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Lehrer oder Lehrmaschine:


30.11.1984 - 

Spannender Unterricht bleibt das A und O

Seit einiger Zeit kann man bei großen Unternehmen der Kalkulationselektronik- Branche verstärkte Bemühungen ausmachen, ihre Maschinen, die Computer, in Schulen und Universitäten zu etablieren und sie in direkte Konkurrenz zu den Pädagogen der mehr oder weniger guten alten Art treten zu lassen. Doch so euphorisch sich manche Berichte über die Erfolge dieser Instruktions- Maschinen auch lesen - ist der Reiz des Neuen erst verflogen, kommen Lehrer und Schüler schnell wieder auf die Qualität als Maßstab des Unterrichts zurück.

Nicht ein Computer sondern ein Lehrer aus Fleisch und Blut hob in dieser Sache erst kürzlich wieder mahnend den Finger: Rechner, so meint Professor Richard Clark von der School of Education der University of Southern California in Los Angeles, Rechner mögen ja beim erstmaligen Einsatz als Lehrhilfe kurz und vorübergehend gewisse erfolgsfördernde Effekte zeitigen - aber nach so einem transienten Push nach oben könnten wohlvorbereitete, gute Lehrer dann jederzeit gleichgute Erfolge wie die Maschinen erzielen.

Wer so etwas sagt und sich dabei nicht einen schrecklichen Fluch aus Armonk, N.Y., zuziehen will, tut gut daran, diese Aussage zu belegen oder doch wenigstens plausibel zu machen. Dafür aber ist Professor Clark gottlob gerüstet: denn, so meint er nach längerem Sinnieren über die Unterschiede zwischen Menschen und Maschinen, "die wahre Stärke der Computer liegt, wie es jetzt scheint, gar nicht in pädagogischer Tüchtigkeit, sondern in ihrer Fähigkeit, die Schüler wie auch die Lehrer zu härterem Arbeiten als üblich zu inspirieren". Nur: Diese computerspezifische Inspirationskraft scheint allenfalls temporär zu wirken.

Der Professor aus L.A. hat, eigenen Angaben zufolge, praktisch die gesamte Literatur ausgewertet, die die Nützlichkeit des Computers im Bildungswesen zum Thema hat. Und darunter seien auch viele Arbeiten gewesen, in denen die Leistungen von High- School- Eleven der Klassen sechs bis zwölf untersucht worden sind, wobei man prüfte, wie der Lernerfolg einmal bei Einsatz eines Computers und zum anderen bei Einsatz eines lebendigen Menschen aussähe. Das Ergebnis: Der anfängliche Vorsprung des computergestützten Unterrichts schwand umso mehr, je länger der jeweilige Kurs voranschritt und (schon!) nach acht Wochen war er (der Vorsprung) praktisch nicht mehr der Rede wert.

Ohne Reiz des Neuen ist Medium nicht Message

Ist schon dieser Befund angetan, den Wein der Schulcomputer- Euphoriker sowohl im Lager der Industrie wie auch im Bereich der Hochschulen und der pädagogischen Praxis kräftig zu verwässern, so setzt Clark in seinen weiteren Bemerkungen gleich noch eins drauf: es habe sich außerdem gezeigt, meint er, daß von einem Vorsprung des computergesteuerten Unterrichts in all jenen Fällen - selbst von Anfang an - so gut wie keine Rede sein konnte, in denen ein und derselbe Lehrer sowohl das Computer-Lehrprogramm als auch das dann von herkömmlichen Pädagogen vorgetragene Unterrichtsprogramm entwickelt hat. Man könne also die gleichen Ergebnisse, die angeblich bloß mit einem Computer zu erzielen seien, auch mit herkömmlichen Unterrichtsmethoden erzielen - man müsse bloß den Lehrstoff auf ähnlich innovative, übersichtliche und klare Weise präsentieren, wie das Lernen per Computer es sowieso erforderlich mache.

Nach Clarks Erkenntnissen reduziert der vielbeschworene Nutzen des Computers im Unterricht sich also einfach auf den simplen Neuigkeits-Effekt. Auf einen Effekt, sagt der südkalifornische Erziehungswisenschaftler, den wir schon vor zehn Jahren haben beobachten können: damals nämlich, als man mit dem Medium fernsehen im Unterricht zu experimentieren begonnen habe. Doch leider: sobald jener Effekt vorbei sei, schwinde auch die scheibare Überlegenheit des neuen Mediums.

Ein Unterrichtsstoff, meint Clark, der als Computer-Software aufbereitet worden sei, könnte ebensogut mittels Büchern, Filmen, Vorlesungen und sonstigen Vermittlungstechniken verbreitet werden: denn in der Schulung sei das Medium eben nicht die Message. Und schon gar nicht die Massage. Doch einen winzigen Schönheitsfehler hat Clarks Computer-Kritik letztlich doch. Und zwar den, daß nach Meinung des Professors auch herkömmliche Unterrichtsmethoden den gleichen Lernerfolg bescheren könnten, würden die Schüler bei solchen Kursen ebenso intensiv mitarbeiten wie sie das (wenigstens in den ersten acht Wochen, laut Clark) am attraktiven neuen Medium Computer tun. Er versäumte aber zu sagen, wie ein klassischer "Pauker" der alten Schule Kinder jemals ebenso faszinieren soll wie der flimmernde und piepsende Rechner, mit dem sie sich in der ersten Zeit ganz freiwillig auf das intensivste auseinanderzusetzen pflegen. Ohne, daß der Rechner, wie jener, mit Nachsitzen und Strafarbeiten drohen müßte.

Und so gesehen haben die Maschinen trotz Clark vielleicht doch noch eine Chance...