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29.01.2008

Sparkassen-IT plagen Fusionsprobleme

Finanz-IT-Chef kritisiert Zusammenschluss und wirft das Handtuch.

Kurz vor Weihnachten hatten die Gesellschafter der für Nord- und Ostdeutschland zuständigen Finanz-IT und die für den südwestlichen Raum verantwortliche Sparkassen-Informatik (SI) vereinbart, sich zusammenzuschließen. Doch die Fusion der Sparkassen-Dienstleister bereitet offenbar gravierende Schwierigkeiten. Zunächst hatte Thomas Noth, Vorsitzender der Geschäftsführung der Finanz-IT, seine Bedenken geäußert, jetzt kündigt er seinen Rücktritt an.

Seiner Entscheidung vorausgegangen war ein Schreiben, das Noth gemeinsam mit seinem Geschäftsführungskollegen Klaus-Peter Kobiak an den Aufsichtsratsvorsitzenden Claus Friedrich Holtmann adressiert hatte. Darin wies er einem Bericht der "FAZ" zufolge auf die angeblich sehr hohen Kosten und Risiken des Zusammenschlusses für die Eigner der Finanz-IT hin. Noth, der seit 2002 amtierende Chef des Informatik-Dienstleisters, kritisierte, dass die Kosten der Fusion einseitig von der Klientel der Finanz-IT getragen werden müssten, während die Vorteile mit dem größeren Partner, der Sparkassen-Informatik, zu teilen seien. Da die Eigentümer sich offenbar über Noths Einwürfe hinwegsetzten, beschloss der Geschäftsführer, seinen eigentlich bis 2012 laufenden Vertrag vorzeitig zum 31. März 2008 zu kündigen.

Ungleiche Kostenbelastung

Grundsätzlich sperrt sich die Finanz-IT-Führung nicht gegen die Fusion, kritisiert aber Einzelheiten der gemeinsamen Absichtserklärung beider Gesellschaften. Aus Sicht der Finanz-IT werden die Kosten des Zusammenschlusses, die wesentlich durch die Migration auf ein gemeinsames Zielsystem anfallen, zum größten Teil von ihren Gesellschaftern zu schultern sein. In ihrem Brief stellen die Geschäftsführer Noth und Kobiak den Sparkassen in Nord- und Ostdeutschland deshalb eine "Sonderumlage" von 168 Millionen Euro in Aussicht - zahlbar im Migrationszeitraum 2008 bis 2010. Darüber hinaus werde ein Personalaufwand von 440 Millionen Euro entstehen, der in bisherigen Wirtschaftlichkeitsberechnungen nicht berücksichtigt sei. In dem Schreiben wird ferner auf drohende "Prozesseffizienzverluste" hingewiesen sowie auf Kostensteigerungs- und Verzögerungsrisiken. Auch diese gingen zu Lasten der Finanz-IT. Beklagt wird ferner, dass den Kunden der Finanz-IT keine "Mindestsynergien" zugesichert worden seien - auch wenn das hinter der Fusion vermutete Synergiepotenzial von erhofften 200 Millionen Euro jährlich vermutlich zu 70 Prozent den Kunden der Finanz-IT zukommen werde.

Seine Bedenken hatte das Finanz-IT-Management bereits Anfang Januar vorgebracht. Das hat die Eigner des IT-Dienstleisters, die niedersächsischen Sparkassen, die Nord LB und die Landesbank Berlin, jedoch nicht davon abgehalten, kurz darauf der kritisierten Fusionsabsichtserklärung zuzustimmen.

Sowohl der Einwurf als auch der Rücktritt des Finanz-IT-Chefs dürften die weiteren Fusionsgespräche erheblich belasten. Einfach waren die Verhandlungen aber wohl auch bisher nicht. Sie laufen zwar offiziell auf Augehöhe ab, allerdings ist es ein offenes Geheimnis, dass die Finanz IT von Anfang an geschwächt in die Verhandlungen gegangen war. Ihr Kernbankensystem ist veraltet, für eine aufwändige Überarbeitung fehlt dem IT-Dienstleister das Geld. Die SI hingegen betreibt eine konkurrenzfähige Bankenapplikation und befindet sich somit in einer stärkeren Position. (hv/fn)