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03.02.1989 - 

OSF und die Unix Inc. streiten um Standards:

Spätstarter IBM bereitet AIX-Offensive vor

DORTMUND (CW) - Um sich Marktanteile offen zu halten, pokert Big Blue im Streit um Unix-Standards auf Zeitgewinn. So die Einschätzung der IBM-Aktivitäten durch Günther Ohland, Leiter des Geschäftsbereichs Informationstechnologie beim Dortmunder Software-Unternehmen mbp (siehe auch Kolumne, Seite 9).

Laut Ohland will IBM durch die ständigen Standardisierungs-Querelen um OSF und Unix International Zeit für die eigene AIX-Entwicklung gewinnen: "Denn", so der Bereichsleiter von mbp, "wir sind überzeugt, daß IBM in Kürze massiv mit ihrem Unix-Derivat auf den Markt drängt." Seiner Meinung nach beteilige sich der Mainframe-Riese nur deshalb an den Standardisierungs-Bemühungen der Unix-Welt, um zu verhindern, daß Konkurrenten sich Märkte erobern, auf die IBM selber zielt.

Bisher schien das verhaltene Engagement von IBM innerhalb der Open Software Foundation (OSF) eher auf ein mangelndes Unix-Interesse zu deuten. Zu Denken gab höchstens das ein oder andere Bekenntnis sowohl zu AIX als auch zu dem über alle Hardware-Ebenen gehenden SAA-Konzept. Er sehe voraus, so James Cannavino, President der IBM-Data-Systems-Group, daß AIX eine gewichtige Rolle bei Mainframes spielen werde (siehe auch CW Nr. 49 vom 2. Dezember 1988, Seite 1: "IBM-Unix soll SAA-Bestandteil werden").

Dazu paßt Ohlands Vorhersage, daß es AIX bald auch auf AS/400-Rechnern geben werde. Überhaupt werde sich seines Erachtens das Betriebssystem Unix auch im Midrange-Bereich durchsetzen. Wenig Überlebenschancen räumt er dem heute in diesem Bereich weit verbreiteten DEC-Betriebssystem VMS ein. Digital Equipment werde gleichwohl große Mühe haben, bisherige VMS-Kunden für das hauseigene Unix-Derivat Ultrix zu gewinnen.

Er hoffe, daß die konkurrierenden Unternehmen um IBM und AT&T sich trotz des Gerangels um Marktanteile an den Portability Guide der X/Open-Gruppe halten, in dem Industrie-"Standards" festgehalten werden. Sein Unternehmen werde sich jedenfalls - nicht nur in Sachen Unix - an den Spezifikationen dieser Gruppe orientieren.

Entwicklungen für OS/2 seien dagegen auf Eis gelegt. Der Cobol-Compiler, den man für dieses Betriebssystem entwickelt habe, werde so gut wie nicht verkauft. Außerdem sei das erfolglose OS/2-Engagement von mbp neben dem schleppenden Absatz im Teletex-Bereich für das wenig erfolgreiche Geschäftsjahr 1988 mit verantwortlich.

Mit dieser Marktanalyse im Kopf und dem gemeinsamen europäischen Markt ab 1993 im Visier setzt mbp, eine Tochter des Hoesch-Konzerns, nun auf Standard-Software unter Unix. Die frühe Entscheidung für dieses Betriebssystem, so Ohland, verschaffe seinem Unternehmen eine gute Ausgangsposition im internationalen Handel, wo erst wenig Unix-Anwendungen zu kaufen sind. Gerade die sonst auf Standards ausgerichteten US-Unternehmen hätten in Sachen Unix nur wenig zu bieten. Für den Vertrieb wird dem Unternehmen die bereits bestehende Infrastruktur des Hoesch-Konzerns zur Verfügung stehen.