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11.09.1987 - 

Für die Werbung ist Geld da, für die Schulungen nicht:

Sozialministerium würgt DV-Kurse ab

WIEN (CW) - Eine dramatische Entwicklung erlebt zur Zeit die Aktion "Bits & Bytes" der Arbeitsmarktverwaltung (AMV). Der Geldhahn für die Förderung von DV-Kursen wurde für heuer einfach zugedreht. In der Folge kam es zur kurzfristigen Absage vieler Kurse.

Vor Ort, in den Landesarbeitsämtern, ist die Stimmung bereits am Brodeln, denn enttäuschte Betroffene und überlastete Arbeitsamtsbedienstete sind gleichermaßen frustriert. Lediglich die AMV-Werbung läuft in allen Medien munter weiter. "Die Stimmung ist explosiv", beschreibt ein Wiener Schulungsanbieter die Situation, seine Eindrücke, die er bei seiner Zusammenarbeit mit den Landesarbeitsämtern Wien und Niederösterreich beobachten konnte.

Die Einstellung der AMV-Förderung für DV-Kursteilnehmer kam quasi über Nacht: Sogar bereits zugesagte Kurse fielen aus, schon bewilligten Teilnehmern wurde einfach brieflich mitgeteilt, daß der Kurs nicht stattfinde. Die Wiener Firma Ipecad, die CAD/CAM-Spezialisten ausbildet, mußte beispielsweise ihr gesamtes Kursprogramm umgestalten, weil alle noch für dieses Jahr geplanten CAD/CAM-Kurse abgedreht wurden. Ipecad hat seit 1984 an die 200 Spezialisten ausgebildet, von denen ein sehr hoher Anteil eine Beschäftigung gefunden hat. Die Einschränkung der Mittel verlief gerade hier so drastisch, weil vornehmlich die teureren Kurse nicht mehr gefördert werden. Eine CAD/CAM-Halbjahresausbildung bei Ipecad kostete die AMV immerhin über 60 000 Schilling.

Die Firma ist nun gezwungen, weniger umfangreiche und billigere CAD-Kurse zu veranstalten, für die die Teilnehmer selbst aufkommen müssen. Signifikant, wenngleich nicht ganz so drastisch, sind die Kürzungen auch bei DV-Grundkursen. In dieser Sparte laufen jedoch einige Veranstaltungen durchaus weiter, vor allem dann, wenn der Veranstalter mit der Arbeitsmarktverwaltung eine Jahrespauschale abgeschlossen hat. Dennoch unterliegen auch die Großanbieter WIFI und das Berufsförderungsinstitut (BFI) nicht unerheblichen Einschränkungen.

Das WIFI-Wirtschaftsseminar (WWS) etwa, ein dreisemestriger "Geheimtip" für Maturanten oder Studienabbrecher, wird in Zukunft nur noch in zwei (statt bisher vier) Klassen geführt. Zusätzlich gibt es für die Teilnehmer einen Selbstbehalt von etwa 2000 Schilling pro Monat - Kosten, die bisher von der AMV getragen wurden.

In der Planungsphase dieses Projekts war man sich im Sozialministerium der Tatsache bewußt geworden, daß die finanziellen Mittel nicht einmal ausreichen würden, um die laufenden Schulungen im Jahr 1987 zu decken.

An die Finanzierung eines weiteren Projekts war also in keinem Fall mehr zu denken. Zu diesem Zeitpunkt beging man den fatalen Fehler, zwar jede Kommunikation mit den Landesarbeitsämtern zu diesem Thema abzubrechen, jedoch nicht die bereits angelaufene Werbekampagne zu stoppen.