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20.07.2006

Sparkurs schlecht für Arbeitsmoral

In einer Studie wurde belegt, dass Kündigungen und Lohnkürzungen die Einsatzbereitschaft für das Unternehmen drastisch sinken lassen.

Von Marzena Fiok

Entlassungen und Lohnkürzungen gehören in Deutschland zum beruflichen Alltag. Eine vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) publizierte Studie zeigt: Mehr als ein Drittel der Befragten hat im beruflichen Umfeld während der letzten fünf Jahre betriebsbedingte Entlassungen miterlebt, ein gutes Viertel berichtet von Lohnkürzungen.

Die Mehrzahl der Befragten beurteilt Kündigungen und Lohnkürzungen als ungerecht. Dies gelte sowohl bei der Bewertung eigener Erfahrungen als auch bei der Beurteilung hypothetischer Szenarien, so das IAB. Vor allem die Art und Weise von Entlassungen und Lohnkürzungen habe einen starken Einfluss auf das Gerechtigkeitsempfinden. Die Akzeptanz von Entlassungen und Lohnkürzungen sei zum Beispiel deutlich höher, wenn sich das Unternehmen im Vorfeld um die Vermeidung von Härten bemüht habe.

Einsatz lohnt sich nicht

Zentrale Ergebnisse der Studie besagen Folgendes: Infolge von Entlassungen und Lohnkürzungen sinkt das Engagement für die Firma. Die Zusammenarbeit mit Vorgesetzten und Kollegen leidet, und die Bereitschaft zur Kündigung steigt. Dies gilt bei Entlassungen allerdings nur dann, wenn sie als ungerecht empfunden werden. Lohnkürzungen hingegen haben auch dann negative Verhaltenskonsequenzen, wenn sie als eigentlich gerecht eingeschätzt werden.

Mit anderen Worten: Von der Mehrzahl der Befragten wird es als gerecht empfunden, wenn sich Firmen - auch auf Kosten der Arbeitnehmer - vor Verlusten schützen. Dasselbe Verhalten wird hingegen nicht akzeptiert, wenn das Unternehmen Gewinne erwirtschaftet.

Weniger als 20 Prozent der direkt Betroffenen bewerten Entlassungen und Lohnkürzungen als gerecht, wenn sich der Arbeitgeber im Vorfeld nicht um die Vermeidung von Härten bemüht hat und die Mitarbeiter dabei nicht eingebunden waren. Gehörten die Befragten nicht selbst zu den Betroffenen, so verändert dies ihre Einschätzung nur in geringem Ausmaß.

Mitbestimmung hilft

Werden die Mitarbeiter in die Entscheidungsprozesse eingebunden, empfinden 30 Prozent die Maßnahme als gerecht. Wenn der Arbeitgeber Aktivitäten zur Vermeidung gezeigt hat, schätzen rund 40 Prozent die Maßnahmen als gerecht ein.

Der Vergleich unterschiedlicher Entlassungsursachen zeigt: Szenarien werden als deutlich gerechter beurteilt, wenn die Kün-digungen Folge eines Absatz- einbruchs sind. Wenn der Entlassungsgrund hingegen eine Produktivitätssteigerung ist - verursacht durch die Einführung einer neuen Produktionstechnologie oder aufgrund von Verbesserungsvorschlägen aus der Belegschaft - , ist die Akzeptanz erheblich geringer. Damit unterscheiden die Befragten zwischen unternehmensexternen und -internen Ursachen und berücksichtigen die Verantwortlichkeit der Unternehmensleitung.

Der IAB-Kurzbericht "Fair geht vor: Was die Leute von Entlassungen und Lohnkürzungen halten" steht zum kostenlosen Download bereit unter http://doku.iab.de/ kurzber/2006/kb0106.pdf.