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24.10.1997 - 

Data-Warehouse verknüpft mit Push-Technologie

Spanische Postbank liefert punktgenauen Service

Nur vier Monate benötigte das Team aus 100 Softwerkern für die Web-Banking-Anwendung "Argenvia". Diese besteht aus 54 Optionen, mit denen der Bankkunde laut Projektbeschreibung sowohl seine Bankgeschäfte erledigen als auch umfassend Informationen vom Kontostand bis Börsennotierungen abrufen kann.

"Dahinter steckt eine echte Data-Warehouse-Lösung", betont der Chef für die "virtuellen" Finanzservices der spanischen Bank, Joseph Montero, stolz. "Doch während andere Banken Informationen liefern, die in der Regel mindestens eine Woche alt sind, kann unser Kunde auf permanent aktuelle und auf ihn zugeschnittene Informationen zugreifen." Die Zielgruppe für die Anwendung seien junge Leute im Alter unter 25 Jahren. Rund 500000 solcher Kunden zähle die Privatbank bisher.

Am 14. November dieses Jahres soll die offizielle Freigabe des Systems erfolgen. Im ersten Nutzungsjahr rechnet die Bank mit rund 20000 Anwendern. Die Anzahl wird sich nach ihren Schätzungen über einen Zeitraum von fünf Jahren auf eine Million erhöhen. Dabei setzt das Geldhaus nicht nur auf die wachsende spanische Internet-Gemeinde. "Melden sich Interessenten heute bei uns an, können sie übermorgen weltweit auf unsere Services zugreifen", wirbt Montero.

Argenvia erlaube allein 16 verschiedene Transaktionen im Girokontoumfeld, 13 bei den Sparkonten, zwei im Bereich Überziehungskredit, sechs bei Krediten, sieben bis neun bei Kreditkarten, sechs bei Fonds, acht im Börsengeschäft, und drei Optionen stehen Smart- card-Benutzern zur Verfügung.

"Das ist noch nichts Besonderes", spielt Montero den Funktionsumfang herunter. Heutzutage biete schließlich jedes Bankhaus Möglichkeiten zum Online-Banking an. "Wir müssen und können unseren Kunden Besseres bieten." Die Argentaria-Kunden bestimmen selbst, worüber sie informiert sein möchten. Neben ihren persönlichen Daten können sie etwa Bankangebote und Informationsdienste wie Reuters abrufen.

Erwartet ein Kunde zum Beispiel eine Nachtragszahlung des Finanzamtes oder eine entsprechende Abbuchung, kann er diesen Informationswunsch via Web-Seite "www.argentaria.es" angeben. Ist die Transaktion vollzogen, sorgt Push-Technik dafür, daß sie unverzüglich auf dem Kundenterminal erscheint. Dafür muß der Kunde lediglich online arbeiten und nicht notwendigerweise die Bankverbindung geöffnet haben.

Auf der Kundenseite wird ein Windows-3.11- oder Windows-95-PC sowie als Browser "Netscape Navigator" oder Microsofts "Internet Explorer" benötigt.

Die grafischen Oberflächen hat die Bank hauptsächlich in der Hypertext Markup Language (HTML) implementiert. Am Back-end finden sich IBM-Mainframes mit banküblichen Legacy-Anwendungen und Transaktionssystemen, die unter dem Betriebssystem MVS laufen, das Protokoll SNA und die Datenbank DB2 benutzen und in Cobol geschrieben wurden. Die Host-Systeme sind logisch und räumlich verteilt.

Zur Postbank Argentaria, an der der spanische Staat Anteile hält, gehören sechs verschiedene Finanzhäuser, die sich 1991 zu einer Holding zusammenschlossen: die Handelsbank Caja Postal, die Aktienbank Banco Exterior, die Hypothekenbank Banco Hipotecario, die Kreditbank Banco de Crédito Local, die Direktbank Banco Directo und die Regionalbank Banco Allcante. Die Gruppe beschäftigt 18000 Mitarbeiter und unterhält 1800 Geschäftsstellen sowie 1700 Postamtsniederlassungen.

Laut Montero erwies sich die Anbindung der neuen Programme an die Mainframe-Anwendungen als einfachste Aufgabe innerhalb des Projekts. Schließlich konnte das Bankenteam, zu dem auch 45 externe Mitarbeiter fünf verschiedener Firmen zählten, auf ein bereits vorhandenes Data-Warehouse zugreifen. Dessen Struktur erlaubt den Bankkunden ein Drill-down über verschiedene Informationsebenen. Sie können beispielsweise sämtliche Kontoführungsinformationen einholen, die ein Jahr lang vorgehalten werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Konten bei mehreren Banken der Gruppe eingerichtet sind. Die Daten werden grafisch oder zum Beispiel tabellarisch aufbereitet.

Um die Anfragen an das Data-Warehouse oder die Mainframe-Applikation weiterzugeben, muß der im Browser erzeugte HTML-Code übersetzt werden. Umgekehrt sind Anfrageergebnisse in ein Browser-verständliches Format umzusetzen. Argentaria entwickelte zu diesem Zweck ein 3270-Gateway und implementierte es auf Unix- und NT-Rechnern. Anhand eines Codes erkennt es, welcher Mainframe und welche Bank die geforderten Informationen bereithält.

Darüber hinaus setzt die Bank die Protokolle TCP/IP, SNA 3270 und SNA LU 6.2 ein sowie den OMG-Standard Common Object Request Broker Architecture (Corba). Für die Verteilung der Informationen wählte die Bank Produkte der Broadvision Inc. aus Los Altos, Kalifornien, sowie von den spanischen Firmen Gran Via, BJS Software, IFG Consulting und Sistemas Informaticos Abiertos. "Die Push-Dienste von Marimba oder Microsoft zum Beispiel empfanden wir als zu aggressiv", erklärt Montero die Entstehung einer "proprietären" Lösung. "Unsere Kunden sollen Nachrichten einfach ausblenden können, wenn sie stören."

Erweiterungen einprogrammiert

Die gesamte Applikation wurde objektorientiert in C, C++ und Java geschrieben. "Da die Anwendung wachsen soll", erläutert Montero, "haben wir darauf geachtet, daß die Anwendung sowohl horizontal als auch vertikal skalierbar ist." Unter vertikaler Skalierbarkeit versteht der Finanzexperte, daß sich die Sun-Maschinen mit derzeit vier auf 14 oder gar 16 Prozessoren aufrüsten lassen. Horizontale Erweiterungen sind ebenfalls möglich, da die Software modular aufgebaut ist und jederzeit zusätzliche Komponenten beziehungsweise Services zuläßt.

Sicherheitsprobleme sieht Montero nicht. Auf dezidierten Security-Servern ist sowohl Firewall- (Firewall-1) als auch Zertifizierungs-, Authentifizierungs- und Verschlüsselungssoftware (Entrust Technology) implementiert. Zudem bekommt jeder Online-Banker eine Ausweiskarte, die ein Zahlen- und Buchstaben-Raster enthält. Ein Zufallsgenerator fragt eines oder mehrere Felder dieser Tabelle ab und überprüft, ob der Code zu dem Benutzernamen paßt.

Die Anwendung Argenvia hilft nicht nur dem Kunden, sondern auch der Bank. Betätigt der Online-Kunde einen bestimmten Button, erhält er Auskünfte darüber, welche Informationen über seine Online-Geschäfte gesammelt und ausgewertet werden. So merkt sich das Back-end-System etwa die Art der Transaktionen und wann sie erfolgen.

Mit Hilfe einer Data-Warehouse-Auswertung findet Argentaria heraus, welche Bankgeschäfte am häufigsten getätigt werden. Auf die Dauer erhält die Bank auf diese Wiese ein punktgenaues Kundenprofil, das sich zur Verbesserung der Anwendung, aber auch für gezielte Marketing-Aktionen nutzen läßt.

Laut Montero ist ebenfalls an eine bankübergreifende Nutzung solcher Erkenntnisse gedacht. Der Bank angeschlossen ist zum Beispiel eine Versicherung. "Allerdings", so der Finanzdirek- tor, "steht ein solches Projekt auf der Prioritätenliste nicht ganz oben..

Die Gewinner

Der "Internet Applications Award" wurde in diesem Jahr auf der deutschen Comdex das erste Mal verliehen. Nach Angaben des Veranstalters Logon Technology Transfer GmbH haben sich rund 150 Anwenderfirmen dafür beworben. Die Jury zeichnete aus, was sie für besonders innovativ hielt. Platz eins in der Kategorie "Beste Intranet-basierte Unternehmenslösung" belegte das Informationssystem "Fra-Village" des Frankfurter Flughafens. Der Gewinner erhielt von Microsoft eine Jahresmitgliedschaft im "Developers Program". Den ersten Rang unter den innovativsten Web-Seiten gewann die Robert Bosch GmbH, die ein virtuelles Autoradio entwickelte. Die IBM zeichnete den Gewinner mit einer Enterprise Edition von "Visual Age für Java" aus. Joseph Montero, der in Frankfurt die spanische Bank Argentaria vertrat, durfte sich über eine Sparcstation freuen.

Die Jury bestand aus folgenden Mitgliedern: Karl-Heinz Breitenbach (Customer Unit Microsoft), Claudius Eßer (Süddeutsche Zeitung), Janis Folkmanis (European Commission), Ulrich Geiger (Hessischer Rundfunk), Arndt Groth (Handelsblatt), Paul Harnon (Object Oriented Strategies), Rainer Mauth (Byte), Thomas Neumann (SMS), Heinz Strauß (Sun Microsystems), Oliver von Quandt (Netinvestor) und Roberto Zicari (Universität Frankfurt).