.

Bohdan O. Szupowicz

(Übersetzt von H. J. Hoelzgen, Böblingen aus Computerworld vom 11. August 1980, S. 61/66.)