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24.12.1999 - 

Bankakademie setzt auf Web-based Training, betont aber:

Sozialkompetenz läßt sich nicht am Bildschirm erlernen

von Joachim Hasebrook und Michael Klemme* Im Bankgeschäft steigt das Tempo, mit dem sich Produkte, Aufgabengebiete und Firmenstrukturen ändern. Traditionelle Methoden der Weiterbildung können da kaum noch Schritt halten. Bei der Bankakademie in Frankfurt entwickelt man deshalb neue Lösungen für das Lernen im Inter- und Intranet.

Der Einstieg in die multimediale Lernunterstützung begann in der Bankakademie zunächst in Form der CD-ROM und des Versuchs, Seminarinhalte mit computerunterstützten Planspielen anzureichern. Obwohl es in den Studiengängen mit Erfolg eingesetzt wird, kamen dennoch Zweifel an der Eignung dieses Mediums auf. Gerade bei Finanzinstituten sinkt die Halbwertszeit von Informationen und zwingt dazu, Lerninhalte schnell in die Praxis umzusetzen und neues Wissen kurzfristig einzubinden. Dem gegenüber stehen bei klassischen CBTs lange Produktionszeiten, eine umständliche Aktualisierung sowie die damit verbundenen hohen Produktionskosten.

Darüber hinaus bieten diese Programme keine Möglichkeit, den Kursinhalt mit externen Quellen wie Nachschlagewerken, Informationsdiensten oder Inhalten des bankeigenen Intranet zu verbinden. Das größte Handicap stellt jedoch die fehlende Kommunikation der Lernenden untereinander sowie mit den Tutoren dar, die sich nur über umständliche Hilfskonstruktionen realisieren läßt.

Angesichts der raschen Verbreitung von Internet und Intranet entschloß sich die Bankakademie, sich nicht erst lange in der Offline-Welt aufzuhalten, sondern gleich auf den gerade anrollenden Web-based-Trainings-Zug aufzuspringen.

Bei der Suche nach einem geeigneten System stieß man auf den "Hyperwave Training Space" der Hyperwave Information Management GmbH aus München. Durch Aufsetzen verschiedener Module auf eine Basisplattform ist es damit möglich, Lernumgebungen zu entwickeln, mit denen sich sowohl die externen Seminare der Bankakademie als auch interne Weiterbildungsprogramme der Partner individuell realisieren lassen.

Augenfällig wird dies bereits bei der Benutzeroberfläche einschließlich der Navigationsumgebung. Im Gegensatz zu normalen Web-Servern, bei denen Seiteninhalt, Darstellung und Struktur eine Einheit bilden, sind sie beim "Hyperwave Information Server" voneinander getrennt, also jede Seite wird vor der Auslieferung an den Browser angepaßt und personalisiert.

Ohne großen Programmieraufwand lassen sich dieselben Inhalte auf unterschiedliche Layout-Schichten aufsetzen und vorhandenes Lehrmaterial wiederverwerten. Gleichzeitig erleichtert diese Trennung auch die Pflege des Kursangebots: Sowohl die Inhalte als auch die zugehörigen Links besitzen Attribute, die in einer Datenbank verwaltet werden. Anstatt bei der Neustrukturierung von Kursen die gesamte Navigation jedesmal von Hand anzupassen, erkennt der Information Server die Änderungen und aktualisiert die Links automatisch.

Dies reduziert nicht nur den Wartungsaufwand, sondern verhindert auch, daß tote Links entstehen, wenn der Dozent Lerninhalte innerhalb eines Kurses verschiebt oder löscht. Mit Hilfe der Attribute läßt sich beispielsweise einzelnen Inhalten eines Seminars ein Verfallsdatum zuweisen, an dem das System den veralteten Lehrstoff automatisch aus einer Lerneinheit entfernt.

Beim Kurs "Währungs-Management", den die Bankakademie als Prototyp für die Dresdner Bank entwickelte, zeigte sich beispielsweise, daß Teile des Kurses den Lernenden zu detailliert waren. Daraufhin machte man die Inhalte nach unterschiedlichen Zugriffsrechten zugänglich, wodurch einzelne Bereiche für die eine Lerngruppe ausgeblendet wurden, während eine andere sie einsehen konnte.

Mit dem Einstellen von Kursen in das Web-based-Training-System allein ist es jedoch nicht getan. Als Ergänzung zu den eigentlichen Lerninhalten benötigen die Studierenden eine Reihe von Quellen mit Basis- sowie weiterführenden Informationen, die bis dato zumeist in Papierform vorlagen. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist das "Studienwerk der Bankakademie", eine zirka 4500 Seiten starke und 21 Kilogramm schwere Loseblattsammlung, die halbjährlich aktualisiert wird.

Das fünfbändige Druckwerk wurde aus Quark Xpress heraus in SGML konvertiert und als Modul in die Hintergrundbibliothek des Web-Lernsystems eingebunden. Statt wie bisher alle sechs Monate rund 300 überarbeitete Seiten in das Studienwerk einzuheften, werden sie nun automatisch in das System eingespielt.

Künftig sollen für diese Hintergrundbibliothek bankspezifisch weitere Ressourcen erschlossen werden, die dem Lernenden Zusatzinformationen liefern. Dazu zählen Fachliteratur, aktuelle Gesetzestexte, Verweise auf im Internet verfügbare Informationsquellen wie die "Reuters Wirtschaftsnachrichten", sowie Verweissammlungen.

Der Lernerfolg hängt aber nicht nur davon ab, den Stoff in didaktisch guter Form anzubieten und mit Hintergrundinformationen anzureichern. Ein großes Manko des herkömmlichen Computer-based Trainings ist das Fehlen eines Ansprechpartners, wenn Fragen oder Probleme auftauchen.

Der Hyperwave Training Space bietet deshalb verschiedene Kommunikationskanäle an, über die der Lernende mit dem Dozenten sowie die Lernenden untereinander in Kontakt treten. Für den direkten Meinungsaustausch steht ein integriertes Messaging-System auf E-Mail-Basis zur Verfügung. Arbeiten gleichzeitig mehrere Teilnehmer am System, können sie sich zusätzlich über ein Chat-Forum unterhalten.

Indirekte Möglichkeiten zur Kommunikation bieten darüber hinaus Diskussionsforen sowie Annotationen. Dabei handelt es sich um virtuelle Notizzettel, auf die jeder Teilnehmer Anmerkungen oder Fragen zum Kursinhalt notiert und auf der entsprechenden Seite des Kurses plaziert. Als persönliche Annotationen sind sie entweder nur für den jeweiligen Autor sichtbar, oder er blendet sie wahlweise für die ganze Lerngruppe oder nur für den Trainer ein.

Auf diese Weise lassen sich Fragen stellen, Kommentare und Antworten abgeben sowie Hinweise und Argumente austauschen. Positiver Nebeneffekt: Die Studierenden reichern die Studieninhalte sukzessive mit persönlichem Wissen und eigenen Erfahrungen an, wovon letztlich auch der Kursautor profitiert.

Im virtuellen Seminarraum wird aber nicht nur gelernt, sondern auch geprüft. Derzeit erstellt die Bankakademie unter dem Namen "Certifire" eine Datenbank mit Prüfungsfragen und -aufgaben. Diese dient als Basis für das gesamte Prüfungswesen, sowohl gedruckt wie elektronisch. Mit Certifire können Kursautoren aus dem Bestand Tests erstellen und über Applets in ihre Kurse einbinden.

Bereits zu Beginn eines Kurses leisten Einstiegstests wertvolle Dienste. Sie zeigen dem Lernenden seinen Kenntnisstand und helfen ihm dabei, zu entscheiden, ob er zur Vorbereitung auf den Kurs eine einführende Lektion durcharbeiten sollte. Auch Ergebniskontrollen am Ende von Kursen, für die bei Präsenzveranstaltungen meist die Zeit fehlt, lassen sich selbst für kleine Gruppen ohne großen Aufwand gestalten. Mittels Java- und Javascript-Applikationen werden Testfragen und interaktive Grafiken eingebunden, die der Lernende am Ende eines Kapitels bearbeitet. Anhand der Resultate kann er entscheiden, ob er das Kapitel wiederholen oder fortfahren möchte.

Die Bankakademie in Frankfurt setzt das beschriebene WBT-System in mehreren Bereichen ein. In ihrer Eigenschaft als Entwicklungsabteilung und Dienstleister für Banken erstellt die Abteilung "Konzeption und Programmentwicklung" individuelle Intranet-Lernumgebungen. Sie bestehen aus der Basisplattform einschließlich einer bankspezifischen Layoutebene, auf die je nach Bedarf Kurse, Kommunikationskanäle, eine variable Hintergrundbibliothek sowie eine Datenbank mit Fragen aufgesetzt werden. Um den künftigen Nutzern den Einstieg in das WBT zu erleichtern, entwickelte die Bankakademie den Kurs "Lernen mit neuen Medien", der die Grundlagen des Online-Lernens vermittelt. Dieser Kurs ist für die Studierenden der Bankakademie im Internet verfügbar und wird auch im Bildungsnetzwerk Columbus der Deutschen Bank eingesetzt.

E-Mail ersetzt keine persönliche Diskussion

In den hauseigenen Kursen ist die neue Technologie ebenfalls im Einsatz. Teilnehmer des Management-Studiums können mittels Internet Themen zur Studien- und Projektarbeit diskutieren. Ein "Nachrichten-Archiv" für den Gedankenaustausch, aktuelle News von Reuters und Informationen zur Bankakademie runden den Service ab. Mit steigender Zahl privater Internet-Anschlüsse unter den Studierenden wird die multimediale Lernunterstützung schrittweise ausgebaut und künftig auch für die Studiengänge zum Bankfachwirt und Bankbetriebswirt angeboten.

Bedeutet Web-based Training mittelfristig das Aus für die Präsenzveranstaltung? Die Antwort ist Nein. Internet und Intranet werden zwar die Zahl der Veranstaltungen, in denen es lediglich um den Transfer von Fachwissen geht, vielfach ersetzen, können jedoch keine soziale Kompetenzen vermitteln. Teamfähigkeit oder das Verhalten in Konfliktsituationen läßt sich ohne soziale Einflußfaktoren nicht trainieren, und auch die Kommunikation über E-Mail oder Chat ist, verglichen mit einer persönlichen Diskussion, nur eine Hilfskonstruktion.

Eines zeichnet sich aber schon jetzt ab: An vielen Arbeitsplätzen wird Weiterbildung künftig direkt in den Arbeitsprozeß integriert werden und zusammen mit dem Wissens-Management eine Einheit bilden. Ein zentraler Intranet-Wissenspool dient dann gleichzeitig als Informationsquelle für die tägliche Arbeit sowie als Hintergrundbibliothek für WBT-Kurse.

Die Bankakademie...

... in Frankfurt am Main ist ein gemeinnütziger Verein, dessen Mitglieder die Verbände der privaten und genossenschaftlichen Kreditwirtschaft sind. An mehr als 100 Studienorten in ganz Deutschland können sich Bankkaufleute aus den verschiedenen Sparten des Kreditgewerbes für mittlere und gehobene Fach- und Führungsaufgaben qualifizieren. Jährlich nutzen rund 11000 Studierende dieses Angebot und bilden sich neben ihrer beruflichen Tätigkeit zum Bankfachwirt beziehungsweise Bankbetriebswirt weiter, absolvieren ein Management-Studium oder nehmen an Seminaren teil. Daneben entwickelt die Bankakademie für ihre Partner auch Konzepte und Produkte für die Online-Weiterbildung am Arbeitsplatz.

*Dr. rer. nat. Joachim Hasebrook ist Diplompsychologe und Leiter der Abteilung Konzeption, Programmentwicklung bei der Bankakademie e.V. in Frankfurt am Main, Michael Klemme ist Diplominformatiker und Technischer Koordinator für neue Meidien ebenfalls bei der Bankakademie.